"Ich verabscheue Gewalt": Danger Dan bezieht Stellung zu ZDF-Ausladung
Autor: Teleschau
, Freitag, 17. Juli 2026
Nachdem das ZDF Danger Dan und Igor Levit wegen vermeintlichen Aufrufs zur Gewalt ausgeladen hat, diskutiert Deutschland über die Grenzen der Kunstfreiheit. In einem Interview bezieht Danger Dan Stellung.
Gemeinsam mit dem Pianisten Igor Levit wollte Rapper Danger Dan (Antilopen-Gang) Stellung gegen Rechtsextremismus beziehen und Mut machen, wehrhaft zu bleiben. Die in dem Liedtext enthaltene "Anleitung" zum Widerstand stufte das ZDF kurzfristig als potenziellen Gewaltaufruf ein - und verhinderte den Auftritt der beiden Musiker in der Jubiläumsausgabe des Satire-Formats "Die Anstalt".
Nach einem gemeinsamen mit Igor Levit auf Instagram veröffentlichten Statement, in dem das Eingreifen des Senders als "Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit" bezeichnet wurde, hat Danger Dan nun in einem Gespräch mit dem "Spiegel" konkreter Stellung bezogen. Es mache ihm Angst, "dass der Intendant des ZDF anfängt, antifaschistische Lieder zu zensieren", sagt der Rapper. Gleichzeitig sieht er sich darin bestärkt, dass das Lied "genau im richtigen Moment kommt".
"Der eigentliche Skandal ist, dass junge Leute mit militanten Neonazistrukturen befassen müssen"
"Nichts von dem, was ich da erzähle, ist illegal", sagt der Musiker. Die illegale Praxis des Doxing - der Veröffentlichung persönlicher Informationen etwa eines politischen Gegners - werde erwähnt, aber nicht dazu aufgerufen, "das jetzt zu tun". Als Gewaltaufruf möchte der 43-Jährige "Keine Angst" nicht verstanden wissen. "Ich verabscheue Gewalt", stellt er klar, gibt aber zu bedenken: "Sie ist schon längst politische Realität."
So gebe es zahlreiche gewaltbereite, bewaffnete Neonazigruppen und es sei "wichtig, sich solchen Leuten in den Weg zu stellen. Und wenn man das tut, sollte man darauf vorbereitet sein, dass sie irgendwann kommen". Der brandenburgischen Christopher Street Day - eine Parade der queeren Community - gebe es zum Beispiel nicht mehr, wenn er nicht gegen solche Angriffe geschützt würde. "Der eigentliche Skandal ist, dass junge Leute nicht einfach ihr Sozialarbeitsstudium machen können, sondern sich mit militanten Neonazistrukturen befassen müssen", so Danger Dan. Das liege auch am Versagen von Staat und Polizei.
"Das ist kein Spaß mehr"
Der Vorfall ist nicht die erste Begegnung von Danger Dan mit den Grenzen der Kunstfreiheit. Tatsächlich beschäftigte sich sein bislang größter Hit mit genau diesem Thema: "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt", ein provokanter Song, der kontroverse Aussagen auf der Metaebene aufzählt, schaffte es 2021 auf Platz 25 der deutschen Singles-Charts.
Auf "Keine Angst" ist diese Metaebene verschwunden. "Es geht hier gerade darum, eine Demokratie zu retten", kommentiert Danger Dan den verschärften Ton. "Das ist kein Spaß mehr." Der neue Song sei "nicht lustig", denn: "In diesen letzten fünf Jahren hat sich die Situation so zugespitzt, dass nicht mehr viel Raum ist, um noch Witze zu machen."
Quelle: teleschau – der mediendienst