"Hart aber fair": Lehrer verteidigt Beamtenstatus - weil er ihn vor Kündigung durch die AfD schützt
Autor: Doris Neubauer
, Dienstag, 20. Oktober 2026
Nach der kritischen ARD-Dokumentation ging es auch bei "Hart aber fair" um die Frage: Wozu brauchen wir noch Beamte? Während die Politik über veraltete Privilegien und unbezahlbare Pensionen debattierte, enthüllte ein verbeamteter Lehrer, wie ihn sein Status vor der Kündigung durch die AfD rettet.
Das Beamtentum kann abgeschafft werden. Der Meinung waren viele Bürgerinnen und Bürger, die "Tagesthemen"-Moderatorin Jessy Wellmer bei den Dreharbeiten zu ihrer ARD-Doku "Deutschland, deine Beamten: Zeit für Reformen?" auf der Straße traf. Doch auf die Frage, ob Polizisten dann leistungsbezogen - etwa nach der Anzahl der Festnahmen - bezahlt werden sollten, wusste kaum jemand eine Antwort. "Es ergibt Sinn, dass es so bleiben soll", lautete deshalb ihr Fazit als Gast im an die Doku anschließenden Polit-Talk "Hart aber fair".
Bei Polizei und in der Justiz herrsche über die Notwendigkeit der Verbeamtung meist schnell Einigkeit. Anders sieht es im Bildungssystem aus: Laut einer von Moderator Louis Klamroth zitierten Infratest-Studie befürworten nur 25 Prozent der Deutschen verbeamtete Lehrer. Bei Professoren sind es sogar nur 18 Prozent. Auch für den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle gibt es für die Verbeamtung von Lehrkräften "keinen logischen Grund".
Dem widersprach Volker Geyer, Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbunds (dbb), im ARD-Talk vehement. Es gebe sogar viele Gründe: Lehrer übten eine klassische hoheitliche Tätigkeit aus, die tief in das Leben von Menschen eingreift. Zudem funktioniere der Beamtenstatus als "Bollwerk gegen Extremismus". Er sichere Recht und Ordnung und verhindere unter anderem, dass eine mögliche AfD-Landesregierung in Sachsen-Anhalt in den Unterricht eingreifen kann.
"Genau aus dieser Partei wurde offen gedroht, mich zu kündigen"
Wie wichtig dieser Schutz ist, bestätigte Gesamtschullehrer und TikTok-Creator Nicolas Schmelzer ("Herr Schmelzer") aus der Praxis: "Genau aus dieser Partei wurde offen gedroht, mich zu kündigen. Es freut mich sehr, dass mich dieser Status davor schützt." Gleichzeitig seien auch Nachteile real: Als Beamter könne er seinen Einsatzort nicht frei wählen. Wenn Angestellte an Brennpunktschulen kündigen, müssten Beamte die Notversorgung sichern.
Auch das Streikverbot führte er an. Ansonsten würde er "am ersten Tag streiken gehen, da können Sie sicher sein". Als Gründe nannte er den massiven Personalmangel, einen Investitionsstau von 70 Milliarden Euro für marode Schulgebäude und "stinkende Toiletten" sowie die Tatsache, dass ein Viertel aller Schüler psychische Auffälligkeiten zeige.
Für das Jahr 2040 habe er sich symbolisch den Wecker gestellt - dann sinken die Schülerzahlen demografisch und man könne mit dem aktuellen Personal endlich die "Schule der Zukunft" bauen. Dafür müsse die Politik aber aufhören zu sparen und investieren.
"Wir müssen den Staat schlanker machen"
Für verfehlt hielt naturgemäß auch dbb-Chef Geyer die Diskussion. Er plädierte für Bürokratieabbau, die Einführung von KI und Digitalisierung, aber auch dafür, bei der Gesetzgebung auf die Auswirkungen zu achten: Allein neue Gesetze wie die Zucker- oder Plastiksteuer würden wieder Tausende zusätzliche Verwaltungsstellen verschlingen, rechnete er vor.