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"Escaping Bolivia": Wenn der Traumurlaub zum Albtraum wird


Autor: Susanne Bald

, Donnerstag, 27. August 2026

Ein Trip nach Bolivien endet für drei norwegische Freundinnen im Gefängnis. Die sechsteilige Serie ist von wahren Ereignissen inspiriert.


"Ich habe nichts zu verbergen, aber wenn man jede einzelne von uns befragen würde, was damals passiert ist, bekäme man drei verschiedene Geschichten zu hören", vernimmt man eine Stimme aus dem Off. Die Geschichten handeln von einem Albtraum, der 2008 für drei Norwegerinnen an einem Flughafen in Bolivien begann: die 17-jährige Stina und ihre Freundinnen Christina und Madelaine. In der sechsteiligen norwegisch-deutschen Serie "Escaping Bolivia" (ab Freitag, 4. September, ARD Mediathek, und am Freitag, 11. September, bei ONE) heißen sie Ida (Ella Øverbye), Cecilie (Lisa Marie Hovden) und Michelle (Josephine Tetlie).

Die Drehbuchautorin und Regisseurin Emilie Beck hat den realen Fall explizit nicht rekonstruiert, sondern fiktional interpretiert, aus der Sicht von Ida. "Der beste Trip ever. Niemand ahnte, dass es der Anfang vom Ende war", erinnert diese sich. Denn statt zu Hause in Norwegen endete der Luxusurlaub für die Freundinnen im Frauengefängnis von Cochabamba, nachdem man in ihrem Gepäck 22,4 Kilogramm Kokain entdeckt hatte. Der wahre Fall sorgte in Norwegen für großes Aufsehen.

Zwischen Unsicherheit und Angst

Die Serie wechselt immer wieder zwischen der Zeit vor dem Trip und der harten Gegenwart im Gefängnis. Dort erlebt man drei verzweifelte Freundinnen, die jegliche Schuld von sich weisen. Die Hoffnung auf Hilfe durch die norwegische Botschaft müssen sie schnell begraben, denn Norwegen hat kein Auslieferungsabkommen mit Bolivien, zudem ist das bolivianische Justizsystem hochgradig korrupt.

Die drei müssen bis zum Abschluss ihres Prozesses hier bleiben, heißt es, und allein bis zu dessen Beginn könnten Jahre vergehen. Für eine Kaution müssten sie Unsummen hinblättern, die sich weder Idas aufopfernde Mutter Wenche (Ingvild Lien) noch Michelles Familie leisten können.

Je länger die jungen Frauen in Unsicherheit und Angst leben, desto mehr beginnt ihr Vertrauen zueinander zu bröckeln. Cecile, die als einzige aus einem reichen Elternhaus stammt, ist sich sicher, dass Michelle schuldig ist und sie und Ida benutzt hat. Ida möchte nicht an einen solchen Verrat glauben, doch auch sie ist zunehmend verunsichert. Eines Tages darf Cecile überraschend das Gefängnis verlassen und schafft es, nach Norwegen auszureisen.

Die Wahrheit kennt man bis heute nicht

Dort lässt insbesondere Idas Schicksal den Journalisten Joakim Sten (Jakob Oftebro) nicht los. Auch er basiert auf einer realen Person und wird mit der Zeit zur engen Bezugsperson Idas, besucht sie mehrfach im Gefängnis, interviewt sie, und er wird ihr 2011, gemeinsam mit einem ehemaligen Söldner, schließlich zu einer spektakulären Flucht verhelfen.

"Escaping Bolivia" ist keine reißerische True-Crime-Serie, sondern eine packende Mischung aus Thriller und Drama, vor allem aber ein berührendes Psychogramm Idas, die ein schnelles Erwachsenwerden unter erschwerten Bedingungen durchläuft und im Gefängnis sogar ein Kind zur Welt bringt. Regisseurin Emilie Beck positioniert sich dabei nie, sondern begleitet Ida beobachtend, fast schon dokumentarisch durch ihren Albtraum. Bis heute weiß niemand, ob die drei jungen Frauen damals unschuldig waren oder nicht.

In Norwegen wurde "Escaping Bolivia" bereits im Dezember 2025 ausgestrahlt und entwickelte sich schlagartig zum Streaminghit. Dadurch flammte das Interesse an dem Fall neu auf - insbesondere an Madelaine Rodriguez, die als einzige der ehemaligen Freundinnen bis heute in Bolivien festsitzt.

Quelle: teleschau – der mediendienst