Jahre vor "Lola rennt": Franka Potentes erste Hauptrolle hatte es in sich
Autor: Teleschau
, Dienstag, 09. Juni 2026
Anna ist 17, kommt aus der Provinz - und findet in einer einzigen Großstadtnacht heraus, das ihr die ganze Welt offensteht. "Nach fünf im Urwald" atmet jede Menge Aufbruchstimmung: Coming of Age in der kompaktesten Form. Der Film war 1995 die erste Hauptrolle der großartigen Franka Potente.
Man kann über das bisweilen verklärte deutsche Kino der 90er-Jahre viele Worte verlieren. Fakt ist, dass es nah am Zeitgeist und von einer Leichtigkeit geprägt war, die heute selten geworden ist. Natürlich hat das eine viel mit dem anderen zu tun: Die 90-er im Deutschland nach der Wende und lange vor 9/11 und Social Media, waren bunt und laut, sie fühlten sich vor allem für die Jungen frei und aufregend an. Aufbruch lag in der Luft. Hans-Christian Schmids Erstling "Nach fünf im Urwald" (1995) ist eines dieser Werke, die die flirrende Stimmung jener Zeit einzufangen verstanden. Ein viel gelobtes uns preisgekürtes filmisches Kleinod, das nicht nur Schmids großartige Karriere begründete, sondern auch für Franka Potente ("Lola rennt", 1998) den Durchbruch markierte. Sie war damals als 21-jährige Schauspielschülerin der renommierten Otto-Falckenberg-Schule entdeckt und für ihre erste Hauptrolle engagiert worden. Im NDR-Dritten wird der sommerliche Kinoerfolg nun wiederholt.
Ein autobiografisches Buch liege der Komödie zwar nicht zugrunde, doch vieles von dem, was Franka Potente und Thomas Schmauser erleben, sei zumindest ähnlich so geschehen, erklärte Hans-Christian Schmid damals zu seiner Geschichte, die charmant und äußerst lebensnah daherkommt. Franka Potente am Anfang ihrer Karriere spielt die 17-jährige Anna, die eines Tages nach einer ausschweifenden Feier im elterlichen Eigenheim von Vater und Mutter überrascht wird: Hasch liegt herum, es herrscht Chaos pur im Haus, und Anna ergreift genervt mit ihrem Verehrer Simon (Thomas Schmauser) die Flucht in die Großstadt - nicht ohne einen großen Traum im Gepäck zu haben: Sie will sich bei einer Werbeagentur für einen Spot als Janis-Joplin-Double bewerben.
Der Film erzählt von ihren Erlebnissen der nun folgenden Nacht, aber auch von den besorgten Eltern der beiden Jugendlichen, die die Suche nach den Vermissten aufnehmen und sich dabei Schritt für Schritt in ihre eigene Jugend zurückversetzt fühlen. Am Ende wird Anna nach einer Nacht, die sich wie ein ganzer Sommer anfühlt, nach Hause zurückkehren und dort auf berauschte Erzieher treffen.
"Nach fünf im Urwald" ist kein Kunstprodukt, kein künstlerisch überfrachteter Film. Vielmehr spiegelt er in einer seltenen Unbeschwertheit ein Stück Alltag wider und besitzt dabei etwas, was nur noch wenige Filme haben: ausnahmslos "normale" Protagonisten: Menschen, die im Grunde nichts Besonderes an sich haben, aber eben trotzdem oder genau deswegen sehr unterhaltsam sind.
Nach fünf im Urwald - Mo. 06.07. - NDR: 22.45 Uhr
Quelle: teleschau – der mediendienst