"Hat mich sehr verletzt": Benedikt Höwedes blickt auf bitteren Schalke-Abschied zurück
Autor: Julian Weinberger
, Donnerstag, 02. Juli 2026
Bei Schalke 04 avancierte Benedikt Höwedes zur Vereinslegende. Doch sein Ende war alles andere als rühmlich. Weshalb vonseiten des Vereins am Ende "dreckig gespielt wurde", erklärte der einstige Verteidiger nun in einem Podcast.
16 Jahre lang hielt Benedikt Höwedes für Schalke 04 die Knochen hin. Als Kapitän war er das Gesicht der Mannschaft, für viele Fans genießt der einstige Verteidiger bis heute Legendenstatus. Doch sein Abgang von den Königsblauen 2017 war alles andere als gelungen. "Das war sehr bitter und überhaupt nicht so, wie ich mir das vorgestellt hab", blickte Höwedes nun im Podcast "Wie geht's? Mit Robin Gosens" zurück. Zwar betonte der 38-Jährige, nicht "unnötig nachtreten" zu wollen, einige Details aber verriet er dem Podcast-Gastgeber dann doch.
"Ich muss eine Reise nach China mitmachen, weil ich das bekannteste Gesicht bin. Und eine Woche später werde ich als Kapitän abgesetzt", beschrieb er seine Degradierung. Auch wegen eines Personalwechsels in der Schalker Führungsebene damals sei sein Stellenwert im Verein plötzlich massiv gesunken. "Ich habe gemerkt, es wird gerade dreckig gespielt", bedauerte Höwedes. "Ich habe mich überhaupt nicht gesehen und verstanden gefühlt." Dabei habe er zuvor 16 Jahre "für den Verein mein Herz gelassen". Er habe nicht einmal mehr mittrainieren dürfen, so der Weltmeister von 2014: "Das hat mich sehr verletzt."
"Ich habe mir zu jedem Spiel, zu jedem Training drei Spritzen in die Leiste gejagt"
"Ich wusste, dass der Fußball keine Dankbarkeit kennt. Dass mich das in so einer Härte trifft, habe ich nicht kommen sehen", rekapitulierte Höwedes über das Ende bei seinem Herzensverein. Dabei habe er bis zuletzt alles für S04 gegeben. Im Winter, bevor er "gegangen wurde", habe er einen Leistenbruch erlitten. Doch der Verein habe ihn gedrängt, auf eine Operation zu verzichten. "Ich habe mir zu jedem Spiel, zu jedem Training drei Spritzen in die Leiste gejagt", dachte Benedikt Höwedes zurück. Doch das zählte am Ende nicht mehr: "So viel Dankbarkeit wird dir dann am Ende entgegengebracht."
Eine schwere Zeit musste Höwedes auch lange vor seinem Profi-Durchbruch durchmachen. Dass er als Jugendlicher eine Gesamtschule in Gelsenkirchen damals rasch wieder verlassen habe, sei ihm als Zeichen für fehlenden Biss ausgelegt worden: "Damals gab es viele Stimmen auf Schalke, die gesagt haben: Der schafft es nicht."
Doch die Bedingungen an der Schule seien schlecht gewesen, wie Höwedes schilderte: "Es gab keine Aufenthaltsmöglichkeiten, ich habe auf der Bank in den Kabinen Hausaufgaben und Mittagsschlaf gemacht. Das Essen war eine Katastrophe in der Kantine." Zudem sei er Zeuge einer "wilden Schlägerei" mit zehn Neo-Nazis auf dem Schulhof gewesen. Doch am Ende biss sich Höwedes trotz aller Widrigkeiten durch - und erfüllte sich seinen Traum von der Profi-Karriere.
Quelle: teleschau – der mediendienst