Guttenberg spricht in ARD-Talk über Grönland-Erkundungsmission: "Kommunikatives Desaster"
Autor: Marko Schlichting
, Mittwoch, 21. Januar 2026
Einen Tag vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos, befasst sich auch Sandra Maischberger in der ARD mit Donald Trumps jüngsten Drohungen. Die nimmt der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sehr ernst.
Europa befindet sich in der schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg. Sowohl Russland als auch die Vereinigten Staaten agieren gerade gegen die Europäische Union und die NATO. Wie Europa jetzt reagieren soll, nachdem US-Präsident Donald Trump seinen Besitzanspruch auf die Arktisinsel Grönland bekräftigt hat, will am Dienstagabend Sandra Maischberger in der ARD von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wissen. Der sagt klar: "Ich kann nur hoffen, dass es in Europa ein abgestimmtes Vorgehen gibt. Ich zweifle allerdings daran, dass es diese Abstimmung tatsächlich so gibt."
US-Politikberater Andrew Langer ist einer der Unterstützer von Donald Trump. Er fordert bei Maischberger die europäischen Politiker auf, sich mit Trump an einen Tisch zu setzen und zu verhandeln. Ihre Aufgabe sei es, einen Kompromiss zu suchen und zu erkennen, dass das, was Trump eigentlich anstrebe, eine Lösung sei, die die Vereinigten Staaten in der stärkstmöglichen Position lasse. Trump wolle den bestmöglichen Deal für die USA herausholen. Der Präsident habe den Eindruck, dass die anderen Länder bei den Verhandlungen ihre Interessen über jene der Vereinigten Staaten gestellt haben.
Glaubt man Politikern wie dem Unions-Fraktionschef Jens Spahn, dann hat Trump dasselbe Interesse wie Europa, und zwar den Schutz vor China und Russland in der Arktis. Trump behauptet nun, diese Interessen könnten nur die USA schützen. "Das ist ein Punkt", findet zu Guttenberg. Doch er fügt hinzu, diese Interessen könnten längst bedient werden. "Dazu bedürfte es nicht dieses unglaublichen Theaters, das da gerade veranstaltet wird." Hätte Trump Lust und Laune dazu, könnte er tausende US-Soldaten nach Grönland schicken, ohne dazu das Eigentum von Grönland zu beanspruchen.
Karl-Theodor zu Guttenberg: "Das ist eine völlige Farce, die Trump da aufzieht"
Den entsprechenden Vertrag gebe es seit 1951, so zu Guttenberg. "Das ist eine völlige Farce, die Trump da aufzieht. Der eigentliche Grund ist glaube ich eine Koppelung aus den Bodenschätzen, wobei es schwer ist, die da rauszuholen, denn da ist ja noch ein bissel Eis drüber. Und ich glaube, der zweite Punkt ist das unfasslich narzisstische Ego dieses amerikanischen Präsidenten." Trump wolle sich in der Reihe jener Präsidenten sehen, die für die Erweiterung der USA verantwortlich gewesen seien. "Außerdem kann er das Wort Eitelkeit fehlerfrei buchstabieren, wie wir wissen. Und vor dem Hintergrund spielt das schon eine große Rolle." Trump habe in einem Interview mit der "New York Times" zugegeben, der Besitz sei psychologisch wichtig. Für Trump.
Langer möchte nicht von einer Farce oder von Egoismus sprechen, wenn es um die Gründe für Trump geht, Grönland zu besitzen. Russland habe vielmehr in den letzten fünfzig Jahren seine imperialistische Sicht umgesetzt, während China versucht habe, seine eigene Position zu festigen. Trump wolle einen Gegendruck aufbauen, jetzt und in der Zukunft. Das wolle er mit dem Besitz Grönlands erreichen.
Doch Trump hat ein Problem: Die meisten Grönländer wollen keine Amerikaner werden. Darum gehe es Trump jedoch auch gar nicht, so Langer. Er wolle erreichen, dass die USA in die Lage versetzt würden, eine dominante Macht zu bleiben. Er wolle zwar, dass Grönland als Teil Amerikas angesehen würde. Grönland als neuen Bundesstaat der USA wolle Trump jedoch nicht. Er wolle jedoch, dass die Beziehungen zu Grönland so eng wie möglich werden, und er wolle ausschließen, dass Russland und China in der Arktis mehr Macht bekämen.
Das sagt Langer. Doch eine Karte, die im Oval Office hängt, zeigt Trumps wahre Ziele: Kanada, Grönland und Venezuela als Teile der USA. Das sei jedoch typisch für Trump, sagt Langer. Der wolle einfach provozieren. Er wolle andere Länder zu Verhandlungen zwingen.