"Ich war die dumme Russin": Valentina (28) wurde in der Schule beleidigt - heute ist sie Ärztin
Autor: Julian Weinberger
, Freitag, 31. Juli 2026
Bei ihrer Einschulung konnte Valentina kein Wort Deutsch. Heute arbeitet die 28-Jährige als Ärztin und gründete ein Start-up. In einer ZDF-Doku blickt sie auf den schwierigen Weg zurück und hat das Gefühl: "Als Person mit Migrationshintergrund muss man sich das Deutschsein erst einmal verdienen."
Als Valentina mit fünf Jahren eingeschult wurde, sprach sie kein Wort Deutsch. Zuvor war sie mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Deutschland gekommen, wegen einer dringend nötigen Nieren-OP. An die Schulzeit hat die heute 28-Jährige keine guten Erinnerungen, wie sie in der ZDF-Doku "37°Leben: Deutschland, wann bin ich genug?" (abrufbar in der Mediathek) berichtet: "Ich war die dumme Russin." Das ließen sie die anderen Kinder auch spüren: "Mir haben Schüler ins Gesicht geschlagen, mich beleidigt."
Aus dieser Behandlung habe sie den Schluss gezogen, immer besser sein zu müssen, um irgendwann dazuzugehören. "Als Person mit Migrationshintergrund habe ich das Gefühl, dass man sich in Deutschland das Deutschsein erst einmal verdienen muss", sagt sie in der halbstündigen Dokumentation. Dazu wollte sie ihren Eltern widerspiegeln: "Die sollen nicht umsonst alles verloren haben. Ich wollte beweisen, dass es sich gelohnt hat, für mich Energie zu investieren."
Dank herausragender Noten in der Schule ergatterte Valentina ein Stipendium, das ihr den Weg für ein Medizinstudium ebnete. Heute arbeitet sie als Dermatologin und gründete ihr eigenes Start-up. Letzteres sei "eigentlich ein Full-Time-Job", schnauft die 28-Jährige. Erst von außen sei ihr reflektiert worden, "dass ich an meine Grenzen komme". Doch Warnsignale ignoriere sie aktuell, zur Not auch mit Schmerzmitteln, erzählt sie: "Ich weiß nicht, wann ich aufhöre und sage: 'Heute ist der Tag, ich bin happy, das reicht mir aus.'"
"Meine Freunde sagen immer, dass mein Tag 62 Stunden hat"
Für Samira ist der Berufsalltag noch ein Stück weg - zumindest mit Blick auf einen Full-Time-Job. Arbeiten tut sie angesichts eines Jura-Studiums, eines 20-Stunden-Nebenjobs und Online-Nachhilfe trotzdem mehr als genug. "Meine Freunde sagen immer, dass mein Tag 62 Stunden hat", berichtet die 20-Jährige mit afghanischem Familienhintergrund. Dieses Pensum sei aber schwierig zu halten: "Ich denke nicht, dass ich bei den ganzen Sachen, die ich gerade mache, es auf Dauer schaffen werde."
Nachdenklich gibt Samira in der TV-Doku zu: "Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich einen Marathon laufe durch mein Leben, aber ich weiß nicht, wo das Ende ist." Klar habe sie auch schwierige Momente, aber Samira hat sich eines fest vorgenommen: "Die schwache Samira darf keiner sehen." Das begleitet sie seit der Schulzeit, wo sie die zweite Klasse übersprang. Damals habe sich der Eindruck manifestiert, "dass ich mehr tun muss als mein Umfeld".
Heute gehen ihre Lerntage in der Uni von 10 Uhr bis abends um 20 oder 22 Uhr. "Ich lerne auch, um zu zeigen, dass ich es verdient habe, hier zu sein", berichtet Samira eine ähnliche Intention wie Valentina. Trotzdem habe sie oft den Eindruck, nicht genug zu machen. Eine andere Option bleibt ihr - zumindest in Bezug auf den Nebenjob - aber auch nicht, denn: "Meine Mutter wäre niemals in der Lage, mir mein Studium zu finanzieren."
Quelle: teleschau – der mediendienst