Druckartikel: Expertin verurteilt Verhalten der US-Tech-Bosse gegenüber Trump: "Devot und unterwürfig"

Expertin verurteilt Verhalten der US-Tech-Bosse gegenüber Trump: "Devot und unterwürfig"


Autor: Julian Weinberger

, Montag, 12. Januar 2026

Das Geld von Tech-Bossen wie Elon Musk und Co. half US-Präsident Donald Trump ins Amt. Wie eine ARD-Doku zeigt, steckt dahinter jedoch nicht zwingend eine übereinstimmende politische Gesinnung - sondern vielmehr nüchternes, wirtschaftliches Kalkül.


Knapp ein Jahr ist Donald Trump mittlerweile als US-Präsident im Amt. Seine zweite Amtszeit möglich gemacht haben nicht zuletzt auch einflussreiche US-Tech-Bosse. Mit ihren Multimillionen-Spenden finanzierten sie den Wahlkampf des Republikaners mit - und saßen bei dessen Amtseinführung in erster Reihe. "Es war eine Art Tech-Coup", beurteilt die Wirtschaftssoziologin Brooke Harrington in der ARD-Doku "Trump und die Tech-Giganten - Das Spiel um Macht" die Lage. Musk, Zuckerberg, Bezos und Co. hätten zeigen wollen: "Es gibt einen neuen Sheriff in der Stadt."

Doch hinter der Unterstützung für Trump steckt weniger eine politische Überzeugung denn wirtschaftliches Kalkül. Die "Tech-Bros" wissen: Der US-Präsident steht für America First, für weniger Vorschriften, für mehr Förderungen im KI-Sektor, für eine libertärere Wirtschaft. Besonders Musk war zu Beginn von Trumps Amtszeit kaum vom Präsidenten zu trennen, saß gar der neu geschaffenen staatlichen Effizienzbehörde Doge vor.

Soziologin warnt vor Musk, Bezos und Co.: "Sie haben sich die US-Regierung quasi gekauft"

Musk verstehe den "Staat als Brechstange für Märkte, die ihm bisher verschlossen waren", erklärt Quinn Slobodian im Film von Nina Koshofer und Hendrik Hinzel. Gemäß dem Wirtschaftshistoriker habe der Tesla-Boss "herausgefunden, wie er für den Staat unverzichtbar wird". Gleichermaßen habe die Zusammenarbeit zwischen Trump und Musk "bizarre Bilder aus dem Oval Office produziert", wie Brooke Harrington einwirft.

Die Nähe mächtiger Tech-Oligarchen zu höchsten politischen Kreisen berge aber noch ein weiteres Risiko, wie sie skizziert: "Wenn eine Art wirtschaftliche Aristokratie das gesamte Kapital in den eigenen Taschen hortet, ist das kein Kapitalismus mehr." Über die millionenschweren Spenden von Musk, Bezos und Co. urteilt die Soziologin: "Sie haben sich die US-Regierung quasi gekauft, wie ihre eigene Versicherungspolice."

Obendrein scheinen die "Broligarchen" zu verstehen, wie man Donald Trump Honig ums Maul schmiert. Ein Rückblick auf ein von Trump ausgerichtetes Dinner für Tech-CEOs offenbare ein geradezu "devotes und unterwürfiges" Verhalten gegenüber dem Präsidenten, urteilt Harrington: "Es ist bizarr zu sehen, wie diese milliardenschweren Tech Bros gemeinsam eine rituelle Unterwerfung vor Big Daddy spielen."

"Die demokratische Gesellschaft steckt in der ernsthaftesten Krise seit 1945"

Doch Frank Sauer, der besonders den Einsatz von KI in militärischem Kontext erforscht, weiß über die Strategie von den Silicon-Valley-Magnaten zu berichten: "Es geht nicht um Prinzipien, sondern darum, was gut fürs Geschäft ist." Und der Rubel rollt - nicht auch zuletzt aufgrund der Tatsache, dass das Militär aufgrund vieler globaler Krise teils sogar proaktiv eine Zusammenarbeit mit Unternehmen im Silicon Valley forciert. Die Ukraine sei im Krieg gegen Russland etwa auf die von Elon Musk verwalteten Starlink-Satelliten angewiesen. Das zeige eine "Problematik gebündelt in einer einzigen Person", schlüsselt Sauer auf.

Dass Musk darüber hinaus politische Ambitionen über die US-Grenzen hinaus hege, verkompliziere die Lage nochmals. Besonders seine Wahlkampfhilfe für die AfD bei der vergangenen Bundestagswahl lässt Frank Sauer in der ARD-Doku bilanzieren: "Die demokratische Gesellschaft steckt in der ernsthaftesten Krise seit 1945."

Experte verrät: So bereiten sich Tech-Bosse auf "unvermeidlichen Zusammenbruch der Zivilisation" vor

Doch selbst die Tech-Oligarchen treiben Sorgen um. Der US-Autor Douglas Rushkoff beschreibt deren Selbstverständnis wie folgt: "Sie glauben, wir sind das Larvenstudium der Menschheit, leben auf einem Stück Mist. Und sie sind diejenigen, die Flügel bekommen und in die Wolken fliegen."

Diese Exit-Option könne aber schon bald nötig sein, wie einige der Silicon-Valley-Bosse offenbar glauben. Bei einem Vortrag über die digitale Zukunft hätten Rushkoff einige, nicht namentlich erwähnten Unternehmer mit Fragen über den perfekten Standort von Bunkern gelöchert. Der Grund dafür sei, dass sie von etwas überzeugt seien, "was sie das Ereignis nannten: den unvermeidlichen Zusammenbruch der Zivilisation", schildert Rushkoff. Dieser könne nach Vorstellung der Tech-Bosse unter anderem durch eine Pandemie, einen Atomkrieg, einer außer Kontrolle geratenen KI oder einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zustande kommen.

Quelle: teleschau – der mediendienst