Kurz vor der Fußball-WM bläst Uli Hoeneß zur Attacke auf Nationaltrainer Nagelsmann. Es bestehe ständig "die Gefahr beim Julian, dass er viel zu viele Dinge über die Medien macht". Diesen und weitere Kritikpunkte nannte der FC-Bayern-Patron im Podcast mit Markus Söder.
Die Aufgaben eines Ministerpräsidenten sind vielfältig, die des bayerischen allzumal. Unter anderem unterhält Markus Söder einen eigenen Podcast aus der Staatskanzlei. Der geriet in der aktuellen Folge zum Schauplatz eines Fußball-Fachgesprächs. Zu Gast war Uli Hoeneß, der umtriebige Vereins-Patron des FC Bayern München.
Mit eigenen Ansichten zum zuletzt mitreißenden Spiel des deutschen Rekordmeisters hielt sich der moderierende CSU-Chef (und 1.FC-Nürnberg-Fan) nicht zurück. Ebenso wenig zum zuletzt etwas weniger berauschenden Spiel der deutschen Nationalmannschaft. Söder findet etwa, dass Joshua Kimmich wie beim FC Bayern im DFB-Dress im Mittelfeld spielen sollte, anstatt auf der rechten Abwehrseite. Das findet Uli Hoeneß auch.
Der Ehrenpräsident und Aufsichtsrat der Bayern holte dann zu einer deutlich schärferen Kritik an Julian Nagelsmann aus. Beim Bundestrainer, findet er, bestehe ständig die Gefahr, "dass Dinge in den Medien zerredet werden". Als Beispiel nannte er die anhaltende Diskussion um eine mögliche Rückkehr von Manuel Neuer ins DFB-Tor. Das Thema hätte er "ganz anders angepackt", sagte Hoeneß. "Ich hätte ganz klar gesagt: Wir spielen jetzt mit Baumann oder Nübel und wir warten ab, wie die Entwicklung ist. Weil den Manuel Neuer hätte man ohne das Theater auch noch vier Wochen vor der WM nominieren können, und er hätte gespielt wie einst im Mai."
Hoeneß über Nagelsmann: "Da wird ein Undav diskreditiert oder dies oder das"
Es sei eben "die Gefahr beim Julian, dass er viel zu viele Dinge über die Medien macht". Zuletzt entschuldigte sich der Bundestrainer auch öffentlich für einen abfälligen Kommentar über den Stuttgarter Torjäger Deniz Undav. Hoeneß ist das nicht entgangen. "Da wird ein Undav diskreditiert oder dies oder das", schimpfte er im Podcast und empfahl dringend: "Du musst heute deine Probleme intern lösen. Die Medien sollen wieder selber arbeiten. Denen musst du nicht jeden Tag Futter geben."
Als positives Gegen-Beispiel führte der 74-Jährige Bayern-Trainer Vincent Kompany an. Den werde man "nie, nie über einen Spieler schlecht reden hören. Selbst wenn er glaubt, er kann ihn nicht gebrauchen. Er würde das nie machen." Eine solche öffentliche Kommunikation sei in der heutigen Medienlandschaft "unabdingbar".
Ein Kodex, gegen den auch Ex-Bayern-Coach Thomas Tuchel während seiner kurzen Amtszeit an der Isar allzu oft verstoßen habe. Beiläufig berichtete Hoeneß eine Anekdote über das damalige Spieler-Trainer-Verhältnis, die staunen lässt: Er, Tuchel, habe den Abwehrspieler Josip Stanisic "mal gefragt, ob er Deutsch kann". Stanisic, das dürfte den meisten Fußball-Kennern bekannt sein, ist in München geboren und beim FCB ausgebildet worden.
"Ich hätte gerne gesehen, dass das Team eingespielt ist"
Im weiteren Gesprächsverlauf in der Staatskanzlei kam Hoeneß noch einmal auf den Bundestrainer zurück. "Ich will kein Nagelsmann-Bashing machen", sagte er. "Aber was ich ihm vorwerfe, dass er jetzt noch junge Spieler dazuholt und testet, um den Medien gerecht zu werden."