Druckartikel: Lanz legt sich in Teilzeit-Debatte mit Lauterbach an - und unterstellt ihm "Polemik"

Lanz legt sich in Teilzeit-Debatte mit Lauterbach an - und unterstellt ihm "Polemik"


Autor: Natascha Wittmann

, Freitag, 30. Januar 2026

Teile der CDU fordern eine Reform des Teilzeitrechts. Bei "Markus Lanz" stellte sich SPD-Politiker Karl Lauterbach entschieden gegen diese Pläne. Mit seinen Aussagen zur Arbeitsmoral sorgte er jedoch nicht nur bei dem ZDF-Moderator, sondern auch bei Journalistin Antje Höning für Unverständnis.


Arbeitnehmer sollen künftig nur noch mit "besonderen Gründen" wie Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen in Teilzeit arbeiten dürfen. So jedenfalls sieht es der Wirtschaftsflügel der CDU. Mit diesem Vorschlag sind aber bei weitem nicht alle einverstanden: Auf den Vorstoß folgte nebem gesellschaftlichem Widerstand auch Kritik aus den eigenen Reihen. Grund genug für Markus Lanz, das Thema am Donnerstagabend mit seinen Gästen zu diskutieren.

Zunächst aber rückte Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach die prekäre Lage im Gesundheitswesen in den Fokus - mit drastischen Worten: "Die gesetzliche Krankenversicherung (...) wird, wenn jetzt keine drastischen Reformen kommen, (...) im Jahr 2027 (...) ein Defizit von zwölf Milliarden machen!" Moderator Markus Lanz reagierte sichtlich erschrocken: "Wow!"

Doch schnell kam Kritik an Lauterbachs eigener Regierungsbilanz. Journalistin Antje Höning hielt ihm entgegen: "Aber Herr Lauterbach, (...) Sie waren drei Jahre Gesundheitsminister und haben nichts dagegen getan!" Der SPD-Politiker verteidigte sich ausweichend mit Verweis auf die notwendige Krankenhausreform, die nun endlich "ohne Verwässerung" umgesetzt werden müsse. Lanz hakte nach: "Sind Sie denn zufrieden mit der Arbeit Ihrer Nachfolgerin diesbezüglich?" Lauterbach wich aus: "Ich kann mich zur Nachfolgerin nicht äußern." Lanz ließ nicht locker: "Doch, können Sie schon!"

Journalistin widerspricht Lauterbach: "Die Unternehmen haben ein massives Problem"

Die Herausforderungen im Pflegebereich seien enorm, warnte Lanz daraufhin mit Blick auf die verschuldeten Kommunen. Antje Höning stimmte zu: "Es ist der Fluch unserer (...) alternden Gesellschaft." Lauterbach griff daraufhin die Debatte um Arbeitsmoral und Teilzeit auf. Dass Bundeskanzler Friedrich Merz zuletzt die "ausbaufähige Arbeitsmoral" in Deutschland moniert hatte, sei für Lauterbach ein No-Go. "Unsinn", schimpfte er. "Diese Leute werden hier quasi in eine Ecke gestellt, als wenn es Drückeberger wären. Das ist aber nicht richtig."

Der SPD-Politiker stellte stattdessen einen Zusammenhang zwischen demografischem Wandel und Krankheitsausfällen her: "Der Arbeitsmarkt ist gewachsen. (...) Der Anteil der älteren Menschen, die noch arbeiten, ist stark gestiegen." Lanz zeigte sich überrascht: "Sie sagen, das hat was mit Demografie zu tun?" Lauterbach nickte und unterstellte Merz, er ließe tue nicht dagegen, "weil er es einfach nicht besser weiß".

Höning widersprach heftig: "Da möchte ich doch widersprechen! Die Unternehmen haben (...) ein wirklich massives Problem." Sie verwies auf eine problematische Kombination: "Wir haben mit die höchste Teilzeitquote, (...) wir haben mit den größten Krankenstand in Europa und wir haben eine sehr hohe Belastung an Sozialabgaben." Höning plädierte stattdessen dafür, den ersten Krankheitstag nicht mehr voll zu vergüten. Lanz zeigte sich überrascht: "Das ist natürlich schon ein harter Ansatz. Du bist krank und dann spürst du es sofort am Ende des Monats auf dem Lohnzettel."

Lanz stichelt gegen Lauterbach: "Warum geht man dann gleich mit so einer Polemik rein?"

Höning blieb jedoch dabei, denn: "Andere Länder machen das so." Lanz warnte jedoch vor einer gefährlichen Entwicklung: "Wenn du den ersten Tag direkt im Portemonnaie merkst, überlegst du dir, ob du dich krankmeldest oder nicht." Höning konterte: "Für die Betriebe wird die Belastung unerträglich."

Lauterbach nutzte derweil erneut die Gelegenheit, um gegen die CDU auszuteilen, da diese die Arbeitnehmer als "zu faul" darstelle. Lanz zitierte daraufhin einen von Lauterbachs Social-Media-Beiträgen, in denen er die Teilzeit-Aussagen der Union kritisiert hatte und fragte streng: "Wenn man sowas schreibt, überlegt man sich dann vorher, was man da eigentlich gerade schreibt?" Lauterbach antwortete knapp: "Das denke ich doch."

Lanz hakte nach: "Warum geht man dann gleich mit so einer Polemik rein, statt irgendwie zu versuchen, das einmal konstruktiv zu diskutieren?" Er warf seinem Gast vor: "Es wird sofort zerredet und kaputt gemacht." Lauterbach entgegnete: "Nein, es wird nicht kaputt gemacht!" Er verteidigte seine Haltung und schoss in Richtung Union: "Wenn man so argumentiert, dann muss man sich nicht wundern, dass man eine Debatte bekommt."

Antje Höning reagierte fassungslos: "Aber Ihre Partei ist doch Mitglied dieser Regierung!" Der SPD-Mann betonte in dem Zusammenhang, er sei "für Reformen, auch große Reformen", sofern diese fair seien. Der Grund? "Die Diskussionen, die wir derzeit führen, verunsichern die Menschen im ganzen Land."

Quelle: teleschau – der mediendienst