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"Ich will Händler sein, Horst!": "Bares für Rares"-Experte weint seltener Sammlung hinterher


Autor: Bettina Friemel

, Freitag, 12. Juni 2026

"Bares für Rares"-Experte Detlev Kümmel war hin und weg von der Raritäten-Sammlung - ebenso die Händler, die dafür mehr als erwartet ausgaben.


"Da haben wir richtig Glück, dass wir den heute hier haben", stellte Horst Lichter den "Bares für Rares"-Experten Detlev Kümmel vor. "Weil wenn einer Ahnung hat davon, dann er." Denn Angelika und Ulrich aus Hagen hatten ein Konvolut aus zwölf kunstvollen japanischen Messergriffen in die Freitagsausgabe der ZDF-Trödelshow mitgebracht, das sie einst auf dem Antikmarkt entdeckt hatten. "Es gefiel uns. Es sprach uns einfach an", erzählte Angelika.

"Besonders gefallen hat uns die ganze Ornamentik", fügte Ulrich hinzu. "Ja, die ist irre!", nickte Horst Lichter. "Das nennt sich Kozuka. Kozuka ist ein Griff", begann Japan-Kenner Kümmel mit der Expertise. "Hier kommt eine Messerklinge hinein", demonstrierte er den Verwendungszweck der Griffe aus der Zeit zwischen 1830 und 1868. "Im Prinzip ist das das Taschenmesser des Samurai." Man sehe "Dinge aus dem Leben in Japan, die Languste, die Zikade, Gänse", beschrieb Kümmel die Symbole der aus einer Kupferlegierung gefertigten Messergriffe. "Wir haben das Landleben oder die Natur vor Augen."

"Ist es ein eigenes Sammelgebiet, nur die Griffe zu sammeln?", fragte Horst Lichter. Detlev Kümmel kannte sich aus: "Das Thema Kozuka ist ein komplett eigenes Sammelgebiet. Da sind auch eigene Meister, die nichts anderes machten als solche Griffe."

Schnäppchen vom Antikmarkt erzielt riesigen Gewinn

Über 600 Euro hätte sich Ulrich gefreut. Doch Detlev Kümmel bewertete allein die ersten beiden Kozukas mit "jeweils um 400 Euro", "alle anderen werden so 200 Euro erreichen". Den Gesamtwert legte er auf 2.500 bis 3.000 Euro fest. "Da hätten wir nicht mit gerechnet", atmete das Verkäuferpaar tief durch.

Detlev Kümmel weinte den schönen Objekten hinterher: "Ich will Händler sein, Horst!" Lichter kannte das Gefühl des Nicht-Kaufen-Dürfens nur zu gut: "Ich sah nur die Zeichen drauf und wusste, das ist dein Ding." Kümmel überlegte: "Kann ich mich nicht da rüber schleichen?"

Doch da hätten die Händler Jan Cizek, Daniel Meyer und Wolfgang Pauritsch etwas dagegen gehabt. Die waren hellauf begeistert von der Sammlung. "Oh, ich mag ja solche Sachen ...", meinte Meyer. "Das ist aber wirklich sehr, sehr, sehr schön", fand Cizek. "Sie sind alle antik und sie sind wirklich ausgesucht und zusammengetragen, wahrscheinlich über mehrere Jahre", schwärmte Daniel Meyer und startete mit 120 Euro. Alle zeigten Interesse, doch die Preise gingen nur langsam nach oben.

Bei 600 Euro wollte Meyer den Schätzwert wissen. Angelika nannte die 2.500 bis 3.000 Euro. "Hui", schnaufte Meyer. Pauritsch ging immerhin direkt auf 1.200 Euro nach oben - und schon kam die Verhandlung in Schwung. "Ich hab's noch nicht, ich kann bestimmt dazulernen, wenn ich es kaufe", machte Meyer mit 3.000 Euro das höchste Gebot. Am Ende verriet Angelika auch den ursprünglichen Kaufpreis: "Unter 100 DM."

"Ich bin fix und fertig. Es war so aufregend", freute sich Angelika. "Dass wir so viel Geld dafür bekommen, hätte ich nicht gedacht!"

FBI oder Stasi? Skurriles Objekt begeistert "Bares für Rares"-Händler

Wesentlich mehr als gedacht erzielte auch das Gemälde "An der Seille" von Fritz Zimmer aus der Zeit zwischen 1910 und 1930 mit einem Schätzwert von 500 bis 700 Euro. Wolfgang Pauritsch gab sogar 1.000 Euro aus: "Am liebsten kaufe ich mir schöne Arbeiten, und das ist sowas."

Die beiden Teekannen entstanden 1990 nach einem Design der Memphis Gruppe. Die rechte Kanne war jedoch so stark beschädigt, dass sie nicht verkäuflich war, die linke Kanne hatte einen Wert von 400 bis 600 Euro. Eigentlich hatte sich die Verkäuferin 2.000 Euro erhofft und beschloss: "Dann nehme ich sie lieber wieder mit nach Hause als Erinnerung."

Eine Nicnon Fernglas-Kamera aus den 1970er-Jahren wurde auf 300 bis 500 Euro geschätzt. "Ist das vom FBI oder von der Stasi?", fragte sich Jan Cizek. Wolfgang Pauritsch hatte schon einen Käufer im Kopf und kaufte die Kamera für 350 Euro.

Der goldene Anhänger mit einem Citrin und der Gravur "Gott segne euch" aus dem Jahr 1949 war 1.000 bis 1.200 Euro wert. Das Kaufinteresse war groß, und so gab Sarah Schreiber am Ende sogar 1.300 Euro für das opulente Schmuckstück aus.

Quelle: teleschau – der mediendienst