Druckartikel: "Gigantische Falle": Markus Lanz hält deutsche Aufrüstung für ein "Verarmungsprogramm"

"Gigantische Falle": Markus Lanz hält deutsche Aufrüstung für ein "Verarmungsprogramm"


Autor: Franziska Wenzlick

, Freitag, 19. Juni 2026

Werden die hohen Militärausgaben Deutschland in den "ökonomischen und politischen Zusammenbruch" führen? Davon sind Markus Lanz und Richard David Precht überzeugt. In ihrem gemeinsamen Podcast sprechen sich die beiden ZDF-Moderatoren deutlich gegen die immense Aufrüstung aus.


"Rüsten wir uns in den Ruin?", fragt sich Markus Lanz. Im Podcast "Lanz + Precht" äußert der Polittalker "das Gefühl, wir werden da gerade Zeuge einer Form von Wahnsinn". Lanz blickt besorgt auf die "dreistelligen Milliardensummen", die der Bund in Waffen stecke: "Wissen wir eigentlich, was wir da tun? Ist das gerade eine gigantische Falle, in die wir laufen? Ein Verarmungsprogramm auf Kosten unserer Zukunft, auf Kosten unserer Kinder?"

Kaum weniger alarmiert zeigt sich Richard David Precht. Er mutmaßt, dass "dieser volkswirtschaftliche Wahnsinn" der "Rekordaufrüstung" noch Folgen haben werde, "über die wir im Augenblick gar nicht nachdenken". Der TV-Philosoph mahnt: "Was wir uns überhaupt nicht vorstellen können, ist, in welche wirtschaftlichen Abhängigkeiten wir uns begeben gegenüber der Rüstungsindustrie."

Precht: "Arbeiten zielstrebig auf unseren ökonomischen und politischen Zusammenbruch hin"

Vor allem im Hinblick auf ein mögliches Ende des Krieges in der Ukraine in den kommenden Jahren hält Precht die Aufrüstung für fragwürdig. So sei Putin für den Westen "im Augenblick nicht mehr die ganz, ganz große Bedrohung", als die er vor "drei oder vier Jahren erschienen" sei.

Russland befinde sich in einem "desolaten wirtschaftlichen Zustand" und sei "kaum noch in der Lage, den Ukraine-Krieg fortzuführen", gibt Precht zu bedenken. Umso weniger könne er die enormen Verteidungs-Ausgaben nachvollziehen: "Wir kommen aus der Aufrüstung, die wir hier beschlossen haben, aus all den Verträgen, die wir gemacht haben, ja nicht mehr raus."

"Alles Geld, was wir da reinstecken, ist sehr, sehr schlecht investiertes Geld", urteilt Precht. Er wisse darüber hinaus "gar nicht, wie man da irgendwann wieder rauskommen will, ohne dann einen weiteren gigantischen wirtschaftlichen Schaden anzurichten". Seine Prognose fällt drastisch aus: "Wenn wir so aufrüsten, wie wir das gegenwärtig vorhaben (...), dann arbeiten wir zielstrebig auf unseren ökonomischen und politischen Zusammenbruch hin."

Auch Lanz zeigt sich pessimistisch: "Das wäre sozusagen ein später Sieg Putins", sinniert er, "der zerstört erst sein eigenes Land mit dem Wahnsinn, den er da veranstaltet hat, und am Ende zerstören wir uns sozusagen auch selbst." Während Precht von der "mutmaßlich größten Steuerverschwendung in der Geschichte der Bundesrepublik" spricht und moniert, dass dies "in der Öffentlichkeit bislang auch nicht ansatzweise genug skandalisiert" werde, resümiert der ZDF-Moderator: "Es nützt uns nicht richtig viel, wenn wir am Ende sicher sind - aber dafür vollkommen pleite."

Die ganze Episode von "Lanz + Precht" gibt es unter anderem auf Spotify und Apple Podcasts sowie als Video-Podcast im YouTube-Kanal des ZDF.

Quelle: teleschau – der mediendienst