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Historiker warnt: "Eine breite Mehrheit der Gesellschaft ist offen für Antisemitismus"


Autor: Teleschau  

, Freitag, 15. Mai 2026

Bei "Markus Lanz" warnten am Donnerstag mehrere Gäste vor einem Anstieg antisemitischer Einstellungen und Übergriffe. Historiker Oliver von Wrochem schlug in dem Zusammenhang Alarm und sprach von einer gefährlichen gesellschaftlichen Akzeptanz.


Bei "Markus Lanz" debattierten Experten wie Historiker Oliver von Wrochem über die Bedeutung moderner Erinnerungskultur sowie den Anstieg antisemitischer Vorfälle in Deutschland. Dazu warnte er: "Seit der Corona-Pandemie hat sich das verstärkt. Da gab es diese Querdenker-Bewegung. Es gab ganz, ganz viele Verschwörungstheorien. Das war der erste Schritt (...) einer Radikalisierung." Auch "der Nahost-Konflikt oder der Angriff auf Israel durch die Hamas" sei laut des Historikers "eine Art Brandbeschleuniger in einem bestimmten Milieu" gewesen.

Hinzu komme der linke Antisemitismus, der sich mit der Zeit "auch radikalisiert" habe. Ruth-Anne Damm stimmte zu und mahnte eindringlich, dass sich seit dem 7. Oktober "antisemitische Straftaten (...) mehr als verdoppelt" haben. "Wir sind in einer absolut prekären Situation. Man kann als jüdischer Mensch nicht mit einem Davidstern auf der Straße laufen", gab die Mitgründerin des Vereins "Zweitzeugen e.V." zu bedenken.

Zeitzeugin Eva Umlauf sah es ähnlich: "Der Antisemitismus war immer schon da, nur jetzt ist er salonfähig geworden." Lanz hakte interessiert nach: "Wie erklären Sie sich das?" Die Shoah-Überlebende antwortete: "Weil irgendwie mehr Mut da ist gegen Juden." Oliver von Wrochem brachte es schließlich auf den Punkt: "Eine breite Mehrheit der Gesellschaft ist offen für Antisemitismus. (...) Es ist tatsächlich ein Problem in der deutschen Geschichte (...), dass Antisemitismus etwas ist, was die Menschen offensichtlich vereint."

Sehen Sie die Lanz-Sendung in voller Länge jederzeit bei https://kurz.zdf.de/LANZ/

Quelle: teleschau – der mediendienst