Der FC Hollywood oder als der Fußball Teil des Boulevards wurde ...
Autor: teleschau - Kai-Oliver Derks
, Freitag, 01. August 2025
Weil sich mit den Bayern ja immer und überall Quote machen lässt: Das ZDF wiederholt eine mehrteilige Dokumentationsreihe, in der auf eine turbulente Zeit des Rekordmeisters zurückgeblickt wird. Zahlreiche Ex-Profis gaben bereitwillig Auskunft.
Der Fairness halber sollte zu Beginn der FC Bayern selbst zu Wort kommen. Auf seiner Homepage schreibt der Rekordmeister: "Die 90er-Jahre waren ein Jahrzehnt ständiger Unruhe. Durch die neuen Privat-Medien entstand ein anderes, nicht immer sportgerechtes Interesse am Fußball und seinen Stars - ein Grund, dass der FC Bayern einerseits als Dreamteam andererseits als FC Hollywood tituliert wurde." Die Medien also sind's gewesen - so kann man es natürlich sehen. Und fürwahr hatten sie ihren Anteil an den Ereignissen in diesen Jahren, die jedem älteren Bayernfan selbstverständlich noch sehr präsent sind. Aber: Der Verein selbst und seine Stars waren ganz sicher nicht unbeteiligt.
Das echte Hollywood produzierte in dieser Zeit großes Unterhaltungskino: "Mission Impossible", "Independence Day", "The Rock". Hierzulande aber kam "Werner" in die Kinos und der FC Bayern in die Schlagzeilen des Boulevards. In einer nicht weniger als fünf Folgen umfassenden Dokumentation erinnert das ZDF an Hahnenkämpfe und leere Flaschen, an Teenie-Idole und Tagebücher, an Nacktshootings und nächtliche Partys. Übrigens: Der Fußball, der damals gespielt wurde, war keineswegs so schlecht, wie man heute annehmen mag. Nur zweimal landeten die Bayern in den 90-ern jenseits von Rang zwei. Nur gerät dies, was einst Normalität war, eben über die Triumphe der vergangenen Jahre schnell in Vergessenheit.
Das ZDF wiederholt die ersten zwei Filme am Mittwoch, 20. August, 23.15 Uhr. Weiter geht es dann am Donnerstag, 21. August, 23.00 Uhr, mit den drei übrigen Episoden. Die Dokumentation "FC Hollywood - Der FC Bayern und die verrückten 90er" von Nicolas Berse-Gilles, Markus Brauckmann und Simone Schillinger ist darüber hinaus in der Mediathek abrufbar.
"Es gab nie zwei Lager. Es gab 15."
Mehmet Scholl bringt es zu Beginn auf den Punkt: "Es gab nie zwei Lager. Es gab 15 verschiedene Lager." Im Kern aber geht es in der Auftaktfolge um die Rivalität zwei Alphatiere, die aus einem Grund, den auch dieser Film nicht nennen kann, einfach nicht miteinander auskommen wollen. Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann. Mitspieler Thomas Helmer, damals Kapitän, erinnert sich simpel: "Wenn der eine links lang wollte, wollte der andere rechts lang." Was soll man da machen?
Klinsi und Lothar spielten bereits zuvor in Italien miteinander, und eben dort muss wohl etwas geschehen sein, was den Libero und den Mittelstürmer auf ewig entzweite. Wie schön wäre es doch gewesen, wenn die Doku beide zusammen vor die Kamera gebracht hätte - gemeinsam sich erinnernd und Frieden schließend. Aber sie wurden getrennt voneinander befragt. Klinsmann und Matthäus erinnern sich an ihre Sicht der Dinge.
Der Franke beklagt, Klinsmann habe ihn zusammen mit anderen Spielern und Trainer Berti Vogts aus der Nationalmannschaft werfen wollen. Der andere bestreitet das vehement. Der eine forderte damals gar ein TV-Duell (Matthäus), was die Medien natürlich zum Jauchzen brachte. Der andere (Klinsmann) gibt sich an allem vollkommen unschuldig. In Interviews lacht einer viel bei seinen Erinnerungen. Der andere lacht auch heute noch nicht. Die Tendenz in der Doku, wer denn nun der Gute ist, geht leicht zu Klinsmann. Die Mehrheit der Bayern-Fans dürfte sich inzwischen allerdings auch ein eigenes Urteil gebildet haben.
Kein PR-Trainer weit und breit
Genüsslich geradezu packt der Film alles aus, was die Bayern damals so schillernd machte. In Teil eins zum Beispiel Lolita, des Kaisers blaues Auge, zahllose kontroverse Interviews. Wobei deutlich wird, was diese 90er-Jahre im Besonderen prägte: Die Spieler sagten damals noch, was sie dachten. Kein PR-Coach weit und breit, aber Fluten von Journalistinnen und Journalisten im ehemals äußerst präsenten Wettbewerb von Privatsendern und Öffentlich-Rechtlichen. Der Fußball wurde auch hierzulande in diesen Jahren endgültig zum Teil des Boulevards. Zahlreiche Medienvertreter erinnern sich im Film an ihre Sicht auf die Dinge und ordnen ein, unter anderem Reinhold Beckmann, Waldemar Hartmann, Uli Köhler, Gaby Papenburg, Carlo Wild und Claudia Neumann. Aber eben auch Patricia Riekel, ab 1997 Chefredakteurin von "Bunte".