Druckartikel: "Es ist traurig": Malerisches Alpendorf ächzt unter Tausenden "aggressiven" Tagestouristen

"Es ist traurig": Malerisches Alpendorf ächzt unter Tausenden "aggressiven" Tagestouristen


Autor: Paula Oferath

, Freitag, 05. Juni 2026

Voll, voller, Übertourismus. In einer neuen 3sat-Reportage kommen Bewohner aus Salzburg und Hallstatt zu Wort. Sie äußern ihren Unmut über den kaum gezügelten Massenandrang auf die österreichischen Touri-Hotspots.


Sie kommen aus aller Welt angereist. Egal ob aus Australien, Peru, Kanada oder Malaysia, die Menschen wollen mit eigenen Augen sehen, wie schön Österreich ist. Doch sie sind eindeutig zu viele. Die 3sat-Reportage "Wo uns Touristen niederrennen - Übertourismus in Österreich" (abrufbar in der ZDF-Mediathek) spricht mit den Menschen, die unter dem Tourismus leiden. Dabei kommen nicht nur Anwohner zu Wort, sondern auch jene, die eigentlich vom Massentourismus profitieren dürften.

Die Stadt Salzburg ist in den Augen von Susanna Mustafi "viel zu voll". Sie betreibt einen Stand in der Altstadt von Salzburg mit Souvenirs. Trotzdem empört sie der Massentourismus, der "mit der Zeit" immer mehr werde: "Wir kentern bald, wenn es so weitergeht". Auch der Mesner des Salzburger Doms ist wenig begeistert vom Verhalten der Besucher und dem Umgang mit dem Gebäude. "Phasenweise" werde der Dom sogar zum Müllplatz, berichtet er.

"Diese Aggressivität gab es früher in der Art und Weise nicht"

Im Jahr 2024 verzeichnete Österreich einen neuen Tourismus-Rekord mit über 154 Millionen Übernachtungen im Jahr. Mit der Anzahl der Menschen wächst auch die Aggressivität. "Diese Aggressivität gab es früher in der Art und Weise nicht", berichtet Claudia Schmidt. Sie wohnt in der Altstadt und erkennt ihre Stadt kaum wieder. Selbst einigen Gästen wird der Trubel zu viel. Viele Bewohner wünschen sich, dass die Stadt wieder ihnen gehört. Der ehemalige Bürgermeister von Salzburg, Harald Preuner, kann nachvollziehen, dass es den Anwohnern zu viel wird.

Doch nicht nur Salzburg kämpft mit dem Massentourismus. Auch Hallstatt, ein Dorf mit gerade einmal 800 Einwohnern am berühmten Hallstätter See, wird von Touristen überrannt. Nur in den Morgenstunden ist noch ein Hauch von Ruhe zu spüren. Damit die Bewohner einen Ort haben, an dem sie unter sich sein können, gibt es inzwischen einen Wochenmarkt abseits des Massentourismus. Der Tagestourismus "ruiniere" den Ort, heißt es in der Reportage. Bis zu 35 Reisebusse fahren täglich hinein. Das ist bereits eine Reduzierung, zuvor waren es noch rund 100 Busse.

Besonders bitter ist, dass die historische Bedeutung der Region und der Status als Welterbe vielen kaum bewusst sind. Obwohl die Stadt ein Museum mit dem historischen Hintergrund anbietet, schaffen es gerade einmal 15 bis 20 Leute am Tag, dieses zu besuchen.

Bewohnerin von Hallstatt erkennt ihre Heimat nicht wieder

Verena Lobisser arbeitet als Wirtin in Hallstatt. Sie findet, dass man "leicht in eine Rolle" fällt, die Aggressivität der Kunden zu verharmlosen. Für sie sind es schlicht zu viele Menschen. "Es würde sehr gut gehen, mit weniger Masse", erklärt sie. 6.000 Tagesbesucher würden ihr reichen. Zur Einordnung entspricht das etwa zwölf vollbesetzten Großraumflugzeugen.

Auch Lea Hinterer ist entsetzt. Sie erkennt ihr Zuhause kaum wieder. "Es ist traurig", sagt sie in die Kamera. Christian Hirtzberger, der zum Arbeitskreis zum Schutz der Wachau gehört, erkennt, dass zwar die großen Tourismusunternehmen die Gewinne machen aber "der Dreck und die Belastung" in den Städten hängenbleiben. Das Programm des Massentourismus sei ein Programm der "modernen Kapitalismuswirtschaft" erklärt er.

Quelle: teleschau – der mediendienst