Karl Lauterbach wird bei Debatte um Abnehmspritze bei "Hart aber fair" deutlich: "Eine Fehlentscheidung"
Autor: Doris Neubauer
, Dienstag, 24. Februar 2026
In der ARD ging es montags nicht um die viel zitierte Wurst, sondern um den Zucker: Bei "Hart aber fair" mit Louis Klamroth durften unter anderem Ex-Gesundheitsminister Lauterbach und FDP-Generalsekretärin Büttner darüber streiten, ob Zuckersteuer und Abnehmspritze uns gesünder machen.
Durchschnittlich etwa 15 bis über 19 Krankheitstage pro Beschäftigte verzeichnet Deutschland pro Jahr. Damit verharrt der Krankenstand 2025/2026 auf einem historisch hohen Niveau von circa 5,4 bis 5,9 Prozent. Grund dafür sei nicht, "weil es so einfach ist, sich krankzumelden, sondern weil es so einfach ist, krank zu werden", stellte Arzt und Moderator Eckhart von Hirschhausen bei "Hart aber fair" eine Theorie auf.
Zucker ist schuld an allem Übel in dieser Welt - so könnte frei nach Louis Klamroth nicht nur die ARD-Dokumentation "Hirschhausen und der Zucker", sondern auch die TV-Talkshow an diesem Montagabend zusammengefasst werden. Oder ist es doch die FDP? So hatte der Moderator die Aussagen seines Kollegen Hirschhausen "übersetzt", als dieser kurz davor die anwesende FDP-Generalsekretärin Nicole Büttner nicht nur für klimaschädliche Investitionen und die umstrittene Senkung der "Mövenpick-Steuer" (Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent im Jahr 2010) verantwortlich gemacht hatte.
Als sie die von Hirschhausen geforderte "Gesundheitsumlage" beziehungsweise Zuckersteuer, die der anwesende Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) forderte, als "Bevormundung, bis in die Küche hineinzuregieren", kritisierte und stattdessen auf Transparenz und Aufklärung setzte, wurde es ihm zu bunt: "Jetzt sagen Sie, gesundes Essen für alle erschwinglich machen, ist Bevormundung? Das möchte ich verstehen."
So ging es nicht nur Hirschhausen. "Wer ist bevormundet, wenn eine Fanta halb so viel Zucker hat", wollte auch Luise Molling (Verbraucherschutzorganisation Foodwatch) wissen und gab sich selbst die Antwort: "Niemand." Jeder wisse, dass der Apfel gesünder sei als die Schokolade. Das Problem sei nicht fehlendes Wissen, vielmehr erschweren die derzeitigen Verhältnisse eine gesunde Ernährung.
Über eine Zuckersteuer könne gesunde Ernährung in Schulen finanziert werden, "die wir uns jetzt nicht leisten können", brachte Lauterbach ein Argument. Dass der Staat nicht eingreifen dürfe, wie Büttner meinte, sei unsinnig. "Bei Lebensmittelpreisen regieren wir immer rein", nannte er als Beispiel der Agrarsubventionen. Wenn sich Menschen gesunde Lebensmittel nicht leisten können, halte er eine Lenkungssteuer für richtig: "Ich habe kein Problem damit, dass wir die ungesunden Dinge höher besteuern", meinte er. Denn die Regulierung der Industrie zu überlassen, sei falsch.
Mirco Wolf Wiegert (Fritz-Kola): "Vollen Geschmack kriegt man nur mit der vollen Portion von Zucker"
Diese freiwillige Selbstverpflichtung hatte Mirco Wolf Wiegert (Gründer und Geschäftsführer von Fritz-Kola) ins Gespräch gebracht und betont, dass die Industrie den Zuckergehalt im Sortiment bereits reduziert hätte. Allerdings "gibt es Grenzen", betonte er, denn bei ein bis zwei Produkten hätte das dazu geführt, dass sie weniger verkauft wurden: "Da war die Schmerzgrenze überschritten", sagte er. Auch wenn sich einige zuckerfreie Limonaden gut verkaufen: "Vollen Geschmack kriegt man nur mit der vollen Portion von Zucker."
Diese Bemerkung stieß bei Molling sauer auf: In Großbritannien hätte man durch die Zuckersteuer einen "Zuckersturz im Getränkeregal" erlebt, die Kinder nähmen drei Prozent weniger Zucker zu sich und bei jungen Mädchen sei die Adipositas-Rate reduziert, verwies sie auf die Erfolge.