Verheerende Waldbrände in Frankreich und Spanien, Rekordtemperaturen allerorten und über 5.000 Hitzetote in Deutschland - und das nur bis Ende Juni. In der "Münchner Runde" (BR) ging es um mögliche Wege aus der Klimakrise - und um Schuldzuweisungen aus populärem Munde.
"Hier sitzen drei Player am Tisch, die in den letzten Jahrzehnten einfach kläglich versagt haben." Hannes Jaenicke ist Schauspieler ("Der Amsterdam-Krimi"), Umweltaktivist und ein Mann deutlicher Worte. In der "Münchner Runde" im BR-Fernsehen ging er beim Thema "Hitze, Dürre, Brände - Was tun gegen die Klima-Krise?" seine Gegenüber auch direkt an. Im Visier hatte er vor allem CSU-Politiker Manfred Weber, Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei im Europäischen Parlament, und Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern.
Wer der dritte "Player" ist, der versagte? Klimaaktivistin Luisa Neubauer (Fridays for Future)? Oder Katja Horneffer, ZDF-Wettermoderatorin und Meteorologin? Oder Moderator Christian Nitsche als Medienvertreter? Jaenicke kritisierte: "Es wundert mich, dass Ende Juni eine derartige Hitzewelle passieren kann und in Berlin wird dröhnend dazu geschwiegen." Und: "In den Medien kam das Wort Klimakrise Ende Juni kein Mal vor."
Oder meinte er sich selbst als Vertreter der "deutschen Verbraucher"? Denn die hätten in Sachen Klimaschutz auch versagt. "Es gibt über eine Million Wohnmobile, drei Millionen Deutsche buchen Kreuzfahrten, der Fleischverbrauch steigt wieder, es wird nur noch SUVs gefahren und mehr geflogen denn je." Sein Fazit: "Es ist völlig irre, wie wir reagieren." Das gelte natürlich auch für die Politik und Industrie.
"Wir haben eine Welt geschaffen, die für uns zur Lebensgefahr geworden ist"
Während Meteorologin Horneffer schon düster prognostizierte, dass es möglich sei, dass "jedes Jahr Tausende Hitzetote" durchaus "das neue Normal" werden könnten, riet Neubauer, mit dieser Formulierung vorsichtig zu sein. Denn der aktuelle Sommer werde "in diesem Jahrhundert noch einer der kühleren" sein.
Man müsse den Menschen dringend klarmachen: "Das ist nicht das Ende der Geschichte. Es geht gerade erst los mit neuen Hitze-Extremen. An eine zwei oder drei Grad wärmere Welt werden wir uns nicht einfach anpassen." Ihre Mahnung: "Wir haben eine Welt geschaffen, die für uns zur Lebensgefahr geworden ist."
Natürlich kritisierten Neubauer und Jaenicke, beides Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen, vor allem Weber und Gößl. Neubauer meinte, es schmerze sehr, dass die Regierung unter Friedrich Merz "seit einem Jahr nichts auf die Kette" bekomme und aus ihrer Sicht mit ihren Maßnahmen nicht nur den Klimaschutz "auf niedrigem Niveau" stagnieren lasse, sondern ihn durch aktuelle Maßnahmen "runterfahre".
Als Beispiele nannte sie die zumindest teilweise Rücknahme von Subventionen bei Wärmepumpen oder privaten Solaranlagen, aber auch die Abschaffung des 29-Euro-Tickets. Es sei ein "Drama", dass die Bundesregierung "an allen Ecken und Enden falsch" ansetze.