Gysi bei "Maischberger: "Ich rede nie wie Chrupalla, diese Unverschämtheit weise ich zurück"

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Zwischen Andreas Rödder (links) und Gregor Gysi wurde es zwischenzeitlich hitzig.
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Gregor Gysi betonte bei "Maischberger": "Die Leugnung des Existenzrechts von Israel ist indiskutabel."
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Sandra Maischberger sprach mit ihren Gästen Andreas Rödder und Gregor Gysi über die Verschiebungen im deutschen Parteiensystem.
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Einmal wird Gregor Gysi sauer am Dienstagabend. Da ist er gemeinsam mit dem Historiker Andreas Rödder Gast bei Sandra Maischberger in der ARD. Gemeinsam sollen sie über die Brandmauer und die mögliche Koalition in Berlin streiten. Und dann provoziert Rödder.

Man merkt es schon seit einiger Zeit. Linken-Urgestein Gregor Gysi hat sich eine gewisse Altersruhe draufgeschafft. Manchmal regt er sich aber doch noch auf. Wenn es zum Beispiel um die Reichen geht, die das ganze Geld hätten, und um die Geringverdiener, bei denen immer weiter gekürzt werde von Bundeskanzler Merz. Der sei ihm ohnehin zu miesepetrig, sagt Gysi am Dienstagabend bei Sandra Maischberger in der ARD.

Dort trifft er sich mit dem Historiker und CDU-Mitglied Andreas Rödder zu einem Wortgefecht, das zwischendurch tatsächlich Pfeffer bekommt. Vor allem, als es um eine mögliche rot-grün-rote Koalition in Berlin geht, die die Linke anführen sollte, wenn es da nicht einige gäbe, die sich antisemitisch geäußert hätten. Vor allem in Neukölln. Und dann ist da noch eine gewisse Nähe zu kriminellen Clans in der Partei, die Rödder dem Linken-Politiker vorwirft.

"Meine Partei hat keine Verbindung zu Clans", erklärt Gysi. Da sei jemand auf der Wahlparty der Linken in Berlin aufgetaucht, aber der sei sofort rausgeschmissen worden. Auf das Thema Antisemitismus angesprochen, den es bei einigen Mitgliedern seiner Partei gebe, macht Gysi klar, dass es sich dabei um eine Minderheit handele, gegen die die Linkspartei vorgehen müsse. Doch das will Rödder nicht gelten lassen: "Sie reden von Einzelfällen. Sie reden wie Tino Chrupalla über die Extremisten in der AfD. Und ich finde: gleiches Recht für alle. Behandeln wir den Extremismus auf der linken genau wie auf der rechten Seite!"

Gregor Gysi: "Die Leugnung des Existenzrechts von Israel ist indiskutabel"

"Also erstens rede ich nie wie Chrupalla. Diese Unverschämtheit weise ich zurück", entgegnet Gysi wütend. Dann erklärt er: "Wir haben sehr viele neue Mitglieder 2025 bekommen. Und da sind einige auch mitgekommen, die uns missbrauchen wollen. Also was nicht geht: Wenn jemand sagt, Tel Aviv soll palästinensisch werden, das ist die Leugnung des Existenzrechts von Israel. Überhaupt: Die Leugnung des Existenzrechts von Israel ist indiskutabel. Und da müssen wir konsequenter sein. Das dürfen wir nicht nur verurteilen, das müssen wir auch ausschließen, wenn eine bestimmte Grenze überschritten ist."

Mit Forderungen von SPD und Grünen nach Ausschluss bestimmter Linken-Politiker vor möglichen Koalitionsverhandlungen in Berlin ist Gysi absolut nicht einverstanden: "Das müssen wir von uns aus klären. Und da müssen wir eine rote Linie ziehen. Und wenn die überschritten ist, dann müssen wir das auch klipp und klar sagen."

Rote Linien. Das ist das eigentliche Thema der Diskussion. Denn Andreas Rödder gehörte zu jenen in der CDU, die sich schon früh gegen die Brandmauer aussprachen. Im Jahr 2018 hatte die CDU ihren "Unvereinbarkeitsbeschluss" gegenüber AfD und Linkspartei ausgesprochen. Rödder denkt schon mal darüber nach, was nach einem möglichen Bruch der schwarz-roten Koalition im Bund geschehen könnte.

Andreas Rödder skizziert die "roten Linien" einer CDU-Minderheitsregierung

Der Historiker kann sich auch eine Minderheitsregierung vorstellen, bei der sich die führende CDU wechselnde Mehrheiten suchen müsse. Auch mit der AfD. Aber dabei müssten klare rote Linien festgelegt und eingehalten werden. Zum Beispiel in der Migrationspolitik. Rödder erklärt: "Da würde eine rote Linie einer bürgerlichen Politik sagen: Wir wollen, dass ausreisepflichtige Fluchtmigranten das Land verlässlich verlassen. Wir wollen aber auch, dass rechtmäßig nach Deutschland gekommene Migranten sich integrieren, damit sie Deutsche werden können." Dies seien zwei rote Linien, eine nach rechts und eine nach links.

Tatsächlich steht der schwarz-roten Koalition schon am Mittwoch (7. Oktober) ein neuer Streit ins Haus. Das hat die SPD angekündigt. Die will wissen, wie es zu dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt gekommen ist. Dort wurde am Dienstag zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik mit Tobias Rausch ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt. Allerdings bekam er neben den Stimmen aus seiner eigenen Partei und vom BSW noch vier weitere. Gregor Gysi teilt die Vermutung, dass diese Stimmen aus Reihen der CDU kamen, denn SPD, Grüne und Linke würden keinen AfD-Politiker wählen.

Gysi über Magdeburg: "Das ist für mich eine Zäsur"

Diese Wahl sei verfassungskonform gewesen - und geheim, entgegnet Andreas Rödder. Darum erübrige sich, darüber zu reden, von wem die vier zusätzlichen Stimmen gekommen seien. Da hätte er im Prinzip vielleicht sogar recht. Doch im Dezember soll Ulrich Siegmund von der AfD zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt werden. Das BSW soll sich erst im dritten Wahlgang enthalten. Siegmund könnte aber schon im ersten Wahlgang die nötige Mehrheit erreichen, vor allem, wenn es Abweichler aus einer anderen Partei geben würde.

Gregor Gysi ist sich jedenfalls sicher: Siegmund könne es schaffen. Bei Maischberger sagt er zu dem Wahlergebnis von Dienstag: "Das ist für mich eine Zäsur." Und er fügt hinzu: "Eine noch schlimmere Zäsur wird, wenn der erste Ministerpräsident von der AfD gewählt wird."

Quelle: teleschau – der mediendienst