Geheimtipp im Free-TV: Dieses unterschätzte Biopic erzählt die packende Geschichte einer Nationalheldin
Autor: Teleschau
, Freitag, 19. Juni 2026
Bildgewaltiges Historiendrama mit differenzierter Betrachtung des Themas: Luc Bessons "Johanna von Orleans" ist eine absolut sehenswerte Filmbiografie.
Fast 600 Jahre sind vergangen, seitdem sich ein junges Mädchen an die Spitze des französischen Heers stellte, um für ihr Land im 100-jährigen Krieg gegen die Engländer zu kämpfen. Den Auftrag dazu, erklärte sie selbst, habe sie von höchster Stelle erhalten. "Ich bin die Trommel, auf der Gott seine Botschaft überbringt", lässt Luc Besson ("Das fünfte Element") seine Heldin Johanna von Orleans im schlicht nach ihr benannten Film sagen. Doch anders als so viele Filmbiografien der legendären französischen Heldin, glorifiziert der französische in "Johanna von Orleans" (Samstag, 20. Juni, 20.15 Uhr, Tele 5) ihren Charakter nicht, sondern überlässt das Urteil am Ende dem Zuschauer.
Dass Bessons Film weder das Publikum noch die Kritik vollends überzeugen konnte, erschließt sich heute nicht mehr. Für seine Verfilmung des Lebens jenes Mädchens, das 500 Jahre nach ihrem Tod heiliggesprochen wurde, hatte er ein großes Budget zur Verfügung. Das sieht man: Die Sets sind perfekt gewählt und bis ins kleinste Detail sorgsam ausgestattet. Zudem stellt er sich nicht bewundernd hinter das Wirken des Mädchens, sondern bemüht sich - als Franzose - um eine differenziertere Betrachtung der französischen Nationalheldin.
Zu Höherem berufen
Nur kurz schildert er die Kindheit der Johanna von Orleans, ihre ersten Visionen, die ihr deutlich machen, dass sie zu Höherem berufen ist. Besson, der gemeinsam mit Andrew Birkin auch das Drehbuch schrieb, beschreibt ihre Liebe zu Gott an der Grenze zum Wahnsinn. Gierig trinkt das Kind "das Blut Gottes", die tägliche Beichte steht im Zentrum ihres Lebens. Bis sie eines Tages auf einer Wiese ein Schwert neben sich findet.
Mit 16 macht sie sich auf den Weg zu Charles (John Malkovich), der König von Frankreich werden soll. Er möge sie in die Schlacht gegen die Engländer schicken. Johanna erobert Orleans zurück, doch sie will mehr. So viel, dass sie auch den Franzosen ein Dorn im Auge ist. Am Ende schließlich wird sie der Inquisition vorgeführt. Sie wird wegen Ketzerei angeklagt und im Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen in Rouen verbrannt.
Besson zeigt Johanna als gebrochenen, zweifelnden Charakter
Johanna, die Jungfrau, ist 19 Jahre alt. Luc Besson wird sich wohl darüber bewusst gewesen sein, dass die Besetzung der Titelfigur entscheidend für die Qualität des Produkts war. Milla Jovovich, kurz zuvor durch "Das fünfte Element" (1997) berühmt geworden und im Privatleben damals die Partnerin Bessons, gehört der Großteil des gesamten Films. Zwar wurden die Nebenrollen mit Dustin Hoffman als Person gewordenes Gewissen Johannas und Faye Dunaway als Yolande von Aragon exzellent besetzt. Die Glaubwürdigkeit und die Faszination der geschilderten Ereignisse hängt jedoch alleine von Jovovich ab.
Ihre intensive Vorbereitung auf die Rolle ist spürbar. Leidenschaftlich spielt sie die französische Nationalheldin, manchmal, möchte man meinen, zu leidenschaftlich. "Ich wollte, dass die Menschen sie lieben", erklärte die Schauspielerin in einem Interview. Aber eben das fällt mitunter schwer, zeigt der Film seine Hauptfigur doch auch als gebrochenen, mitunter an sich selbst zweifelnden Charakter. Die Faszination von Krieg und Triumph hat mehr Bedeutung als die Liebe zum Volk.
Quelle: teleschau – der mediendienst