Dokudrama mit Moritz Führmann: 105 Tage in Haft der Taliban
Autor: Eric Leimann
, Mittwoch, 02. Sept. 2026
Fünf Wochen vor 9/11 wurden acht Entwicklungshelfer, darunter einige Deutsche, und 16 Ortskräfte in Afghanistan verhaftet. Nach den al-Qaida-Anschlägen gerieten sie als "Verhandlungsmasse" in den Fokus der Weltpolitik. Das zweiteilige Dokudrama "9/11 - Die Geiseln des Terrors" erzählt den Fall.
Sie wollten vor Ort Gutes tun. Dennoch wurde eine Gruppe ausländischer Entwicklungshelfer - wohl aus taktischen Gründen - 2001 von den Taliban verhaftet. Fünf Wochen vor den Terroranschlägen des 11. September in den USA nahm man in Afghanistan acht Entwicklungshelfer und 16 Ortskräfte der Organisation Shelter Now International fest. Der Vorwurf an die Organisation, in der einige deutsche Helferinnen und Helfer arbeiteten, lautete: Missionierung. Den Ausländern und ihren Mitarbeitern drohte die Todesstrafe. Nach den Anschlägen wurden diese Geiseln zur "Verhandlungsmasse" der Weltpolitik. Trotzdem ist diese Geschichte heute weitgehend vergessen. Im zweiteiligen Dokudrama "9/11 - Die Geiseln des Terrors" (ab Freitag, 4. September, in der ZDF-Mediathek oder am Mittwoch, 9. September, beide Teile ab 1.00 Uhr im ZDF) rekapitulieren die Filmemacher Ingo Helm (Doku) und Sabine Bernardi (Spielszenen) die mehr als 100 Tage dieser Geiselhaft - und der Politik um sie herum.
Unter den Festgenommenen sind Frauen und Männer aus Deutschland, Australien und den USA. Sie müssen menschenunwürdige Haftbedingungen und ein Schauverfahren durchstehen. Mit den Terroranschlägen am 11. September 2001 verändert sich ihre Situation schlagartig: Aus Gefangenen werden faktisch Geiseln. Washington stellt der Führung in Kabul ein Ultimatum - die Auslieferung Bin Ladens, die Schließung der al-Qaida-Terrorcamps und die Freilassung der Entwicklungshelfer. Die Gefangenen geraten so in den Sog eines internationalen Machtkonflikts, der über ihr Schicksal zu entscheiden droht.
Viele Geiseln kehrten freiwillig nach Afghanistian zurück
Das Dokudrama rekonstruiert die Geiselhaft anhand von Interviews, Zeitzeugenaussagen und nachgestellten Spielszenen. Dabei zeichnet es ein Bild von Angst, Hoffnung und dem Willen zu überleben. Moritz Führmann spielt Georg Taubmann, den Projektleiter von Shelter Now. Im Dokuteil berichtet der echte Taubmann von den besonderen Bedingungen jener Haft und dem Verhältnis zu den Geiselnehmern - vor der Festnahme: "Wir hatten auch, muss ich ehrlich sagen, eine gute Beziehung zu den Taliban. Wir mussten ja immer mit den Taliban zusammenarbeiten. Ich war oft in ihren Büros, die kamen auch zu mir nach Hause, haben mit mir Tee getrunken, haben mit mir gegessen."
Bemerkenswert: Ein Teil der ehemaligen Geiseln kehrt bereits 2002 nach Afghanistan zurück. Für sie zählen am Ende die unerwartet schönen Momente, die entstandenen Freundschaften und die selbstlose Solidarität afghanischer Mitgefangener mehr als das erlittene Trauma. Ihre Verbundenheit mit dem Land und seinen Menschen bleibt bestehen.
Da aus der Zeit der Gefangenschaft kaum Fotos und keinerlei Videomaterial oder Dokumente existieren, greift der Film an entscheidenden Stellen zu den Mitteln des Spielfilms, um die Atmosphäre jener Wochen erfahrbar zu machen. Parallel dazu wird das Geschehen dokumentarisch anhand von Interviews und Zeitzeugenberichten - auch aus der Politik und Diplomatie rund um die Freilassung der Geiseln - nacherzählt. Für zusätzliche Authentizität haben mehrere Darstellerinnen und Darsteller eigens Dialoge in Dari und Pashtu einstudiert, den in Afghanistan gebräuchlichen Sprachen.
Viel 9/11-Aufarbeitung bei ARD und ZDF
Rund um den 25. Jahrestag der Anschläge vom 11. September arbeiten ARD und ZDF das Geschehen aus mittlerweile historischem Abstand auf. Unbedingt sehenswert ist der Dokumentarfilm "September", der am 11. September, um 20.15 Uhr, die Primetime im Ersten füllt. Johan von Mirbachs 90-Minüter lässt einen die Ereignisse jener Tage durch spektakulär montierte Bilder und bewegende Interviews mit Vor-Ort-Zeugen in New York beinahe physisch nacherleben.
Auch das ZDF bietet über sein Dokudrama hinaus einen ganzen Schwung weiterer Formate rund um 9/11 in seinen Programmen: "Terra X History: 9/11 - Terror, Trauma, Zeitenwende" widmet sich am Sonntag, 6. September, 0.00 Uhr (ab 5. September im Stream) den langfristigen Folgen des Terrors. Am Gedenktag selbst beleuchtet ein "ZDF spezial" (19.25 Uhr, Moderation: Shakuntala Banerjee) das Thema und 3sat erforscht in der Sendung "NANO" (9. September, 18.30 Uhr, 3sat) die langfristigen Folgen von 9/11 aus wissenschaftlicher Perspektive. Auch das Erste sendet am Jubiläumstag eine Sondersendung mit aktuellen Schalten und Gesprächsgästen: "Der Tag, der die Welt veränderte - 25 Jahre nach 9/11", moderiert von Ellen Ehni, läuft am Freitag, 11. September, um 18.50 Uhr.