"Könnt ihr mal ruhig sein?!": "Bares für Rares"-Händler muss seine Kollegen zurechtweisen
Autor: Michael Eichhammer
, Dienstag, 27. Januar 2026
"Ich mache jetzt ein Gebot wie eine Umarmung", verkündet Wolfgang Pauritsch. Die Ankündigung klang fast wie Poesie. Und die Verhandlung endete passenderweise auch mit einem romantischen Kuss im Händlerraum. Doch bis dahin war es ein weiter Weg ...
"Das passt so gar nicht in unseren Wohnraum", fand Sabine. Die Rede war von einer Bronze, die eine junge Dame darstellte. "Ich mag sie nicht", machte sie deutlich. Ihr Mann sah das anders: Er mag "das schöne, runde Mädchen". Doch die Dame des Hauses setzte sich durch.
Mit der Lupe am Ohr der "Mitbewohnerin" des Ehepaars verschaffte sich Expertin Dr. Friederike Werner einen ersten Eindruck von dem Kunstwerk. Dann polterte Horst Lichter mit Elan ins Bild ... "Ach, welch eine Stimmung hier!", sinnierte er laut. "Man merkt so richtig die Aufregung: Was ist es wert? Was sagt die Frau Doktor gleich dazu? Ist der Lichter nett oder nicht?" Natürlich war der Moderator wie immer nett. Doch wie wertvoll war das Mitbringsel?
"Die hat mein Vater mal erworben, das ist schon ganz lange her", berichtete Andreas. "Jetzt haben wir das übernommen und gedacht: Nein, das passt nicht." Eigentlich meinte er wohl seine Frau mit "wir". Lichter wollte wissen, ob die Dargestellte "Die Badende" hieß ... Friederike Werner war kein Titel bekannt. "Auf jeden Fall ist es eine Träumende, vielleicht ist sie gerade aus dem Bade entstiegen oder geht gleich baden", glaubte die Kunsthistorikerin über die Dame, die auf einer "schönen patinierten Bronze" ruhte.
Händler staunen über Statue: "Schwer und schön"
Hergestellt wurde sie vom Bildhauer und Hochschullehrer Harry Liebmann. Der Künstler war laut Dr. Friederike Werner "viel in der Welt unterwegs" und arbeitete unter anderem für Meissen und die KPM. "Hui!", machte Horst Lichter anerkennend. Werner taxierte auf eine Entstehung zwischen 1910 und 1915. Der Künstler habe "gedanklich das Jugendstilige, Symbolistische, das Erotische verlassen" und stelle "nicht einfach eine nackte Nymphe dar". Stattdessen sei er "in der Moderne angekommen".
Das sei in Werners Augen "das Faszinierende an diesem Werk". Lichter erkundigte sich nach dem Zustand der Bronze. Die Expertin erwähnte einen kleinen Abplatzer am Sockel und zwei kleine Kratzer an der Seite und dem Rücken. "Da hat sie sich gekratzt", meinte Lichter. Lichter stellte die obligatorische Frage nach dem Preiswunsch des Ehepaares. Der lag zwischen 600 und 800 Euro. Dr. Friederike Werner widersprach. Die "stattliche Statue" des Künstlers war ihrer Meinung nach mehr wert: 1.200 bis 1.800 Euro.
Elke Velten lüftete das Tuch und das Geheimnis darunter. Konfrontiert mit nackten Tatsachen machten sie, Christian Vechtel und Jan Čížek im Chor anerkennend: "Oooh!" Vechtel ergänzte: "Oh lala!" Wolfgang Pauritsch blieb stattdessen bei den harten Fakten. "Schwer und schön", nannte Pauritsch die Bronze-Dame. "Ich finde sie gut und sowas stellt man auch ins Badezimmer", war der Händler überzeugt. Sein Startgebot: 300 Euro. Auch Jan Čížek und Christian Vechtel stiegen interessiert ein.
Händler ermahnt seine Kollegen
"Ich mache jetzt ein Gebot ...", setzte Pauritsch an. Er kam nicht weit. "Ist mir schon klar, was du jetzt sagst", unterbrach ihn Jan Čížek. Elke Velten und Vechtel hielten sich gar die Ohren zu. Vechtel rief laut: "Nein, nein!" Wie ging Pauritsch mit dem Kindergarten um?