Jaqueline beantragte das Sorgerecht für ihre Schwester: Dann "ging der Kampf erst richtig los"
Autor: Paula Oferath
, Freitag, 11. Sept. 2026
Jaqueline ist selbst noch ein Kind, als sie beginnt, sich um ihre Schwester Caithlen zu kümmern. Mit 13 Jahren zieht sie von zu Hause aus. Als sie älter wird, kämpft sie darum, ihre kleine Schwester zu sich zu nehmen.
"Ich habe meine Mutter vor die Wahl gestellt: Entweder du machst den Entzug oder ich hole meine Schwester zu mir." Es sind aufrüttelnde Worte von Jaqueline (32), die früh Verantwortung für ihre jüngere Schwester Caithlen (20) übernehmen musste. Die ZDF-Reportage "37°Leben: Das Sorgerecht für meine Schwester" erzählt die bewegende Geschichte zweier Schwestern, die schon als Kinder viel mehr tragen mussten, als ihnen eigentlich zugemutet werden konnte.
Jaqueline ist gerade einmal 13 Jahre alt, als sie ihr Zuhause verlässt. Ihre Mutter kann sich nicht ausreichend um sie kümmern. "Wenn ich an meine Kindheit denke, ist das erste Gefühl, was mir einfällt, Einsamkeit", erinnert sich Jaqueline. Ihre Mutter habe kalt und desinteressiert gewirkt, sie vermutet Drogenkonsum. Als Jaqueline elf Jahre alt ist, wird ihre Mutter erneut schwanger. Caithlen kommt zur Welt und für Jaqueline beginnt damit eine Verantwortung, die eigentlich nicht ihre sein sollte.
"Ich habe eigentlich schon von Anfang an Verantwortung für meine Schwester übernommen", erzählt Jaqueline in der ZDF-Reportage. Sie wechselt Windeln, gibt ihrer kleinen Schwester die Flasche und kümmert sich um sie. Doch als Jaqueline schließlich auszieht, bleibt Caithlen allein mit ihrer Mutter zurück.
Dann "ging der Kampf erst richtig los"
Für Caithlen scheint die Welt zunächst noch in Ordnung. Bis zu ihrem siebten Lebensjahr sei alles "super" gewesen. Doch dann trennen sich ihre Eltern und für sie beginnt eine schwierige Zeit. Je älter Caithlen wird, desto schlimmer wird die Situation zu Hause. Sie zieht "übergangsweise" zu ihrer Schwester Jaqueline. Doch schnell wird klar: Es geht um mehr als nur einen vorübergehenden Tapetenwechsel.
Denn die Mutter der beiden sei damals nicht in der Lage gewesen, sich ausreichend um Caithlen zu kümmern. Die beiden verbringen wenig Zeit miteinander, Caithlen muss sich um den Haushalt kümmern und kochen. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter wird "von Jahr zu Jahr irgendwie schlimmer".
Für Jaqueline ist irgendwann klar: Sie kann ihre Schwester nicht einfach zurücklassen. Sie nimmt Caithlen zu sich und droht ihrer Mutter mit dem Jugendamt. Dann "ging der Kampf erst richtig los", schildert Jaqueline. "Meine größte Sorge in der Zeit war, dass wir den Prozess verlieren werden. Und dass ich dann dadurch auch meine Schwester verliere", erklärt Jaqueline. Für die Schwestern wird der Konflikt zur Zerreißprobe.
"Aber ich traure viel mehr darum, dass ich halt diese Mutter gar nicht hatte"
Es folgt eine belastende Zeit vor Gericht. Am Ende steht fest: Caithlen darf bei ihrer Schwester bleiben. Jaqueline ist zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 24 Jahre alt, selbst Mutter und mitten in ihrer Ausbildung. Für ihre Schwester stellt sie ihr eigenes Leben hintan. Sie verliert ihren Ausbildungsplatz, weil sie es nicht schafft, alles unter einen Hut zu bekommen. Bereuen wird sie ihre Entscheidung trotzdem nicht.