"Lifestyle-Teilzeit" bringt Klamroths CDU-Gast in Not: "Hätte das Wort niemals benutzt"
Autor: Doris Neubauer
, Dienstag, 03. Februar 2026
Nach zweimonatiger Winterpause meldet sich Louis Klamroth ausgerechnet mit der Frage zurück: "Wer muss jetzt mehr leisten?" Die Union will der "Lifestyle-Teilzeit" an den Kragen, die SPD den Reichen. Doch: "Wo ist das ausgeklügelte Konzept für die Wirtschaftswende?"
So ganz hat Kevin Kühnert seine alte Rolle als SPD-Generalsekretär nicht abgelegt. "Ich versuche, den Parteipolitiker abzutrainieren", meinte er am Montagabend in der Sendung "Hart aber fair" bei Louis Klamroth, der nach einer langen Winterpause zum Thema "Kein Aufschwung, Jobs in Gefahr - wer muss jetzt mehr leisten?" wieder am Start war. Für Kühnert war es sein zweiter Talkshow-Auftritt innerhalb von wenigen Tagen.
"Pauschal über ein Land mit 82 Millionen Menschen zu reden, führt immer zu einer ergebnislosen Diskussion", schlitterte er bei der Kritik an der Union in bekannte Gefilde. Er bezog sich auf eine Rede von Bundeskanzler Merz, der der "Work-Life-Balance" und zu hohen Krankschreibungen Schuld an der wirtschaftlichen Misere gab. "Bei Lifestyle-Teilzeit haben wir viele verloren, bevor die Debatte losgeht", kritisierte der heutige Abteilungsleiter beim Verein "Bürgerbewegung Finanzwende" die Wortwahl des CDU-Wirtschaftsflügels.
"Ich hätte das Wort niemals benutzt und es ist falsch", war eben diese dem neuen CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, sichtlich unangenehm. Die Politik habe sich nicht in solche Themen einzumischen, meinte er. Wie viel man arbeite, sei die individuelle Entscheidung jedes Einzelnen. Allerdings gehöre zur Stärkung der Wirtschaft auch mehr zu arbeiten. Entscheidend sei, dabei nicht nur einzelne Punkte zu diskutieren, sondern Konzepte und Ideen zu entwickeln.
Erzieherin: "Ich arbeite gerne Teilzeit, weil ich gesund arbeite"
Die Union habe schon im Wahlkampf vor einem Jahr mit einem "ausgeklügelten Konzept für die Wirtschaftswende" geworben. "Wo ist dieses Konzept, das würde ich gerne mal sehen", wollte Helene Bubrowski von "Table Media" wissen. Von der "Kakophonie der CDU" hält sie wenig: "Den Wahlkampf mit der allgemeinen Wählerbeschimpfung 'ihr seid alle faul' zu führen, ist taktisch und politisch nicht geschickt", warnte sie in Bezug auf die bevorstehenden Wahlen.
In Sachsen-Anhalt etwa soll Schulze die AfD von der Macht fernhalten. Dafür brauche es konkrete Maßnahmen, aber auch ein anderes Narrativ - gab ihm Kühnert unaufgefordert "Wahlkampfberatung" (O-Ton Klamroth): "Wir müssen anfangen die Geschichte zu erzählen von einem Land, in dem es Freude macht, dass wir gemeinsam nach vorne arbeiten."
Wortmeldungen wie "Lifestyle-Freizeit" sorgen fürs Gegenteil, wie Kindergartenpädagogin Sophie Brauer zeigte: "Ich arbeite gerne Teilzeit, weil ich gesund arbeite", wehrte sie sich auf Social Media und in der Talkshow gegen den Begriff: "Man reduziert fünf Stunden, und es geht besser." Viele wollen Vollzeit arbeiten, doch dafür müssen sich die Rahmenbedingungen ändern.
Dem konnte die Erdinger Unternehmerin Johanna Kamm nur zustimmen. Die Teilzeitfrage könne man ruhig Unternehmen und Arbeitnehmenden überlassen, in Sachen Bürokratie und exorbitante Energiepreise drängte sie hingegen auf Entscheidungen: "Wir brauchen die Politik als Sparringpartner", brachte sie es auf den Punkt, "wir brauchen keinen Endgegner in der Politik."