Im "Brennpunkt Freibad" erfährt das ZDF: "Es hat nichts mit Ausländern zu tun - Deutsche sind genauso"
Autor: Teleschau
, Mittwoch, 08. Juli 2026
Seit Jahren häufen sich Belästigungen, Pöbeleien und Schlägereien in deutschen Freibädern. Das Team einer ZDF-Reportage hat sich an einigen Brennpunkten umgesehen und umgehört. Tenor: "Freibäder sind ein Spiegel der Gesellschaft."
Schwimmen mit Wachpersonal. Ist das die neue Normalität? "Je heißer es wird, desto erhitzter werden die Gemüter", sagt jedenfalls Jessie. Sie ist Mitglied eines privaten Security-Dienstes in Berlin und läuft regelmäßig Patrouille im Schwimmbad Humboldthain im Berliner Stadtteil Wedding, wenn sie von den Schwimmmeistern angefordert wird. Und das wird sie regelmäßig. Umso häufiger, je wärmer die Temperaturen. Dann führt sie Ausweis- und Taschenkontrollen am Eingang durch und entlastet die Schwimmmeister. Und nicht nur die. "Man fühlt sich sicherer", sagen Badegäste.
Vor allem 2023 machten Meldungen über Belästigungen und Prügeleien in deutschen Freibädern Schlagzeilen. Die anschließend an vielen Standorten verstärkten Sicherheitsmaßnahmen zeigten Wirkung. Seither haben sich in den 30 Berliner Bädern die Fälle von Störungen bei 30 pro Bad und Saison eingependelt. Die ZDF-Reportage "Brennpunkt Freibad: Sommer, Sonne Schlägereien" (in der ZDF-Mediathek zu sehen) begleitete die Schwimmmeister- und Security-Teams in drei verschiedenen Bädern. Es ließ sich feststellen: Früher war es besser.
"Früher ist man respektvoller miteinander umgegangen", sagte etwa Frank Hansch, Betriebsleiter im Sport-Paradies in Gelsenkirchen. Mit 48.000 Quadratmetern, vier Becken plus Zehner-Sprungturm und einem Gästeaufkommen von bis zu 5.000 Schwimmfreudigen täglich ist es eines der größten Bäder Deutschlands. Laut Hansch ist "dieses Egomanische früher nicht so in den Vordergrund gerückt". Jetzt ist das anders. Da ahnt Schwimmmeister David Conrad schon mal früh am Vormittag: "Da wird schon was passieren."
2025 rückte die Polizei 151-mal in Berliner Freibäder aus
Sich schubsende Kinder, das althergebrachte Springen vom Beckenrand, aber auch uneinsichtige Eltern, die ihre Schwimmflügel-Kinder auch auf mehrmaligen Hinweis eisern - und verbotenerweise - mit ins tiefe Schwimmbecken nehmen - die Einsatzorte für die Schwimmmeister-Teams sind vielfältig.
Mit Geduld und Einfühlungsvermögen versuchen die Schwimmmeister zu erklären, zu vermitteln und zu deeskalieren. Aber: Regeln sind nicht verhandelbar. Wer nicht hören will, muss fühlen. Schwimmmeisterin Jocelyna Conrad: "Dann ist der Spaß für die Leute leider vorbei." Auch Diana Reimann aus Berlin weiß: Ob sie Stress kriegt, "liegt auch daran, wie gut gelaunt die Gäste sind".
Es bleibt nicht immer bei Diskussionen über Ausweiskontrollen oder Sprüngen vom Beckenrand. Im letzten Jahr gab es fast 300 Einsätze wegen schwerer Körperverletzung. 266-mal ausgelöst von Männern, nur 26-mal von Frauen. In den Berliner Freibädern musste 151-mal die Polizei eingreifen - zwischen April und Juni.
Für Betriebsleiter Hansch keine Überraschung. "Freibäder sind ein Spiegel der Gesellschaft." Und die Gesellschaft habe sich "auch nicht nur zum Positiven gewandelt".