Druckartikel: Kretschmer attackiert in der ARD die Bundesregerierung: "Umsetzungs- und Erkenntnisproblem"

Kretschmer attackiert in der ARD die Bundesregerierung: "Umsetzungs- und Erkenntnisproblem"


Autor: Marko Schlichting

, Mittwoch, 15. April 2026

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer hat die Reformbemühungen der Bundesregierung heftig kritisiert. Man müsse die Ursachen bekämpfen, aber nicht die Symptome, fordert der CDU-Politiker am Dienstagabend bei Sandra Maischberger im Ersten.


Journalist Cherno Jobatey freut sich bei Sandra Maischberger auf einen "Herbst der Reformen". Bundeskanzler Friedrich Merz spricht von dem "Sommer der Reformen". Was wir wissen: Reformen sollen kommen. Die Jahreszeit - unklar. Das Jahr - irgendwie auch. Zumindest hat die Regierung am Wochenende schon mal etwas beschlossen.

Um 17 Cent soll der Benzinpreis sinken, weil die Steuern gesenkt werden - und wenn die Ölkonzerne das Geld nicht lieber für sich behalten. Das soll für zwei Monate gelten, dann wird der Sprit wieder teurer. "Es ist eine Pflaster- und Aspirin-Kur", sagt "Euronews"-Chef Claus Strunz als "Maischberger"-Gast in der ARD.

Nicht nur die Bundesregierung scheint zerstritten. Auch in den einzelnen Parteien herrscht Uneinigkeit. Vor allem in der CDU. Michael Kretschmer ist sächsischer Ministerpräsident. Dass er in seiner Partei eine Sonderrolle spielt, ist schon seit Jahren bekannt. Am Dienstagabend ist auch er Gast bei Sandra Maischberger. Seine Aufgabe: Kritik üben. Das tut er auch.

"Jetzt muss man von A bis Z durchgehen, was dieses Land so teuer macht"

"Es ist ein Anfang." So bewertet der sächsische Ministerpräsident die angekündigte Senkung der Energiesteuer, die einmal die Mineralölsteuer war. Doch er verlangt: "Weitere Maßnahmen müssen folgen." Man bekämpfe Symptome, aber die Ursachen würden nicht verschwinden, kritisiert er. "Wir haben einen Krieg, der zu Ende gehen muss." Dafür müssten sich auch die Länder in Europa starkmachen. "Wir müssen an diese eigentlichen Ursachen heran und nicht nur an der Oberfläche weiter so tun als ob", so Kretschmer.

Die Senkung der Benzinreise sei ein Beitrag, der jedoch kein Problem löse. Aber: "Ich finde die 17 Cent richtig, weil wir alle davon betroffen sind. Es deckt den Bereich der Mobilität." Die Benzinpreissenkung sei eine Erleichterung für die Bevölkerung und das Handwerk. "Jetzt muss ein Ruck kommen, der durch dieses Land geht. Jetzt muss man von A bis Z durchgehen, was dieses Land so teuer macht und was wir wegnehmen können."

Zwar kritisiert Kretschmer die "Zerrissenheit der Bundesregierung" und ist mit vielen Beschlüssen nicht einverstanden, die am Wochenende getroffen wurden. Aber eines findet er richtig: Die Regierung hat das Aus vom Verbrenner-Aus abgesegnet. Energieoffenheit sei wichtig. Trotz der hohen Spritpreise. "Es ist doch eine Realität, dass wir nur mit Energieoffenheit vorankommen", sagt Kretschmer, "Und wir wollen uns doch mit diesen Spritpreisen jetzt nicht einrichten. Es muss doch das Ziel der Übung sein, möglichst schnell davon wieder wegzukommen."

Kretschmer bei "Maischberger": "Dieses Land verliert immer mehr an Kraft"

Damit Kretschmer zufrieden ist, hat er einige Vorschläge. "Wir müssen anfangen mit Energie. Energie darf kein knappes, teures Gut sein. Wir dürfen die Klimaziele nicht aufgeben. Aber der Weg, den wir beschreiten, führt durch ein Tal des Todes. Wir sind gerade mittendrin. Jedes Jahr werden Zehntausende Industriearbeitsplätze abgebaut." Energie müsse günstiger werden, fordert Kretschmer, "und das kann man, indem man sich überlegt, ob die CO2-Steuer so hoch sein muss."

Außerdem fordert der CDU-Politiker mehr Deregulierung und eine effizientere Steuer- und Abgabenpolitik. Kretschmer weiß aber auch: "Diese Regierung ist sich nicht einig. Die Koalition hat nicht nur ein Umsetzungsproblem, sondern auch ein Erkenntnisproblem." Er habe viele Termine wahrgenommen, mit Gewerkschaftern und SPD-Politikern. Die würden die Dinge ganz klar sehen. "Und ich glaube, es liegt jetzt an denen, der eigenen Partei Rückenwind zu geben."

Kretschmer fordert: "Wir müssen raus aus dem Kleinklein, uns die Zeit läuft uns davon. Wir werden immer weiter durchgereicht, dieses Land verliert immer mehr an Kraft, auch die Dinge zu finanzieren, zu leisten, was es leisten muss, in der äußeren und inneren Sicherheit, bei den sozialen Sicherungssystemen und auch bei Zukunftsinvestitionen."

Michael Kretschmer will AfD-Ministerpräsidenten verhindern

Ein wichtiges Problem gerade in Ostdeutschland sind die immensen Zustimmungsgewinne der AfD. Die würden durch eine bessere Wirtschaftspolitik nicht sinken, fürchtet Kretschmer. Aber die AfD würde auch nicht stärker werden, glaubt er. "Wir müssen ihnen den Boden entziehen", verlangt er. Das funktioniere vor allem mit einer guten Wirtschaftspolitik. "Man kann hier handeln, und das ist der Bundesrepublik immer gelungen. Aber es braucht dieses gemeinsame Verständnis. Wir müssen jetzt große Dinge angehen."

Im Herbst werden in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern neue Landtage gewählt. In Sachsen-Anhalt könnte ein AfD-Politiker zum Ministerpräsidenten gewählt werden. "Ich will das verhindern, und ich arbeite jeden Tag dafür", sagt Kretschmer. "Ich würde diesem Land gern das Chaos ersparen, das dadurch entsteht, dass Menschen dort in die Verantwortung kommen, die vor allen Dingen populistisch erfolgreich sein wollen, aber die nicht in der Sache arbeiten. Und wenn man sich das Wahlprogramm anschaut: Das ist so absurd und an den eigentlichen Themen vorbei. Das nimmt kein gutes Ende."

Kretschmer springt bei "Maischberger" für die Ministerpräsidenten-Kollegen in die Bresche: "Sven Schulze in Sachsen-Anhalt und auch Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern sind so gute Ministerpräsidenten, die haben so vieles erreicht, und sie haben es verdient, dass sie auch Ministerpräsidenten bleiben."

Quelle: teleschau – der mediendienst