In ZDF-Doku sagt Jens Spahn brutal ehrlichen Satz über den Tankrabatt
Autor: Jens Szameit
, Donnerstag, 07. Mai 2026
Ein ZDF-Team begleitete die Berliner Regierungskoalition im ersten Jahr. "Im Maschinenraum der Macht" heißt der Film, in dem vor allem Jens Spahn mit unverhohlener Bitterkeit auffällt: "Dieses ganze Rumgesitze und Gerede, und nichts wird entschieden, das geht mir so auf den Senkel."
Auf rund 1,6 Milliarden Euro Steuereinnahmen verzichtet die Bundesregierung, um Autofahrende um 17 Cent pro Liter zu entlasten. Alleine: Die als "Tankrabatt" kursierende Entlastungsmaßnahme führt bislang kaum zu wahrnehmbaren Preissenkungen an den Zapfsäulen. Der Rabatt funktioniere "so leidlich", sagte zuletzt Bundeskanzler Friedrich Merz in einem TV-Interview.
Wie es zustande kam, dass die teure, aber wirkungsarme Maßnahme trotz aller Vorbehalte beschlossen wurde, davon berichtet nun die ZDF-Dokumentation "Im Maschinenraum der Macht". Es sind nur zwei knappe Sätze im Film von Bernd Benthin und Lars Seefeldt, die zeigen, wie sehr die Sorge vor dem erodierenden Wählerzuspruch die politischen Entscheidungen offenbar prägt.
"Dieses ganze Rumgesitze und Gerede" geht Jens Spahn "auf den Senkel"
Gesprochen werden sie vor der Kamera von Jens Spahn. "Das Ansehen für Friedrich Merz und die Bundesregierung in der Außenpolitik ist zu Recht sehr hoch", sagt der Chef der Unions-Fraktion im Bundestag. "Die Wahrheit ist nur, wahlentscheidend sind natürlich im Zweifel die Tankpreise."
Auch an anderen Stellen des 45-minütigen Blicks hinter die Koalitions-Kulissen fällt Spahn mit bitter anmutenden Einlässen auf. "Das Furchtbare ist, dass alle Debatten immer wiederkommen", sagt der Fraktionsvorsitzende auf den Fahrstuhl wartend. "Über Bürokratie rede ich gefühlt seit 20 Jahren."
Kurz später, bei einer Vorbesprechung zur Fraktionssitzung, rechnet er spürbar genervt mit dem Berliner Politbetrieb ab: "Dieses ganze Rumgesitze und Gerede, und nichts wird entschieden, das geht mir so auf den Senkel. Ich kann diese ganzen Runden echt nicht mehr haben."
"Seitdem wird im Grunde darüber spekuliert, ob der Kanzler ihn ablösen sollte"
Verdrossenheit wird dem 45-Jährigen dennoch nicht nachgesagt, eher das Gegenteil: große Ambition auf eine eigene Kanzlerkandidatur. Es gebe darüber zwei Denkschulen, erläutert im ZDF-Film die "Zeit"-Journalistin Tina Hildebrandt. Die eine gehe so: "Jens Spahn hat ein großes Interesse an Disruption. Weil nur, wenn diese Koalition vorzeitig endet, hat er eine Chance Kanzlerkandidat zu werden."
Die andere Denkschule besage: "Er ist in einer ganz zentralen Position in der Regierung. Wenn er jetzt keinen Fehler macht, ist er einer von ganz wenigen, die die Erfahrung haben, das Format, die Bekanntheit und natürlich auch den Anspruch, dann Kanzlerkandidat zu werden."