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Gabriel mahnt bei Lanz: "Wir schaufeln die Gräber der Volksparteien, auf denen dann die AfD tanzen wird"


Autor: Natascha Wittmann

, Mittwoch, 14. Oktober 2026

Der Rücktritt von Bärbel Bas löste in Berlin ein politisches Beben aus. Bei "Markus Lanz" warnte Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel am Dienstagabend vor den gegenseitigen Angriffen innerhalb der schwarz-roten Koalition und betonte, dass am Ende vor allem die AfD davon profitieren würde.


Bärbel Bas hat am 12. Oktober überraschend gleich zwei Ämter abgegeben: den SPD-Co-Vorsitz und den Posten als Bundesarbeitsministerin. Als Gründe nannte sie den Tod ihrer Stieftochter sowie anhaltende Angriffe, die sie nach eigener Darstellung auch aus den Reihen des Koalitionspartners CDU/CSU getroffen hätten. Der Rücktritt samt Erklärung löste kurz darauf eine Debatte darüber aus, wie rau der Ton innerhalb der schwarz-roten Bundesregierung inzwischen geworden ist.

Markus Lanz nahm das zum Anlass, am Dienstagabend über die Stabilität der Koalition, Kanzler Friedrich Merz und eine mögliche Nachfolge im SPD-Vorsitz zu sprechen. Gleich zu Beginn blickte Lanz auf den Rückzug der von Bärbel Bas und formulierte eine Diagnose, die wie ein Warnsignal klang: "Es ist die politische Mitte, die sich hier gerade zerlegt."

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel machte daraufhin deutlich, wie sehr sich das politische Klima aus seiner Sicht durch soziale Medien verändert habe. Er sagte: "Das, was da heute los ist, dass man das persönlich manchmal nur schwer ertragen kann, das kann ich schon nachvollziehen." Deshalb habe er "Respekt vor der Entscheidung" von Bas. Er ergänzte: "Es tut mir leid, dass sie das macht. Es tut mir auch leid, dass das Klima so ist, dass es jemanden aus so einem Amt vergrault. Aber am Ende des Tages muss man so eine Entscheidung respektieren."

Für Lanz war das der Einstieg in eine breitere Debatte über den Umgangston zwischen CDU/CSU und SPD. Gabriel räumte ein: "Natürlich ist es so, dass in der jetzigen Koalition mit relativ harten Bandagen gearbeitet wird. Das gilt für beide Seiten."

Sigmar Gabriel über Friedrich Merz: "Wenn man gewählt ist, ist man der Richtige"

Dann wurde er grundsätzlich und verband die interne Streitkultur mit den Folgen nach außen: "Beide Seiten in der Koalition müssen sich eigentlich fragen, ob das Bild, das sie in der Öffentlichkeit abgeben, irgendeine Chance hat, dass Menschen die noch verstehen oder ob das immer nur der AfD hilft. Und ich glaube, Letzteres ist der Fall." Lanz stimmte zu: "Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie das so in der Deutlichkeit sagen."

Gabriel blieb derweil bei seiner Kritik: Öffentliche Attacken auf den Koalitionspartner und eine weitere "Eskalation solcher Auseinandersetzungen" nützten am Ende niemandem, "weder der SPD noch der CDU/CSU". Der Ex-Vizekanzler ergänzte: "Mein Eindruck ist, dass sich beide nichts schenken und das bei beiden ein Grund wäre, darüber nachzudenken, wie man zu einem geordneten Verhältnis zurückkommt."

Im weiteren Verlauf nahm Sigmar Gabriel den Bundeskanzler teilweise in Schutz und beklagte eine aus seiner Sicht reflexhafte Abneigung gegen Friedrich Merz: "Wenn der morgen übers Wasser laufen kann, dann sagen die Leute: Der kann nicht schwimmen!" Lanz wollte es genauer wissen und fragte, ob Merz der richtige Kanzler sei. Gabriel wich aus: "Ich finde: Ja. Er ist dafür gewählt, er muss vier Jahre lang das durchhalten." Lanz ließ das nicht gelten: "Das ist ja nicht die Antwort auf die Frage. Ist er der richtige Mann an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit?" Gabriel blieb jedoch hart: "Wenn man gewählt ist, ist man der Richtige. Alles andere ist ja Unsinn." Er schob nach, dass auch die SPD "ein Interesse daran haben" müsse, "dass Merz Erfolg hat, weil nur dann wird sie selbst Erfolg haben".

Sigmar Gabriel: "Es wäre erstmal für Manuela Schwesig eine Höchststrafe"

Lanz fasste die Dynamik düster zusammen: "Die ziehen sich gegenseitig in den Abgrund." Gabriel bestätigte: "Das sehe ich auch so. Wir schaufeln die Gräber der Volksparteien, auf denen dann die AfD tanzen wird." Lanz prognostizierte: "Das ist der Satz, der jetzt hängen bleibt." Der SPD-Mann legte mit Blick auf Sachsen-Anhalt, wo die AfD im September auf 43,8 Prozent kam, nach: "Der Versuch, eine Brandmauer zu bauen, ist ja gescheitert, wenn 45 Prozent in einem Bundesland die AfD wählen." Es gebe "scheinbar Feuer im Land hinter dieser Brandmauer. Was wir machen müssen, ist, diese Feuer löschen", forderte er, "und das tun wir nicht ausreichend."

Zum Schluss rückte die SPD selbst in den Fokus. Journalistin Eva Quadbeck prognostizierte, Manuela Schwesig könne neue Parteichefin werden. "Das wäre dann in dem Fall in der Regierung für Herrn Merz Höchststrafe", sagte sie. Sigmar Gabriel stichelte schmunzelnd: "Es wäre erst mal für Manuela Schwesig eine Höchststrafe." Lanz hakte interessiert nach, woraufhin Gabriel nüchtern erklärte: "Dieser Spagat - Ministerpräsident in einem Bundesland zu sein und gleichzeitig in einer Regierungskoalition in Berlin eine tragende Rolle zu spielen. Ich weiß nicht, ob das schon mal einer geschafft hat."

Ein solcher Schritt sei, so Gabriel, "lebensmüde (...) und deswegen kann man ihr das eigentlich nicht empfehlen". Als Quadbeck wissen wollte, wer die Alternative sei, blieb Gabriel ausweichend: "Es wird schon jemand geben, der das macht." Lanz bohrte nach: "Wer fällt Ihnen da ein?" Der Ex-SPD-Chef ließ sich davon jedoch nicht beirren und sagte: "Ich führe hier bestimmt keine Debatte darüber, wer der nächste SPD-Vorsitzende werden soll!" Gereizt erwiderte er auf eine weitere Nachfrage des Moderators: "Dazu kriegen Sie mich hier nicht! Das ist auch nicht mehr meine Angelegenheit, sich da einzumischen."

Quelle: teleschau – der mediendienst