Druckartikel: "Komisch, oder?" Unterwelt-Kenner packen über "Sparkassen-Coup von Gelsenkirchen" aus

"Komisch, oder?" Unterwelt-Kenner packen über "Sparkassen-Coup von Gelsenkirchen" aus


Autor: Gianluca Reucher

, Donnerstag, 26. März 2026

In der ZDF-Doku "Die Spur: Der Sparkassen-Coup von Gelsenkirchen" wird der spektakuläre Raubüberfall aus dem Ruhrgebiet rekonstruiert. Die Reporter sprechen mit einem Ex-Mitarbeiter der Sparkasse, einem ehemaligen Dieb und einem Anwalt, der Informationen über die potenziellen Täter preisgibt.


Gelsenkirchen am 26. Dezember 2025: Eine Gruppe Männer macht sich am zweiten Weihnachtstag eine ganz besondere Bescherung und verschafft sich mit einem Kernbohrer Zugang zu einer Sparkassen-Filiale. Mehr als 3.000 Schließfächer werden geknackt, eine Beute, deren Wert möglicherweise in die Millionen geht, entwendet. Bis heute ist der spektakuläre Raub ungeklärt, die Täter sind noch immer nicht identifiziert.

In der ZDF-Dokureihe "Die Spur" wird "Der Sparkassen-Coup von Gelsenkirchen", wie der Titel der Folge lautet, von den Reportern Laura Kipfelsberger und Benjamin Braun rekonstruiert. Schnell wird im Verlauf ihrer Recherchen klar: Die Täter kannten sich bestens aus. Und zwar nicht nur damit, wie man sich mit einem Kernbohrer durch dicke Wände bohrt, sondern auch in der betroffenen Sparkassen-Filiale.

"Es muss Insider-Wissen gegeben haben"

Zu den Gerüchten, dass ein Sparkassen-Mitarbeiter in irgendeiner Form beteiligt gewesen sein muss, sagt Thomas Nowaczyk, Pressesprecher der Polizei Gelsenkirchen, in der ZDF-Doku: "Nein, das würde ich zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen wollen." Aber: "Es muss Insider-Wissen in dem Sinne gegeben haben, dass sich die Täter vorher Informationen besorgt haben über diesen Tresorraum - in welcher Form auch immer."

Das müsse nicht zwingend mithilfe eines Sparkassen-Mitarbeiters geschehen sein. Auch Firmen, die in der Filiale tätig waren, Personen aus dem Umfeld der Sparkasse oder auch einer der Täter selbst, sofern er zuvor ein Schließfach angemietet hat, kämen infrage, so Nowaczyk.

Ehemaliger Dieb wundert sich über Sparkassen-Raub von Gelsenkirchen

Die Reporter treffen Luigi, ein ehemaliges Mitglied einer Diebes-Bande. Fünf Jahre verbrachte er im Gefängnis. Inzwischen lebe er nach eigenen Aussagen ehrlich, sei aber nach wie vor bestens in Gelsenkirchen vernetzt. "Die Leute, die feiern das größtenteils alle", berichtet Luigi aus der Szene über den Sparkassen-Coup. "Da musst du erst mal draufkommen. Das ist 'Haus des Geldes' Gelsenkirchen - da kannst du sagen, Spitzenleistung, maximales Level", spielt er auf die berühmte Netflix-Serie über einen Überfall auf eine Banknotendruckerei an.

Wie die Täter den Raub erfolgreich begehen konnten, stellt auch den Experten vor ein Rätsel: "Wenn du in eine Gartenlaube einbrichst hier, da haben die meistens schon eine Live-Übertragung. Da bekommen die eine Meldung auf ihr Handy", weiß Luigi und meint bezüglich des unbemerkten Überfalls auf den Sparkassen-Tresor: "Das ist komisch, oder?"

Ähnlich scheint auch Anwalt Burkhard Benecken zu denken, der zahlreiche Opfer des Schließfach-Raubzuges vertritt und der Sparkasse Sicherheitsmängel vorwirft. Der erfahrene Anwalt ist aufgrund seines Berufes ebenfalls gut vernetzt und schildert: "Tatsächlich gibt es gewisse Bewegungen in der Unterwelt momentan, Namen und Adressen der Täter erfahren zu wollen." Es gehe gewissermaßen um ein Kopfgeld von Gangstern auf Gangster, um selbst an die Beute gelangen zu können. Bei den gebotenen Summen "sprechen wir hier schon über einen deutlichen siebenstelligen Bereich", erzählt Benecken.

Bezüglich der gemunkelten Identitäten der Täter verrät der Anwalt: "Ich habe auch Informationen aus gewissen Unterwelt-Kreisen, dass die Täter gar nicht aus dem Ausland kommen, sondern durchaus aus der Nähe des Tatortes stammen können." Über den entstandenen Schaden sagt Benecken: "Wenn ich das hochrechne, komme ich auf nahezu eine halbe Milliarde Euro, die da wahrscheinlich in diesen Fächern gelagert waren." Er bezeichnet den Raub als "einen der größten Coups der deutschen Kriminalgeschichte".

Ex-Sparkassen-Mitarbeiter gibt Sicherheitslücken bei Gelsenkirchen-Filiale zu

Die Reporter stellen Kontakt zu einem Ex-Mitarbeiter der Sparkasse her, der lieber anonym bleiben möchte. Zum Thema Sicherheit in der betroffenen Filiale schildert er Besorgniserregendes. So gebe es eine Feuerschutztür, die "aus Bequemlichkeit, dass man nach der Zigarette nicht um den ganzen Block laufen muss", oft nur angelehnt gewesen sei. "Diese Situationen gab es häufiger", sagt er weiter und munkelt: "Ob die jetzt immer zu jeder Zeit, auch wenn keiner mehr im Haus war, zu war oder nicht - das kann ich nicht sagen."

Zu der Sicherung des Tresorraumes antwortet die Sparkasse auf ZDF-Anfrage jedenfalls, dass "anerkannte Fachfirmen" regelmäßige Wartungen der Sicherheitstechnik durchführen würden, "sodass die Anlagen auf dem anerkannten Stand der Technik und aktuell sind". Weitere Details könne die Sparkasse nicht geben.

Die komplette Doku "Die Spur: Der Sparkassen-Coup von Gelsenkirchen" ist in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Quelle: teleschau – der mediendienst