Kai Viehof verzichtete Millionen-Erbe: "Weil ich schon genug hatte."
Das gelte auch für die von der SPD ins Spiel gebrachte Erbschafts- und Vermögenssteuer. Mittelständische Unternehmen wie sie würde eine Änderung der aktuellen Regelung hart treffen, kritisierte Johanna Kamm, die gemeinsam mit ihrer Schwester Veronika den 100-jährigen Familienbetrieb Huber Technik GmbH & Co. KG übernommen hatte
Die vorgeschlagenen Ausnahmen für Betriebe im Wert von 5 Millionen Euro oder weniger seien "ausgewürfelt" und "deutlich zu niedrig angesetzt", kritisierte Johanna Kamm und forderte von der SPD einen höheren Betrag anzusetzen. Dass Reformbedarf herrsche, wollte aber auch sie nicht leugnen.
Tatsächlich wurden im Jahr 2024 deutschlandweit insgesamt rund 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt, so die Schätzung. Nur 13 Milliarden Euro davon gingen als Schenkungssteuer an den Staat. "Sollten Erben gezwungen mehr abzugeben?", wollte Louis Klamroth wissen.
"Definitiv", kam Kai Viehof's Antwort wie aus der Pistole geschossen. Mit Mitte 30 schlug er Erbe im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich aus und übertrug es in eine gemeinnützige Stiftung, "weil ich schon genug hatte, und weil ich aus der Logik rauswollte, aus viel Vermögen noch mehr werden zu lassen".
"Wenn Sie mir Polemik vorwerfen, dann werfe ich Spitzzüngigkeit zurück"
Wofür er in der Sendung Applaus erntete, stieß bei Elektronik-Unternehmer David Zülow auf Unverständnis. Er sah Viehofs Agieren als "bestes Beispiel" dafür, dass Menschen diese Entscheidung selbst treffen könnten und deshalb eine Erbschaftssteuer sinnlos sei. Auch weil sich zeige, dass "der Staat immer wieder das schlechtere Unternehmen" sei.
Das wiederum konnte Viehof - selbst Steuerberater - nicht so stehen lassen: "Es wird so getan, dass Geld an den Staat in einem schwarzen Loch verschwinden", lehnte er das ab: "Haben Sie sich die Schulen in Nordrhein-Westfalen angesehen, wie die vor sich hinrotten?"
"Danke", kam dieser Einwurf Zülow nur gelegen. Genau bei Schulen, im Straßenbau oder bei den Krankenhäusern werde sehr viel Geld reingeworfen, ohne die Situation zu verbessern. "Köln ist das Paradebeispiel", sagte er. "Mit über 20.000 Beschäftigten ist die Stadt Köln der größte Arbeitgeber, es ist aber nicht der Eindruck, dass sie die effizienteste Stadtverwaltung ist." Das Geld komme nicht dort an, wo es gebraucht werde - zu viele Menschen würden die Hand aufhalten.
"Zülow hat das Recht das so zu sehen", meinte Kühnert in gekonnter Nonchalance. Man könne solche Aussagen aber auch als Polemik begreifen, kritisierte er dessen Aussagen. Dass Erben mehr begünstigt werden als Arbeitende, sei "zutiefst ungerecht", führte er aus. Das konzentriere Vermögen und produziere Superreiche. Welche Auswirkungen das auf die Demokratie habe, könne man hierzulande und im Ausland sehen.
"Wenn Sie mir Polemik vorwerfen, dann werfe ich Spitzzüngigkeit zurück", verteidigte sich Zülow, was Kühnert nur mit einem "fair Deal" kommentierte. Statt einer Diskussion über "Reichtumsbekämpfung" forderte der Familienunternehmer in zweiter Generation eine über Armutsbekämpfung.
"Das ist Teil der Armutsbekämpfung", fiel ihm Viehof ins Wort und konnte Zülows Einsatz gegen die Erbschaftssteuer nicht nachvollziehen: "Ihr Unternehmen ist vergleichsweise klein. Sie verteidigen ein System, von dem Sie nicht einmal profitieren."
Quelle: teleschau – der mediendienst