Ein noch immer unbekanntes Kapitel der deutschen Geschichte

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Die NS-Justiz: Recht des Unrechts
Der Dokumentarfilm verfolgt anhand von Archivdokumenten unter anderem das Leben und Wirken der jungen Juristin Lilo Gloeden, geb. Kuznitzky, im Widerstand gegen das NS-Regime.
ARTE / Bundesbild
Die NS-Justiz: Recht des Unrechts
Kriminalgericht Berlin-Moabit: Hier wird Hitler 1931 von dem jungen Anwalt Hans Litten wegen gelenkter SA-Übergriffe vor Gericht gestellt. Der junge Anwalt will in seinem neuen Fall beweisen, dass Hitler als Parteiführer für die von der SA begangenen Übergriffe verantwortlich sei, indem er ihn am 8. Mai 1931 in den Zeugenstand beruft.
ARTE / ZED
Die NS-Justiz: Recht des Unrechts
Anhand von zahlreichen Archivdokumenten beleuchtet der Dokumentarfilm "Recht des Unrechts" die NS-Justiz von ihren Anfängen bis hin zur Verurteilung von NS-Juristen bei den Nürnberger Prozessen.
ARTE / ADA
Die NS-Justiz: Recht des Unrechts
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und mit steigender Zahl der Hinrichtungen gab es für den Scharfrichter Johann Reichhart keine finanziellen Sorgen mehr; er erhielt erstmals ein festes Gehalt sowie zahlreiche Zulagen.
ARTE / Alamy
Die NS-Justiz: Recht des Unrechts
1931 hat im Berliner UFA-Palast der neue Film des Regisseurs Fritz Lang Premiere. "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" setzt metaphorisch die Rechtsauffassung der Nazis in Szene. Kleine Leute und Ganoven übernehmen die Aufgabe einer überforderten Justiz.
ARTE / Pareasens Film

Auch über 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Rolle der Jusatiz, insbesondere der Richter im Dritten Reich, noch weitgehend unbekannt. Wie konnte es zu 16.000 gegen "Volksfeinde" verhängten Todesurteilen und zu weiteren 30.000 Hinrichtungen durch Militärgerichte kommen?

Die Rolle der Justiz im Dritten Reich zu beleuchten, ist auch 80 Jahre nach dem Untergang des Nationalsozialismus keine leichte Aufgabe. Einerseits kamen nach der Besatzung durch die Alliierten zahllose NS-Richter alsbald wieder in Amt und Würden, Bemühungen um historische Aufarbeitung wurde dadurch zweifelsfrei erschwert. Andererseits hielt Hitler oberflächlich betrachtet an der bestehenden Gesetzgebung fest, unterwanderte sie aber durch neue Gesetze und Erlasse. Der nun wiederholte ARTE-Film von Jean-Marie Barrère und Marie-Pierre Camus (ARTE F, 2023) versucht in gedrängter Form und anhand von Einzelschicksalen von Tätern und Opfern eine Aufarbeitung.

Es ist ein Mosaik aus von den Nazis herbeigeführten Einschnitten, zeitgeschichtlichen Wendepunkten, aber auch Porträts von heute weitgehend unbekannten Persönlichkeiten. Dass dabei Widerstand leistenden Juristen wie dem Rechtsanwalt und mutigen Hitler-Gegner Hans Litten (holte Hitler bereits 1931 vor Gericht!) oder der Kölner Rechtsreferendarin und Widerständlerin Elisabeth Gloeden eigens Plätze eingeräumt werden, macht Sinn, weil sie jenseits der Nazistrategien wirkliche Schicksale näherbringt. Dass die Geschichte des Nürnberger Scharfrichters Johann Reichhart, der 3.000 Todesurteile zu vollstrecken hatte, in diesem Zusammenhang aufscheint, ist allerdings fragwürdig, auch wenn er unter anderem für die Vollstreckung der Todesurteile der Geschwister Scholl zuständig war. Interessant hingegen die geschickt eingestreute Bilderbuchkarriere des NS-Juristen und Gestapochefs Werner Best.

Ansonsten ist es erstaunlich, dass es eben doch immer wieder neue Bilder und Aspekte der NS-Zeit geben kann, die sie, wenn schon nicht belegen, aber doch kommentieren können. Wie Juristen von den Universitäten geholt und zu nationalsozialistischen Gefolgsleuten umerzogen wurden, wie Gewissen gegen Kameradschaft und Gemeinschaft eingetauscht wurden, geht auch heute noch unter die Haut.

Die NS-Justiz: Recht des Unrechts - Di. 05.05. - ARTE: 20.15 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst