Fesselnder Ableger: "Star City" ist die düstere Schwesterserie von "For All Mankind" - und fast noch besser
Autor: Teleschau
, Mittwoch, 27. Mai 2026
Apple TV erweitert das alternative Geschichtsuniversum von "For All Mankind" um die sowjetische Perspektive: Die neue Serie "Star City" ist ein beklemmender Paranoia-Thriller.
Was wäre, wenn die Geschichte anders gelaufen wäre? Was wäre zum Beispiel, wenn die Sowjetunion den ersten Menschen auf den Mond geschickt und der anschließende Wettlauf mit den USA im All vor allem dazu geführt hätte, dass sich die Menschheit technologisch schneller entwickelt? Dieser Frage geht Apple TV mit der famosen Seite "For All Mankind" seit fünf Staffeln aus Sicht der Nasa nach und wechselt nun die Perspektive: "Star City" (ab 29. Mai) erzählt die Ereignisse aus Sicht der Kosmonauten hinter dem Eisernen Vorhang.
"Alternate History" ("alternative Weltgeschichte") ist ein sehr dankbares Science Fiction-Subgenre: Die Welt bleibt die gleiche und ist doch ganz anders, weil sich auf einmal vollkommen neue Möglichkeiten bieten. Im Wettrennen zum Mond zum Beispiel legen die Sowjets in "Star City" gleich nach. Nach dem ersten Mann schicken sie mit der Kosmonautin Anastasia Belikova (Alice Englert) auch die erste Frau auf den Erdtrabanten.
Kurze Flucht aus der Beklemmung
Anastasia genießt den Rausch der unendlichen Weiten des Weltalls. Der Flug ist ihre kurze Flucht aus einem System, das ihr die Luft zum Atmen (und anderen Kosmonautinnen das Leben) nimmt. In der Kosmonautensiedlung, der titelgebenden "Star City", herrscht eine unsäglich düstere, beklemmende Atmosphäre, die Menschen betrifft, die auch aus "For All Mankind" bekannt sind: Figuren wie Ingenieur Sergei Nikulov (Josef Davies) und KGB-Agentin Irina Morozova (Agnes O'Casey),
Das wird schnell greifbar, etwa wenn die Kamera durch ein schier endlos langes Büro fährt, in dem Schreibtische aufgereiht sind, an denen Frauen den ganzen Tag Tonbänder abhören mit Aufnahmen aus den Wohnungen der Kosmonauten. Alles wird verwanzt und überprüft. Wer ist systemtreu? Wer steht hinter der marxistisch-leninistischen Sache? Wer muss eventuell verhört, verschleppt, erschossen werden?
Die Paranoia fliegt mit
Die SciFi-Serie ist im Kern ein faszinierender Thriller, in dem das Streben der Wissenschaftler um den Chefkonstrukteur (Rhys Ifans) und der jungen Kosmonautinnen und Kosmonauten auf die Paranoia der realsozialistischen Wirklichkeit trifft. In intensiven, grandios gespielten Szenen geht es in acht knapp einstündigen Folgen um die Angst vor dem Versagen und um kleine Fluchten aus dem Alltag, die für die Menschen mindestens genauso wichtig sind, wie die Reise zum Mond.
Während "For All Mankind" grundsätzlich optimistisch ist, erweitert "Star City" den Serienkosmos um eine klaustrophobische, trostlose Perspektive. Die Geschichte jener Männer und Frauen aus dem Ostblock, die unter autoritärem Druck und unter hohem persönlichem Risiko den technologischen Fortschritt vorantreiben wollen, ist genauso faszinierend wie die Ursprungsserie, für die gerade eine finale sechste Staffel bestätigt wurde.
Quelle: teleschau – der mediendienst