Kölner Survival-"Tatort": Darum boomt die Prepper-Szene - und darum wird sie beobachtet
Autor: Eric Leimann
, Sonntag, 20. Sept. 2026
Der 96. Krimi mit Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) verknüpfte zwei gute Ideen: die Täter-Hatz in einer aufgrund einer Bomben-Entschärfung leeren Stadt und Prepper, die für die Endzeit trainieren. Wie realistisch war "Tatort: Die letzten Menschen von Köln"?
Zwei an sich gute Ideen verknüpfte der "Tatort: Die letzten Menschen von Köln" zu einem etwas lahmen Thriller. Diese Plot-Konstruktion versprach im Vorfeld mehr Spannung: Weil eine Weltkriegsbombe gefunden wird, müssen große Teile der Kölner Innenstadt evakuiert werden. Eben dort müssen die Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) Prepper ausfindig machen, die - ohne Kenntnis der Bombe - unter der Erde das Überleben in der Endzeit proben.
Warum werden immer noch Weltkriegsbomben in deutschen Städten gefunden? Ging die Entschärfung bis jetzt immer gut? Und warum sind Prepper eigentlich so angesagt?
Worum ging es?
Am Rand eines Kölner Parks wird einem Mann nachts die Kehle durchgeschnitten. Zur gleichen Zeit versucht seine Schwester Elara Schmidtke (Katharina Schüttler) verzweifelt, ihn zu erreichen. Offenbar hatten die Geschwister im "Tatort: Die letzten Menschen von Köln" gemeinsam etwas vor. Doch nur Elara steigt in ein Auto, das Teilnehmer zu einem Prepperkurs in einem Kölner Bunker bringt. Geleitet wird das Survivaltraining von Moritz Zechmann (Florian Stetter), der auch seinen Sohn Mats (Paul Ahrens) mitgebracht hat. Warum wollten die Geschwister an diesem Kurs teilnehmen - und warum musste der Bruder vorher sterben?
Während Ballauf und Schenk die Familienverhältnisse des Opfers durchleuchten, sorgt der Fund einer Weltkriegsbombe im Stadtgebiet für zusätzliche Brisanz: Die Ermittler müssen den Ort des Survivaltrainings finden, da dort der Schlüssel zum Mordfall liegen dürfte - doch weite Teile Kölns sind wegen der Bombe gesperrt.
Worum ging es wirklich?
Das erfahrene Drehbuchehepaar Eva und Volker Zahn - wohnhaft in Köln - verbindet in seinem neuen "Tatort" zwei reizvolle Ideen: ein Porträt der Prepper-Szene mitsamt ihrer Beweggründe und die dystopische Vision einer menschenleeren Stadt. Beide Motive greifen ineinander, denn Prepper bereiten sich genau auf solche Ausnahmezustände vor - auf eine Welt, in der die öffentliche Ordnung und Versorgung zusammengebrochen sind.
Ironisch dabei: Die unter der Erde abgeschotteten Prepper bekommen von der Evakuierung nichts mit, da sie zu Kursbeginn ihre Handys abgeben mussten - ein weiterer gelungener Einfall. Trotzdem kommt der "Tatort" weder als Spannungsstück noch als Prepper-Porträt in Fahrt. Zu klischeehaft sind die Figuren, zu öde gebaut der Thriller-Plot. Tiefgründiger geht es im Film darum, ob man extreme Herausforderungen gemeinsam bewältigen will - oder das "Survival of the Fittest"-Prinzip ausruft.
Wie gefährlich sind Weltkriegsbomben-Funde?
Schätzungsweise 1,9 Millionen Tonnen Bomben wurden während des Krieges auf Deutschland abgeworfen - vermutlich war jede zehnte davon ein Blindgänger. Diese gewaltige Zahl erklärt, warum heute immer noch Bomben meist bei Bauarbeiten gefunden werden. Die größte Bombenentschärfung im Nachkriegs-Deutschland ist noch keine zehn Jahre her: 2017 wurde in Frankfurt eine britische 1,8-Tonnen-Bombe des Typs HC 4000 gefunden, wegen derer bis zu 70.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen mussten - die größte Evakuierung im Nachkriegsdeutschland.