Druckartikel: "Ich habe richtig körperlich gelitten": Volker Wissing spricht bei Lanz über Christian Lindners Entlassung

"Ich habe richtig körperlich gelitten": Volker Wissing spricht bei Lanz über Christian Lindners Entlassung


Autor: Natascha Wittmann

, Freitag, 03. April 2026

Bei "Markus Lanz" wurde Volker Wissing ungewohnt persönlich, als es um den Moment ging, in dem Olaf Scholz die Entlassung von Finanzminister Christian Lindner ankündigte und damit das Ampel-Aus besiegelte. Der Ex-Minister schilderte, wie sehr ihn die Situation mitgenommen habe.


Nach dem Bruch der Ampelkoalition am 6. November 2024 stürzte die FDP politisch ab. Nach deutlichen Verlusten bei mehreren Landtagswahlen liegt die Partei in Umfragen weiterhin unter der Fünf-Prozent-Marke. ZDF-Moderator Markus Lanz wollte dennoch am Donnerstagabend wissen, ob die FDP noch einmal zurückkommen könne. Lanz stellte Volker Wissing direkt zur Rede: "Glauben Sie, dass es so etwas wie ein Lazarus-Comeback gibt für Sie?" Der frühere Bundesminister wich aus und erklärte: "Ehrlich gesagt (...) ist das keine Glaubensfrage, sondern es hängt davon ab, was für ein Angebot gemacht wird." Doch Lanz wollte es genauer wissen: "Ist es ausgeschlossen für Sie, zurückzukehren?" Wissing hatte die FDP nach dem Ampelende verlassen. Er blieb deshalb auch am Donnerstagabend reserviert und sagte: "Ich habe überhaupt keine Gedanken in diese Richtung."

Als die Runde auf die Gründe für den Bruch der Ampel zu sprechen kam, wurde Wissing grundsätzlicher und warnte vor den Folgen einer Politik, die nur noch auf Konfrontation und Egos setzt: "Wenn man am Ende nur noch Abgrenzung übt, dann schwächt man unsere Demokratie und unser Volk von Innen." Gleichzeitig machte er deutlich, dass er Robert Habeck weiterhin schätze. Rückblickend nannte er es zudem einen "Fehler", dass eine Jamaika-Koalition damals "nicht zustande gekommen ist", denn: "Ich hätte mich damals gefreut, wenn das geklappt hätte."

Volker Wissing hat seit 2024 nicht mehr mit Christian Lindner gesprochen

Markus Lanz lenkte das Gespräch daraufhin demonstrativ auf eine Leerstelle: "Die Sendung läuft jetzt schon einige Minuten (...) und der Name Christian Lindner ist aus Ihrem Mund noch nicht einmal gekommen!" Wissing konterte ruhig: "Ja, weil ich möchte nicht über andere urteilen." Er betonte dabei, es sei kein "guter Stil", "wenn man aus einer Partei ausgetreten ist". Zudem habe er seit November 2024 keinen Kontakt mehr zu Lindner. Lanz räumte ein, dass diese Zurückhaltung nachvollziehbar sei, hielt aber dagegen, dass das Scheitern der Ampel "maßgeblich mit Christian Lindner verbunden" sei.

Wissing stimmte zu: "Das ist so! Und natürlich sind immer diejenigen auch verantwortlich, die Entscheidungen getroffen haben." Persönlich sei bei ihm dennoch keine Verbitterung geblieben: "Ich habe keine negativen Gefühle ihm gegenüber." Als es um das D-Day-Papier und den möglichen Whistleblower innerhalb der FDP ging, blieb Wissing ebenfalls knapp. Auf Lanz' Nachfrage sagte er lediglich: "Dazu kann ich nichts sagen." Als der Moderator nicht locker ließ, beteuerte Wissing: "Ich fand das bemerkenswert. (...) Dieses Papier ist nicht in meine Hände gelangt durch die Partei und es ist auch nicht unter den Führenden verteilt worden."

Volker Wissing über Entlassung von Christian Lindner: "Ich habe in diesem Moment gelitten"

Besonders emotional wurde Wissing, als es schließlich um Lindners Entlassung als Finanzminister ging. Er beschrieb den Moment als zutiefst belastend: "Ich habe in diesem Moment gelitten, weil ich es eine wahnsinnig destruktive Situation fand. Traurig, wenn man weiß, wie hart gekämpft worden ist, um diese Regierung zustande zu kriegen." Und er ging noch weiter: "Ich habe richtig körperlich gelitten. (...) Ich hatte so ein Unwohlsein, so richtige Krämpfe."

Trotz aller Abrechnung erinnerte Wissing auch an Erfolge der Ampel, etwa das Deutschland-Ticket. Umso bitterer sei es gewesen, dass die Koalition diese Projekte nicht mehr gemeinsam vertreten konnte: "Es ist traurig, dass man nicht die Freude gehabt hat, diese Dinge zu verkünden und auch geschlossen zu verkaufen." Zum Schluss zeigte sich Volker Wissing umso enttäuschter, als er die Arbeit der Ampel zusammenfasste: "Es war nur Destruktion, es war nur Zerstörung!"

Quelle: teleschau – der mediendienst