Druckartikel: "Hans irgendwas" - "Bares für Rares"-Händler erkennen ganz besonderes Kunstwerk nicht

"Hans irgendwas" - "Bares für Rares"-Händler erkennen ganz besonderes Kunstwerk nicht


Autor: Michael Eichhammer

, Dienstag, 02. Juni 2026

Das Acrylgemälde, welches am Donnerstag zum Verkauf stand, wirkte nur auf den ersten Blick wie ein pittoreskes Abbild von Venedig. Der Experte entdeckte viele Besonderheiten, die Händler standen anfangs auf dem Schlauch.


"Hans irgendwas", las "Bares für Rares"-Händlerin Sarah Schreiber von der Rückseite des XXL-Venedig-Motivs ab. Als die Verkäuferin den berühmten Lehrmeister des Künstlers nannte, wurden die Händler sofort ehrfürchtig. Doch würde jemand den überraschend hohen Schätzpreis bezahlen?

"Oh, wow! Was für ein ausgesprochen farbenfrohes Gemälde!" So hatte zuvor Horst Lichter auf das "außergewöhnlich große Bild" reagiert, das ist seiner Trödelshow vorgestellt wurde. Es käme "sofort Urlaubsstimmung" auf. Doch gab er zu bedenken: "Nur der Himmel macht mir Sorgen."

"Ich denke, das ist auch so gemeint", erklärte Trödelshow-Kandidatin Xenia aus Geldern, was Kunst-Experte Colmar Schultze-Goltz bestätigen konnte. Das großformatige Gemälde hatte früher in der Kanzlei der 64-Jährigen in Düsseldorf gehangen. Beim Umzug ließ sie es bei den Kollegen hängen. Die waren davon wohl nicht begeistert und fragten kürzlich: "Meinst du nicht es ist langsam mal Zeit, dass wir das abgeben?"

"Bares für Rares"-Experte wundert sich über Mal-Stil - und verdoppelt den Wunschpreis

Eine "Vedute" erkannte der Kunstexperte. Er übersetzte: "Man gibt Leuten, die dort sind, dort waren oder sich dorthin träumen, die Gelegenheit, den Platz so zu erleben wie er von der Architektur her ist." Zumindest normalerweise. Doch dieses Gemälde war nicht normal!

Diese Vedute sei ungewöhnlich, weil ihr etwas Entscheidendes fehle, so der Experte: "Man zeigt sonst immer einen durch Menschen belebten Ort, hier sind überhaupt keine Menschen dabei." Noch ungewöhnlicher fand er "die merkwürdige Perspektive" und Farbigkeit. Der rot-schwarz-gelbe Himmel habe mit Venedig-Malerei "wenig zu tun", so Schulte-Goltz. Auch den bekannten großen Kanal und das Wahrzeichen Rialto-Brücke mit den prägenden Gebäuden im Hintergrund "erleben wir hier auf eine ganz merkwürdige Weise", fand der Experte.

"Der Künstler geht einen völlig neuen Weg", fasste Colmar Schulte-Goltz seinen Eindruck zusammen. "Das Kitschige des Motivs wird uns dadurch offenbar", weshalb "wir es als fremdelnd annehmen", formulierte er gestelzt. Hans-Jörg Holubitschka malte das Bild im Jahr 2008. "Sein weltberühmter Lehrer ist Gerhard Richter", wusste Schulte-Goltz. Xenia wünschte sich bis zu 1.000 Euro. Zu viel? Im Gegenteil: Der Experte fand sogar 2.000 Euro realistisch.

Dem Künstler unterlief offenbar selbst ein Malheur

Wolfgang Pauritsch fragte Sarah Schreiber im Händlerraum, ob auf der Rückseite des Riesengemäldes ein Maler erkennbar sei. "Hans irgendwas", erwiderte Schreiber unbeeindruckt. "Ich kann es nicht erkennen. Aber Venedig erkennt man." Auch wenn es reichlich seltsam wirkte. "Den Himmel würde ich bezeichnen als: Venedig in Flammen. Sehr speziell", sinnierte Schreiber weiter. "Das ist eigentlich schon fast Pop Art", urteilte Wolfgang Pauritsch. Er meinte es als Kompliment. Dann fragte der Österreicher nach dem Künstler.

"Hans-Jörg Holubitschka war Meisterschüler von Gerhard Richter an der Kunstakademie in Düsseldorf", wusste Xenia. Wolfgang Pauritsch machte beeindruckt "Hui!", Susanne Steiger kommentierte mit einem ebenso eingeschüchterten "Ah". "Ich habe es von ihm direkt erworben", berichtete Xenia. Der Zustand fand Pauritsch gut. Allerdings erkannte er einen kleinen Schlitz: "Das wurde mal verklebt." Xenia erklärte: Den habe Holubitschka selbst verursacht. Es klang, als wäre das Malheur somit Kunst.

"Ich kenne diesen Künstler wirklich nicht, aber ich starte mit 300", entschied Wolfgang Pauritsch. Julian Schmitz-Avila folgte ihm. In 50er-Schritten kamen sie bei 600 Euro an, geboten von Pauritsch. Der fragte, was "Madame" zu den Geboten sagen würde. Madame sagte: "Wenn es so ist, dann ist es so."

Pauritsch kaufte für 600 Euro und freute sich über "das großformatigste Venedigbild, das ich je gekauft habe". Er schwärmte von der "Farborgie". Der Preis war nicht so XXL wie das Bild, doch Xenia war froh, dass das eigenwillige Werk "überhaupt Gefallen gefunden hat".

Quelle: teleschau – der mediendienst