Wie ist Sahra Wagenknechts politischer Kurs zu erklären? Gregor Gysi hat diesbezüglich eine gewagte Vermutung, die der Linken-Politiker nun im Podcast "Zwischen den Zeilen" kundtat.
Bettina Böttinger will mit ihrem Podcast-Gast eigentlich "nicht nur über Politik sprechen". Eine Frage scheint der "Zwischen den Zeilen"-Gastgeberin im Dialog mit Gregor Gysi dennoch auf den Nägeln zu brennen. "Können Sie mir erklären, was mit einem Menschen passieren kann, der - ich sag jetzt einfach mal etwas klischeehaft - genauso links war, wie Sie es immer noch sind? Und der heute den Rechten den Steigbügel hinhält?" Die Rede, ergänzt Böttinger, sei selbstverständlich von Sahra Wagenknecht.
Es sei "schwer zu sagen", setzt Gysi zunächst an und betont, "keine psychologische Wertung" abgeben zu wollen. Ebendies tut der Linken-Politiker dann aber doch: "Ich glaube, ihr Problem ist, dass sie keinen Vater hat und von ihm nichts weiß, und dass sie deshalb dafür immer einen Ersatz gesucht hat." Weiter mutmaßt der 78-Jährige in Bezug auf seine frühere Parteikollegin: "Deshalb lebt sie immer mit älteren Männern zusammen."
Gysi spekuliert weiter: "So eigenständig sie im Fernsehen ist, so eigenständig sie in Veranstaltungen ist - ich glaube, da gibt es eine gewisse Abhängigkeit." Wer wisse, wie die besagten "älteren Männer" denken und reagieren, könne "ganz gut ahnen, wie sie denkt und reagiert". Dies habe der einstige Fraktionsvorsitzende "im Laufe der Jahre festgestellt". Belege für seine Einschätzung liefert Gysi nicht.
Gregor Gysi warf Sahra Wagenknecht und dem BSW zuletzt "blanken Opportunismus" vor
Über den Vater der Politikerin ist nur wenig bekannt. Klar ist, dass der Iraner die DDR verließ, als Wagenknecht drei Jahre alt war. In einem Interview mit der "Bild" erklärte die Ehepartnerin Oskar Lafontaine (83) einst, dass der Weggang ihres Vaters "ein wirklich harter Einschnitt" für sie gewesen sei.
Sahra Wagenknecht, die 1989 der SED beitrat, war während ihrer langjährigen Mitgliedschaft in der Linken unter anderem als Fraktionsvorsitzende und als stellvertretende Parteivorsitzende tätig. Nachdem sie im Herbst 2023 ihren Austritt öffentlich gemacht hatte, gründete sie im Januar 2024 die Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (heute: Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft), kurz BSW.
Bereits in der Vergangenheit hatte Gregor Gysi die 57-Jährige und ihre neue Partei scharf kritisiert - zuletzt in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz", wo er Wagenknecht in Bezug auf eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD "blanken Opportunismus" vorwarf.
Quelle: teleschau – der mediendienst