"Du bekommst im Supermarkt keinen Rabatt, nur weil du bei MAGA mitmachst"
Autor: Teleschau
, Montag, 02. November 2026
Die Midterms, die Zwischenwahlen zur Halbzeit der Amtsperiode von Donald Trump, gelten als wegweisend. Die Stimmung in den USA ist gespalten und verunsichert. Das beweist eine neue ARD-Doku.
Shay Myers ist Zwiebel-Farmer in Idaho. Farmerland ist Trump-Land, hieß es immer, Idaho war eine "republikanische Bank". Auch Myers wählte beim letzten Mal Trump. Dieses Mal eher nicht. Denn durch Trumps Politik der großen, letztlich aber leeren Versprechungen, hat sich für ihn einiges geändert. Zum Negativen.
Zölle, Inflation, noch oben galoppierende Preise für Benzin und Dünger. Und dann auch noch die Abschiebungspolitik, von der Myers' Arbeitskräfte - die meisten aus Mexiko und Mittelamerika - gefährdet sind. Myrers' Prognosen klingen nicht nach blühenden Landschaften und Vertrauen in die Politik: "Im nächsten Jahr könnten wir schon pleite sein."
Trump lässt Fans "auf den größten Präsidenten der Geschichte der USA" schwören
Gudrun Engel, ARD-Korrespondentin in Washington, zog für die ARD-Doku "Midterms: Bröckelt Trumps Macht?" (Montag, 2. November, 22.50 ARD) durchs weite Land, um die Stimmung im Wahlvolk einzufangen. Sie spielte Pickleball mit Studenten in Florida, die auf dem Platz um Punkte und mit sich um ihre persönliche Verantwortung an den Wahlurnen ringen. Sie kniete mit anderen Pressevertretern beim Parteitag der Republikaner in Dallas, Texas. Dem ersten Parteitag, der jemals vor einer Midterms-Wahl abgehalten wurde.
Dort wurde sie Zeuge, wie Donald Trump seine anwesenden Fans einen Schwur leisten ließ, zur Wahl zu gehen und seine Partei zu wählen. Er ließ wirklich und ohne Scherz "auf den größten Präsidenten der Geschichte der USA" schwören. Engel sprach in Florida mit dem Charlie-Kirk-Verehrer Luiz Vasquez von der MAGA-Nachwuchsschmiede "Turning Point USA" und in Minneapolis mit der Freundin des von ICE-Beamten erschossenen Krankenpflegers Alex Pretti sowie in Memphis mit der Mutter des von der Nationalgarde getöteten Tyrin Johnson.
Wenig erstaunlich, dass die beiden Letztgenannten von der jetzigen Regierung wenig halten. "Ich habe die Mächtigen satt, die Hass und Wut schüren", sagt Alex' Freundin Heather. Erstaunlich ist eher, dass sie immer noch Hoffnung hat: "Unser Land ist immer noch großartig. Die Führung vielleicht nicht. Aber wir können das ändern - wir haben die Wahl."
Die Menschen fordern Kompromisse: "Uns allen geht's besser, wenn wir alle es besser machen"
Es sind die O-Töne von den Bürgerinnen und Bürgern, die diese 43-minütige Dokumentation letztlich sehenswert machen, denn dass die Zustimmungswerte von Donald Trump im Keller sind, ist bekannt. "Natürlich geht's um Geld. Jeder braucht mehr Geld", sagt etwa der demokratische Kandidat fürs Repräsentantenhaus Justin J. Pearson ehrlich. Aber das Problem hätten alle Menschen, ob politisch republikanisch oder demokratisch gesinnt: "Du bekommst im Supermarkt oder an der Tankstelle keinen Rabatt, nur weil du bei 'MAGA' mitmachst."
Butchy Austin, der mit seiner Kombo "Brass Solidarity" in Memphis für den Zusammenhalt aller Menschen und gegen das Vergessen der Gewaltexzesse von ICE antrompetet, spricht sich - wie über 80 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung - für Kompromissbereitschaft aus. Ohne die, sagt in Idaho auch Farmer Myers, ginge nichts. Das hätten "die letzten drei Regierungen" nur leider vergessen und sich lieber fanatisch in Machterhaltung geübt als darin, wirklich Lösungen für die wirklichen Probleme der Menschen anzubieten. Dabei wäre es - in der Theorie - so einfach, so Butchy: "Uns allen geht es besser, wenn wir alle es besser machen."