"Lächerlich und nicht ausreichend": Heidi Reichinnek zerpflückt Entlastungspaket
Autor: Doris Neubauer
, Dienstag, 21. April 2026
Tankrabatt und 1000-Euro-Prämie sollen die Deutschen entlasten. Doch bei "Hart aber fair" weht dem SPD-Fraktionsvorsitzendem Matthias Miersch ein scharfer Gegenwind entgegen. Unternehmer und Opposition halten sie gerade einmal für einen "Tropfen auf dem heißen Stein" - und sie sind damit nicht allein.
"Die sind wirklich riesig", staunt Louis Klamroth. Gemeint sind die Kartoffeln, die ihm die Landwirtin Marie Hoffmann auf einem Hof in Soest zeigt. Riesig sind aber nicht nur die speziellen Pommes-Kartoffeln, die sich beeindruckend hoch türmen. "Alles explodiert", klagt die Agrar-Influencerin auch über die extrem gestiegenen Kosten von Pflanzgut, Diesel, Dünger oder Maschinen - "wenn alles so bleibt (...), dann können wir das mit den schlechten Preisen für unsere Lebensmittel nicht mehr kostendeckend produzieren".
Der von der Politik beschlossene Tankrabatt von 17 Cent für die nächsten zwei Monate sei bloß ein "Tropfen auf den heißen Stein", fordert sie massive Steuererleichterungen, solange die Straße von Hormus geschlossen ist und die Auswirkungen zu spüren sind. Gerade in der Landwirtschaft brauche man langfristige Planung.
"Das Schwein wird in der Mitte fett", wusste auch "Dorfkind" und Linke-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek, die wie Hoffmann zu "Hart aber fair" ins Berliner Studio geladen war. Profit machen aber nicht nur Lebensmittel-, sondern auch die Mineralölkonzerne: Selbst wenn die 17 Cents weitergegeben werden - "was ich bezweifle" -, würden die Menschen mehr an der Zapfsäule zahlen als vor der Krise, bezeichnete sie den Tankrabatt als "lächerlich und nicht ausreichend". "Wir müssen überlegen, wie wir mittel- und langfristig Politik machen", forderte sie eine Diskussion über das große Ganze, "weg von den kleinen Einzelmaßnahmen, die nichts bringen."
Dass Louis Klamroth für diesen Montag andere Pläne hatte, ließ der Titel der Sendung vermuten: "Tankrabatt und 1000-Euro-Prämie: Was hilft - und wer zahlt?" lautete dieser - und es ging in erster Linie um diese beiden Maßnahmen. "Diese müssen erst mal wirken", argumentierte er.
"Können sie gar nicht", kam die prompte Replik von Reichinnek. Sie forderte ein Maßnahmenpaket, wie es in Spanien durchgesetzt wurde. "Warum schafft man das in Deutschland nicht?", fragte sie rhetorisch. "Wegen der Union", gab sie sich selbst die Antwort. Es könne nicht sein, dass nur für Aufrüstung Geld vorhanden sei und sich die Menschen in der Mitte zerreiben, bezeichnete auch sie die Maßnahmen als "Tropfen auf den heißen Stein". "Wenn Miersch alleine etwas zusammengeschrieben hätte, wäre ich damit glücklicher als mit dem, was jetzt herausgekommen ist", meinte sie mit Blick auf den anwesenden SPD-Fraktionsvorsitzenden.
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"Wenn ich alleine in der Villa entscheiden könnte, hätte ich bestimmte Sachen anders entschieden", hatte Miersch sich zuvor mehr schlecht als recht bemüht, die Maßnahmen als notwendigen Kompromiss aus den unterschiedlichen Ansätzen von Union und SPD zu verteidigen. Damit hatte er in der Sendung alle Hände voll zu tun. Generell sei er froh über die Beschlüsse, bezeichnete sie aber als "Mosaikstein eines Katalogs, der möglicherweise vergrößert wird".
"Ich sehe kein Mosaik", warf Reichinnek ein. Bund und Länder hätten beispielsweise bereits betont, dass sie die Prämie nicht zahlen. KMUs könnten sie sich nicht leisten, und Rentnern oder Studierenden helfe es gar nicht. Kurz: "Die, die es am meisten brauchen, entlastet die Regierung nicht", wetterte sie.