Gewalt an Schulen: Ahmad Mansour warnt vor "Radikalisierungswelle von Minderjährigen"
Autor: Natascha Wittmann
, Freitag, 16. Oktober 2026
Bei "Markus Lanz" wurde die Debatte über Gewalt an Schulen schnell zur Grundsatzfrage: Woher kommt die zunehmende Verrohung und warum gelingt es so schwer, gegenzusteuern? Extremismusforscher Ahmad Mansour wählte drastische Worte und warnte dabei vor einer "Radikalisierungswelle von Minderjährigen".
In Frankreich gehen seit Wochen Hunderttausende junge Menschen landesweit für bessere Bedingungen an Schulen und Universitäten auf die Straße. Bei Märschen und Kundgebungen in Paris und anderen Großstädten kommt es zu teils heftigen Ausschreitungen. Bei "Markus Lanz" diente die Lage in Frankreich als Aufhänger, um der Frage auf den Grund zu gehen: "Warum diese Gewalt? Warum diese Eskalation?"
Ahmad Mansour warnte in diesem Zusammenhang, dass sich auch in Deutschland Kinder und Jugendliche zunehmend von Gewalt leiten ließen. "Wir erleben gerade eine Radikalisierungswelle von Minderjährigen! (...) Und das ist etwas, das mir große Sorgen macht", wählte er eindringliche Worte. Als Lanz bei CDU-Politikerin Katharina Günther-Wünsch nachhakte, ob Deutschland sich ebenfalls "auf französische Verhältnisse" zubewege, anwortete die Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Familie ernst: "Das Thema Konflikt und Gewalt an Schulen eskaliert seit einigen Jahren in Berlin."
Sie warnte: "Wir haben eine Gewaltspirale - übrigens von der Grundschule an bis in die Oberstufe hinein." Lanz hakte nach: "Was heißt das konkret?" Die Senatorin beschrieb daraufhin eine sinkende Belastbarkeit im Schulalltag: An vielen Schulen gebe es "geringe Frustrationstoleranzen", zudem habe "die Resilienz der Schüler (...) abgenommen". Und: "Wegen Kleinigkeiten (...) eskaliert es körperlich."
Ahmad Mansour warnt: "Gewalt braucht keine Forderung mehr"
Hinzu komme, dass Gewalt nicht an der Schultür ende. Sie werde mittlerweile auch "digital fortgesetzt". Journalist Bojan Pancevski brachte als möglichen Faktor auch das Thema Migration ins Spiel und mahnte, Gewalt habe teilweise auch "mit Massenmigration zu tun", "mit Identität, mit Integration". Migrationsforscher Ahmad Mansour stimmte zu und verwies auf "ganz andere Werte" sowie "ganz andere Erziehungsmethoden", die viele junge Menschen vermittelt bekämen.
Auch die "Perspektivlosigkeit bildungsferner Familien" würde laut Mansour die "Gewalt begünstigen". Der Experte ging sogar noch weiter und sprach von einer wachsenden "Lust an Gewalt" bei jungen Menschen. "Genau diese Entwicklung macht mir große Sorgen. Gewalt braucht keine Forderung mehr. Gewalt braucht kein Motiv mehr", argumentierte Mansour. Es gehe einigen nur darum, einen "Adrenalinschub" zu erleben oder Sachen zu "zerstören". Lanz hakte irritiert nach: "Aber Lust an Zerstörung wovon?" Mansour antwortete mit ernstem Blick: "Es ist egal!"
Katharina Günther-Wünsch sah ähnliche Probleme und sagte: "Wir haben nicht diese Empathiefähigkeit der Kinder." Auf die Frage nach den Gründen entgegnete sie: "Das Thema digitale Medien spielt eine große Rolle." Außerdem fehle an den Schulen "in Teilen das Personal, vielleicht auch die Qualifikation". So entstehe eine Gewaltdynamik, "die zunimmt". Zudem gebe es "politische Ränder, die das befeuern".
Angesichts dieser Diagnose wollte Lanz von Günther-Wünsch wissen: "Welchen Vorwurf machen Sie Ihrer eigenen Partei?" Ihre Antwort? "Den Vorwurf, dass wir (...) nicht gut genug zugehört haben." Zu lange seien laut der Senatorin "andere Schwerpunkte gesetzt" worden. Lanz bohrte prompt nach: "Was ist mit Sprache?" Günther-Wünsch erklärte mit Blick auf Berlin: "Wir haben (...) sowas wie eine Kitapflicht eingeführt."