Hape Kerkeling: Darum haben die Deutschen beim ESC "keine Lobby"
Autor: Teleschau
, Freitag, 08. Mai 2026
In Wien wird die große Bühne schon bereitet. Am 16. Mai findet der 70. Eurovision Song Contest statt. Hape Kerkeling befürchtet, dass die deutschen Siegchancen einmal mehr nicht sonderlich groß sind.
"Dass die Nationen Europas, die sich über Jahrhunderte und Jahrtausende zerstritten waren und die sich die Köppe eingeschlagen haben, an einem Abend gemeinsam singen und ihre Hymne des Jahres küren - wie schön ist das denn?" Hape Kerkeling ist nicht nur Komiker, Schauspieler, Bestsellerautor, Sänger, Regisseur und Moderator, sondern - vor allem auch - Fan des Eurovision Song Contest (ESC). Und fiebert als solcher auch mit den deutschen Startern mit.
Dreimal, zwischen 1989 und 1991, moderierte Kerkeling zudem den deutschen Vorentscheid zum europaweiten Spektakel, 2010 in dem Jahr, in dem Lena Meyer-Landrut siegte und ihre Karriere emporstieg wie der von ihr besungene "Satellite" beim Start, hatte er den Jury-Vorsitz. Die Erfahrungen aus all den Jahren summieren sich zu düsteren Erwartungen, was deutsche Chancen beim ESC angeht. In der neuen, sehr gelungenen ARD-Dokumentation von Christopher Kaufmann, "70 Jahre ESC - More than Music", sagt Kerkeling: "Die Deutschen haben keine Lobby."
Mit seiner Erläuterung bringt er das, worunter seit Jahrzehnten deutsche Fans machtlos am TV-Gerät stöhnen, auf den Punkt: "Wenn der Lette auftritt, kriegt er Punkte aus Estland und Litauen. Wenn der Schwede singt, freut er sich über Punkte aus Finland, Dänemark und Island. Singt der Deutsche - dann kriegt er nicht mal einen Punkt aus Österreich. Wir stehen allein auf weiter Flur."
Deutschland beim ESC: "Loser-Nation, die nie was reißt"
Als deutscher Fan habe man oft das Gefühl, zur "Loser-Nation zu gehören, die sowieso nichts reißt", sagt Sänger und Moderator Oliver Schulz in der Doku. Warum das so ist, führt Kerkeling auch darauf zurück, wie "der Deutsche" von außen wahrgenommen wird. "Mit lustigen Liedern lassen sie uns nicht gewinnen. Der Deutsche ist nicht lustig in den Augen der anderen." Man habe nur eine Chance: "Wir können nur zu Tränen rühren in Unschuld, dann vergibt man uns alles."
Das hat zumindest einmal geklappt: 1982, als die damals 17-jährige Sängerin Nicole dem Kontinent im englischen Harrogate musikalisch "Ein bißchen Frieden" schenkte und damit die Jurys und Fans in ganz Europa zu Herzen rührte. Nicole und ihr Song, geschrieben von Ralph Siegel, bekamen 161 Punkte und siegten souverän. Neunmal gab es das legendäre "Allemagne, douze points" zu hören, dreimal gab es zehn Punkte, die zweitbeste Wertung. Nur ein Land gab einen Punkt: Österreich ...
Trotzdem glaubt Hape Kerkeling an den ESC, nicht nur aus musikalischen und gesellschaftlichen, sondern auch aus politischen Gründen: "So lange es den ESC geben wird, hat die Demokratie in Europa eine Chance."
Die Doku "70 Jahre ESC - More than Music" läuft am Montag, 11. Mai, um 20.15 Uhr im Ersten und ist schon jetzt in der ARD-Mediathek zu sehen.