Kurz vor ihrem neuen Film: Adele Neuhauser in einem starken Stück über Identität und Liebe
Autor: Teleschau
, Dienstag, 03. Februar 2026
In der Dramedy "Ungeschminkt" spielt Adele Neuhauser eine transidente Frau, die nach Jahrzehnten in ihr Heimatdorf zurückkehrt, um sich der traumatischen Vergangenheit zu stellen. Ein dritter Film der beliebten Schauspielerin mit Regisseur Dirk Kummer und Drehbuchautor Uli Brée folgt bald.
Sensiblen Themen nähert man sich im deutschen Fernsehen oft vorsichtig humorbefreit. Dass es auch anders und vor allem unterhaltsam geht, zeigte Adele Neuhauser zuletzt in ihren Filmen "Faltenfrei" und "Ungeschminkt": Gemeinsam mit Regisseur Dirk Kummer und Drehbuchautor Uli Brée überzeugte die beliebte Darstellerin mit einem gelungenen Mix aus Dramedy und Gesellschaftskritik. Nach dem Erfolg der ersten Komödie, die sich 2021 den Schönheitswahn der Beauty-Branche vorknöpfte, plante das Trio sogleich eine lose Reihe mit demselben Team. 2024 Jahr folgte mit "Ungeschminkt" dann ein nicht minder eindrücklicher Blick auf Transidentität, den das Erste nun wiederholt, bevor eine Woche später mit "Makellos" der neue, dritte Film der Reihe TV-Premiere feiert.
In "Ungeschminkt" verkörpert Neuhauser die 60-jährige Josefa, die schon immer wusste: Sie ist eine Frau. Geboren wurde sie jedoch als Josef auf einem bayerischen Bauernhof. Es gibt triftige Gründe dafür, dass Josefa vor 35 Jahren aus ihrem Elternhaus floh und nicht mehr zurückblickte. Bis jetzt. Nach dem Tod ihrer Eltern beschließt sie, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Unterstützt von ihrer Freundin Antonia (Hayal Kaya) und gegen den Rat ihres Mannes Magnus (Matthias Matschke) fährt Josefa zurück "in die Hölle", nach Distelfing.
Großartige schauspielerische Leistungen
Die blöden Kommentare lassen nicht lang auf sich warten. Josefa kennt sie alle, die transphoben Sprüche, ob beabsichtigt verletzend oder nicht. Der Film spiegelt hier die Realität, viele Menschen fühlen sich von LGBTQI+-Themen überfordert. Ein kluger Schritt war es, beim Thema Transidentität eine Sensitivity-Beraterin für den Film ins Boot zu holen. Ihr Ziel sei, "die Darstellung von trans Personen so authentisch und so wenig klischeehaft wie möglich zu gestalten", erklärt Julia Monro.
Die wichtigen Menschen aus Josefas Vergangenheit aber sind ohnehin andere: Blume (Ulrich Noethen) und Petra (Eva Mattes), der beste Freund sowie die Exfrau von Josef(a), die von ihr ebenfalls zurückgelassen wurden, ohne Erklärung. Es gibt viel aufzuarbeiten für das Trio - das man nicht besser hätte besetzen können.
Josefas erste Begegnung mit Blume ist auch schauspielerisch eine der stärksten Szenen des Films, in der sich Neuhauser, wie sie sagt, "total fallen lassen konnte durch die tiefe Emotionalität von Uli Noethen": Blume erblickt Josefa, stutzt kurz und nimmt sie dann fest in die Arme, ohne Worte, glücklich, während Josefa Tränen der Erleichterung über die Wange rinnen.
Premiere für den dritten Film "Makellos"
Schwerer macht es ihr da Petra, die zunächst nicht mit Josefa reden möchte. Zu tief sitzen Wut und Schmerz der verlassenen Ehefrau, die mit dem Verlust und der Schmach im Dorf weiterleben musste. Als Petra schließlich doch zum Gespräch bereit ist und Josefa alles Ungesagte entgegenbrüllt, wird dieser erst klar: Nicht nur sie war damals unglücklich.
"Wie sehr kann man jemandem verzeihen, den oder die man liebt? 'Ungeschminkt' ist ein Film über die Kraft der Liebe geworden", sagt Regisseur Dirk Kummer. "Und darüber, dass es Mut braucht, so zu leben, wie man leben will." Es ist aber eben auch ein Film über das hochsensible Thema Transidentität.