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"Inside CDU"-Doku blickt in einen Abgrund aus Ratlosigkeit: "Wir führen hier einen Überlebenskampf"


Autor: Jens Szameit

, Dienstag, 22. Sept. 2026

Pünktlich zum Wahldebakel von Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht das ZDF die zweite Staffel der Reihe "Inside CDU". Erkenntnisse sind darin Mangelware - Ratlosigkeit wirkte allerdings selten im deutschen Doku-Fernsehen derart greifbar.


Vor gut einem Jahr gab es zum ersten Mal eine "Inside CDU"-Doku im ZDF. Schon da blickten die Filmemacher hinter die Kulissen einer mit Problemen kämpfenden Regierungspartei. Im heutigen Vergleichsmaßstab mutet manches von damals eher wie Problemchen an. Pünktlich zu den dramatischen Wahl-Niederlagen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern hat nun das Zweite in seiner Mediathek Staffel zwei veröffentlicht.

"Es geht für die CDU ums Ganze", hört man Staatsminister Philipp Amthor in einem von vier Doku-Teilen sagen. Über die AfD dürfe man sich "überhaupt keine Illusionen machen". Ziel dieser Partei sei "eine komplette Veränderung des Systems". Amthor: "Und wenn wir so dumm sind, uns da einzulassen entgegen der Grundprinzipien der CDU, dann ist das existenzgefährdend."

Der "Schock" (Spitzenkandidat Sven Schulze) über den AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt ist den dokumentierten Szenen durchweg anzumerken. Auch Ex-Generalsekretär Carsten Linnemann, der über die ersten Prognosen aus dem ostdeutschen Bundesland bekennt: "Das war ein bitterer Moment, und da fühl ich mich auch mitverantwortlich. Klar, das tat richtig weh."

"Die AfD ist keine Variante der CDU, sondern ein Todesgegner"

Diesen Kollektivschmerz hat auch "Zeit"-Korrespondentin Mariam Lau beobachtet, eine von vielen journalistischen Stimmen im Vierteiler. "Ich war in Magdeburg", sagt sie. "Ich stand neben einem altgedienten CDU-Veteranen. Dem standen die Tränen in den Augen." Sie begreift die Unions-Verluste nach Rechtsaußen als einen "Vorgeschmack von etwas Größerem". Auch weil bei einigen in der Partei der Groschen in Bezug auf die AfD noch nicht gefallen sei. "Viele in der CDU sitzen immer noch dem Irrtum auf: Das ist eine Variante von uns. Und das ist nicht wahr. Das ist keine Variante der CDU, sondern ein Todesgegner. Die meinen es echt ernst mit der Vernichtung der CDU. Das ist die Idee."

Über mehrere Monate dokumentierten die Filmemacher Steffen Haug und Denise Jacobs zwischen Büro-Termin und Dienstwagen-Mitfahrt, wie weit diese Idee schon in der Wirklichkeit aufgegangen ist. "Inside CDU" zeigt eine Vielleicht-noch-Volkspartei im geradezu schwindelerregenden Abwärtstaumel - vom "Hagel-Schaden" in Baden-Württemberg über den Spahn-Rücktritt und die Kabinetts-Umbildungen bis zur ultimativen Demütigung von Mecklenburg-Vorpommern. Hier verpasste die CDU soeben erstmals den Einzug in ein Landesparlament.

"Die meisten in der Union haben abgeschlossen mit Friedrich Merz' Kanzlerschaft"

Die Kamera ist dabei, wenn Spitzenkandidat Daniel Peters die Niederlage vor seinen Wahlkampf-Mitstreitern eingestehen muss: "Sehen Sie es mir nach, dass ich an diesem Abend emotional sehr, sehr angefasst bin. Denn wir führen hier einen Überlebenskampf." Die Ratlosigkeit ist mit Händen zu greifen, und viel tiefer gehende Erkenntnisse als "Wir müssen das als echte Zäsur auch wahrnehmen" (Philipp Amthor) liefern auch die vier Doku-Teile nicht. Für die Union und ihre Erneuerungs-Perspektive ist das keine gute Nachricht. Und für den Kanzler auch nicht.

Podcaster Robin Alexander hält Friedrich Merz immerhin zugute: "Man hat eine Gesamtlage, die noch für keinen Kanzler je so schwierig war": Krieg, Trump, Putin, Zölle und so weiter. Der andere Teil der Wahrheit sei: "Diese Kanzlerschaft ist durchzogen von einer nicht abbrechenden Kette überraschender handwerklicher Fehler."

"Die meisten in der Union haben abgeschlossen mit Friedrich Merz' Kanzlerschaft und denken darüber nach, was danach kommt", glaubt "Focus"-Hauptstadtkorrespondentin Alisha Mendgen ausgemacht zu haben. Philipp Amthor, in allen Doku-Teilen gewohnt auskunftsfreudig, scheint nicht dazuzugehören. "Das ist schnell gemacht: eine Person austauschen durch eine andere", gibt er zu bedenken und hat in wenigstens einem Punkt natürlich recht: "Die steht im Zweifel vor genau denselben Herausforderungen."

Quelle: teleschau – der mediendienst