Gefangene ihres Körpers
Autor: Teleschau
, Dienstag, 20. Oktober 2026
Steve McQueens Adaption des autobiografischen Berichts eines in Freiheit geborenen Afroamerikaners, der in den Süden verschleppt und versklavt wurde, wurde 2014 zu Recht unter anderem mit dem Oscar für den Besten Film ausgezeichnet.
Dem Sujet seiner ersten beiden Spielfilme blieb der afrobritische Regisseur Steve Rodney McQueen 2013 treu und erweiterte es um weitere Aspekte. "Hunger" (2008) über einen inhaftierten IRA-Kämpfer und "Shame" (2011), beide verkörpert von Michael Fassbender, über einen Sexsüchtigen drehen sich darum, inwieweit Menschen Gefangene ihres Körpers sind und inwieweit sie sich den Regeln anderer unterwerfen müssen oder ihnen widerstehen können. Die am Sonntag erneut bei Kabel Eins ausgestrahlte Verfilmung des authentischen autobiografischen Berichts "12 Years A Slave" (1853) von Solomon Northup gibt dem Thema geschichtliche Tiefe.
Als in Freiheit geborener Afroamerikaner und geachteter Bürger innerhalb einer weißen Mehrheitsgesellschaft lebt der Musiker und Handwerker Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) mit Frau und Kindern in Saratoga, New York, bis er 1841 eines Tages von zwei Betrüger unter Drogen gesetzt und an Sklavenhändler verschachert wird, der ihn an William Ford (Benedict Cumberbatch), einen Plantagenbesitzer im Tiefen Süden, verkauft. Er wehrt sich gegen die Gefangenschaft, besteht darauf, ein freier Mann zu sein, was hier niemanden interessiert.
Brutale Authentizität
Unmenschlichkeit, Peitschenhieben, Schuften bis zum Umfallen und unendliche Demütigung gehören fortan zu Solomons Leben. Doch die Hoffnung, wieder in Freiheit und zu seiner Familie zu gelangen, gibt er niemals auf, nicht zuletzt dank des kanadischen Zimmermanns und Abolitionisten Samuel Bass (Brad Pitt, der zu den Produzenten des Films gehört), der ihn darin bestärkt.
Zwangsläufig tauscht Regisseur McQueen den scharfen eigenen Blick gegen den der Geschichtsforscher und den von Northup ein, die einzig Authentizität verbürgen können. Er verwandelt, getragen vom ausdrucksstarken Hauptdarsteller, die Erlebnisse eines Menschen aus einem fernen Jahrhundert in eine moderne, psychologisch grundierte Bildsprache. Der zeitlosen Angst vor dem Verlust des Menschseins wird sie vollauf gerecht.
Bei der Oscarverleihung 2014 wurde "12 Years A Slave" als Bester Film und für das Beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet. Lupita Nyong'o wurde zur Besten Nebendarstellerin gekürt.
12 Years A Slave - So. 25.10. - Kabel Eins: 20.15 Uhr
Quelle: teleschau – der mediendienst