In ihrem 94. Fall "Tatort: Die Schöpfung" haben es die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) an die Oper geschafft. Dort wurde eine Mitarbeiterin ermordet - und opernhaft drapiert. Der kunstfertige Krimi nutzt wieder einmal eine spektakuläre Kölner Location.
Die Kölner "Tatort"-Macher haben offenbar ein Händchen für spektakuläre Spielorte: Nach dem - sehr guten - "Tatort: Colonius" vom März 2025 geht es nun an die Baustelle Kölner Oper. Dort wurde 14 Jahre lang saniert - und nun der "Tatort: Die Schöpfung" gedreht. Für Kommissar und Opernfan Freddy Schenk (Dietmar Bär) geht ein Traum in Erfüllung. Wegen des Mordes an einer Mitarbeiterin der Oper ermittelt er mit dem Kollegen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) hinter den Kulissen der Spielstätte. Das Opfer arbeitete in der Requisite, die Erschossene trägt ein Kleid aus dem Kostümfundus. Ihr Körper wurde drapiert - wie für eine Opern-Inszenierung.
Intendant Darius Henning (Stephan Grossmann) ist entsetzt über den Mord an seinem Haus. Gleichzeitig darf der Manager den Spagat zwischen einer Endlos-Renovierung seines Stammhauses und den Ausweich-Spielstätten nicht aus dem Blick verlieren. Hilfreich bei den Ermittlungen ist Multi-Handwerkerin Eva Krüger (Katja Bürkle), das Mädchen für alles an der Kölner Oper. Sie kennt sich in den Gebäuden aus wie keine andere - und öffnet den Ermittlern viele Türen. Ballauf und Schenk fällt bald die junge Sängerin Valerie Schmitt (Hannah Schiller) auf. Sie scheint unter Druck zu stehen. Gegenwärtig singt Valerie nur im Chor - obwohl sie doch eigentlich als Solistin angestellt ist ...
Schuhmacher und Metal-Oper-Komponist
Im Krimi von Wolfgang Stauch (Drehbuch) und Torsten C. Fischer (Regie) lernt man durch die Augen der Ermittler verschiedene Gewerke eines Opernhauses und deren komplexe Funktionsweise kennen. Allein das ist schon mal faszinierend. Weil die Sanierung der "neuen alten Oper" nicht wie geplant zu Beginn der Dreharbeiten abgeschlossen war, musste die Filmcrew improvisieren und Szenen auf Baustellen sowie Ausweich-Bühnen drehen.
Doch das passte für Drehbuchautor Wolfgang Stauch: Er wollte ohnehin "keine 'Startenor liebt Starsopranistin-Story, sondern den Mikrokosmos hinter der Bühne erzählen". Deshalb spielt sein Krimi oft in Werkstätten, im Kostümfundus oder in der Maske und erzählt von jenen Menschen, die den mittelständischen Betrieb Oper am Laufen halten. Ein wenig gesungen wird natürlich auch. Neben dem echten Opern-Ensemble, das fürs namensgebende Oratorium "Die Schöpfung" von Joseph Haydn probt, sieht man Schauspielende bei der Probe für eine Metal-Oper von Schuhmacher, Hobby-Komponist und Rockfan Willi Köpke (Aljoscha Stadelmann).
Als klassischer Krimi ist der 96. Fall von Ballauf und Schenk eher Durchschnitt. Wobei man zugeben muss, dass der Plot wunderbar damit spielt, dass Morde in Opernwerken nicht nur häufig vorkommen, sondern auch entsprechend "groß" inszeniert werden. Spaß scheint Autor Stauch, der selbst kein Opernkenner ist, vor allem beim Schreiben der Dialoge gehabt zu haben. Er schnitzte Sätze zurecht, die offenbar keine typischen Krimidialoge sein mochten, sondern eher einer poetischen Sprache der Oper nahestehen und viel Sinn für Humor und Punchlines aufweisen. Eine weitere Stärke des Krimis ist die komplexe Bühnentechnik der Häuser, die als Kulisse für Verfolgungsjagden und ähnliches in Szene gesetzt werden.
Baustelle Deutschland: 14 statt drei Jahre Renovierung der Kölner Bühnen
Der "Tatort: Die Schöpfung" ist ein kurzweiliger und ein wenig verrückter Schnupperkurs in Sachen "Nachts allein in der Oper". Man lernt, wie ein solches Haus funktioniert, welche Backstage-Einrichtungen und Gewerke dafür nötig sind und wie die Rädchen im Betrieb Oper ineinandergreifen. Dies ist der große Pluspunkt dieses Krimis, dessen Fall man wohl schnell wieder vergessen haben wird.
Übrigens: Die Sanierung der Kölner Bühnen begann im Jahr 2012. Ursprünglich war die Wiedereröffnung für 2015 geplant. Wegen massiver Verzögerungen, Planungs- und Ausführungsprobleme haben sich Kosten und Zeitrahmen stark erhöht. Die tatsächliche Wiedereröffnung erfolgt nun - nach 14 Jahren - im Herbst 2026. Auch bei den Kosten lag man leicht daneben. Statt 250 Millionen wird das Projekt nun um die 800 Millionen kosten.