Druckartikel: Häftling spricht im ZDF über den Kontaktverlust zu seinen Kindern: "Erst hat man gesagt, Papa ist arbeiten"

Häftling spricht im ZDF über den Kontaktverlust zu seinen Kindern: "Erst hat man gesagt, Papa ist arbeiten"


Autor: Paula Oferath

, Dienstag, 25. August 2026

Zwei Wochen saß Berkman in Haft, dann hat sich seine Frau von ihm getrennt. Die neue ZDF-Reportage begleitet den Mann von der Haft bis hin zu seiner Freilassung in ein leeres Haus, in dem einst seine Kinder tobten.


Für die Häftlinge in der JVA Lingen sehen alle Tage sehen gleich aus: Sie werden um sechs Uhr geweckt und um 19 Uhr wieder in ihre Zelle zurückgeschlossen. Die neue ZDF-Doku "37°: Im Gefängnis: Das Prinzip Hoffnung" begleitet einen von ihnen, Berkman, während seiner Haft bis hin zu seiner Entlassung. Zu Beginn der Dreharbeiten sitzt der Mann bereits knappe drei Jahre im geschlossenen Vollzug.

Berkman hat dabei geholfen, Cannabis über die Grenze aus den Niederlanden zu schmuggeln. Fünf Jahre soll er dafür einsitzen. Für seine Familie hat seine Haft weitreichende Folgen. Zwei Wochen nach seiner Inhaftierung habe sich seine Frau von ihm getrennt, erzählt er. Zu seinen Kindern habe er seitdem kaum noch Kontakt.

"Erst hat man gesagt, Papa ist arbeiten. Aber Papa kann ja nicht Ewigkeiten arbeiten und wegbleiben. Irgendwann mal muss es auf den Tisch und gesagt werden: Papa ist eigentlich im Vollzug - im Gefängnis", erklärt Berkman. Besucht worden sei er von seinen Kindern nie, sagt er - seine jüngste Tochter kenne er nicht einmal.

Eigener Kühlschrank ist für ihn "Luxus"

"Sie sehen, mein Haftraum ist wirklich nicht supergroß", zeigt Berkman dem ZDF-Team seinen Lebensmittelpunkt. Trotz der beengten Verhältnisse ist der Häftling auf eine Sache besonders stolz: seinen eigenen Kühlschrank. Das sei für ihn "Luxus". In der JVA arbeitet er als Hausarbeiter. Er reinigt die Etagen und gibt das Essen aus. Einen solchen Job bekommen Gefangene nur, wenn sie das Vertrauen der Beamten haben.

Im Laufe der Doku wird Berkman zum Freigänger. Er darf nun tagsüber ohne Aufsicht außerhalb der JVA einer geregelten Arbeit als Schweißer nachgehen. Nach Feierabend muss er in die Haftanstalt zurückkehren. Damit bekommt er wieder mehr Freiheit, sein größtes Problem bleibt allerdings bestehen: der fehlende Kontakt zu seinen Kindern.

Schließlich begleitet das Kamerateam Berkman auch bei der Beendigung seiner Haft. Nach fast drei Jahren kann er die JVA frühzeitig aufgrund guter Führung verlassen. "Ich freue mich riesig auf die Entlassung", sagt Berkman. Seine Sachen trägt er in einem Umzugskarton mit der Aufschrift "Jeder Umzug ist ein Anfang" aus dem Gefängnis. Als der Ex-Häftling in sein altes Haus zurückkehrt, das nun der Bank gehört, ist es leer. Seine Frau und seine Kinder sind inzwischen ausgezogen. Geblieben ist nur ein treuer Vierbeiner - seine Katze. Während Berkman im Gefängnis war, kümmerte sich seine Schwester um das Tier.

"37°: Im Gefängnis: Das Prinzip Hoffnung" läuft am Dienstag, 25. August, um 22.15 Uhr, im ZDF und ist bereits vorab im Streamingportal des Senders abrufbar.

Quelle: teleschau – der mediendienst