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Joschka Fischer warnt bei Lanz, dass Deutschland "abstürzen wird"


Autor: Natascha Wittmann

Deutschland, Donnerstag, 07. Mai 2026

Bei "Markus Lanz" (ZDF) wählte Ex-Vizekanzler Joschka Fischer drastische Worte zur Lage in Deutschland. Er warnte vor einem Absturz des Landes und teilte eine deutliche Botschaft: Ohne klare Reformen drohe die Bundesrepublik, den Anschluss zu verlieren.


Die internationale Lage verändert sich rasant, und mit ihr die Regeln, auf die sich Europa jahrzehntelang verlassen konnte. Aus diesem Grund meldete sich Ex-Vizekanzler Joschka Fischer bei "Markus Lanz" mit einem deutlichen Warnhinweis zur Außenpolitik zu Wort.

Auslöser war, dass Bundeskanzler Friedrich Merz US-Präsident Donald Trump öffentlich vorgeworfen hatte, im Irankrieg keine klare Strategie zu haben. Fischer bremste am Mittwochabend den Ton und erinnerte an die Wirkung solcher Botschaften: "Worte haben Konsequenzen und vor allen Dingen die Worte des Bundeskanzlers." Er wolle "hier keine Zensur betreiben für den Bundeskanzler", aber: "Ich hätte es nicht gesagt."

"Wir sind alleine" - Fischer rechnet mit USA ab

Damit war für Lanz die nächste Frage naheliegend: "Wie beschädigt ist eigentlich dieses Verhältnis?" Fischers Antwort fiel ernüchternd aus und wies auf eine historische Verschiebung hin: "Der Westen war der transatlantische Westen - angeführt von den Vereinigten Staaten." Auf "deren Sicherheitsgarantie" habe sich Europa jahrelang verlassen. "Und Trump hat das abgeräumt."

Für Fischer sei das nicht nur ein Streit im Tagesgeschäft, sondern ein Bruch mit einem alten Fundament: "Die Situation, in der wir uns jetzt befinden, ist, dass sich Trump von diesem transatlantischen Westen losgesagt hat." Was das für Europa bedeute, formulierte Fischer ohne jede Beschönigung: "Wir Europäer müssen begreifen: Wir sind alleine jetzt und wir müssen für unsere eigene Sicherheit sorgen."

Lanz reagierte sichtbar irritiert und fragte nach, ob Fischer sich so etwas früher überhaupt hätte vorstellen können. Fischers Antwort war ein klares Nein. Sein emotionales Urteil: "Das hätte ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht denken können. (...) Es ist tieftraurig." Der ehemalige Außenminister erinnerte daran, wie stark Europa nach 1945 auch von der amerikanischen Diplomatie profitiert habe. Umso bitterer sei aus seiner Sicht die aktuelle Entwicklung: "All das wurde willentlich zerstört und mich lässt das emotional nicht unberührt."

Neben der Außenpolitik wandte sich Fischer auch dem Zustand der schwarz-roten Koalition zu. Auf Lanz' Frage, wie man Menschen davon überzeugen könne, "dass Reformen notwendig sind", lieferte Fischer eine drastische Diagnose für den Standort Deutschland: "Für mich scheint es einfach sonnenklar, dass unser Land, wenn es so weitermacht wie bisher, abstürzen wird - wirtschaftlich abstürzen wird und damit auch sozialstaatlich abstürzen wird. Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit wiedergewinnen."

Joschka Fischer warnt: "Wir können so nicht weitermachen"

Zwar habe er der Koalition "im Interesse des Landes" Erfolg gewünscht, doch Fischer sah im Gespräch mit Lanz ein strukturelles Problem: "Wenn du große Reformen machen musst, dann brauchst du als Koalition ein gemeinsames Projekt (...) und es ist ganz offensichtlich so, dass sie sich auf ein gemeinsames Projekt nicht einigen konnten.

"Entsprechend hart fiel sein Fazit aus: "Wir können so nicht weitermachen!" Fischer forderte: "Wir müssen eine große Aufholjagd starten." Mit Blick auf seine eigene Zeit als Vizekanzler erklärte er: "Ich habe mit Gerhard Schröder vertrauensvoll gut zusammengearbeitet über sieben Jahre hinweg. Und ich denke, wir haben das auch einigermaßen ordentlich hinbekommen gemeinsam." Gleichzeitig machte er seine Abgrenzung deutlich: "Ich teile seine Auffassung gegenüber Russland überhaupt nicht." Er sei jedoch "niemand, der nachtritt".