Druckartikel: Deutschland, die "resignierte Ehefrau" der USA: Comedian gibt ARD-Satire-Host deftig Kontra

Deutschland, die "resignierte Ehefrau" der USA: Comedian gibt ARD-Satire-Host deftig Kontra


Autor: Jens Szameit

, Freitag, 09. Januar 2026

"Maduro entführt - Wer stoppt Trump jetzt noch?" Unter diesem Motto beklagt Christian Ehring in der aktuellen "extra 3"-Ausgabe den Verfall des Völkerrechts. Dann aber bekommt er Widerspruch durch einen iranischstämmigen Stand-up-Comedian. Es entwickelt sich ein erhellendes Streitgespräch.


In Venezuela haben die USA gerade den Staatschef gefangen genommen. Schon artikuliert Präsident Donald Trump öffentlich Ansprüche auf die zu Dänemark gehörende, teilautonome Insel Grönland. "Es ist eine Zeitenwende, wie sie disruptiver nicht sein könnte", kommentiert Christian Ehring die Nachrichtenlage des noch jungen Jahres in der aktuellen Ausgabe des ARD-Satire-Magazins "extra 3": "Die Welt", findet er, "wandelt sich gerade radikal".

So weit, so erwartbar. Dann aber begrüßt der Show-Host einen Gast, der so gar nicht einstimmen will in den Abgesang auf das Zeitalter regelbasierter Ordnung. "Ich find's ehrlich gesagt ein bisschen süß, wie betroffen du als Europäer von diesem Völkerrechtsbruch bist", erwidert der Stand-up-Comedian Kawus Kalantar im Streitgespräch.

Kalantar wurde 1990 in Bremen geboren. Seine Eltern stammen aus Iran. Ehrings Völkerrechtssorgen geißelt der in Berlin lebende Comedypreis-Träger als weltfremd: "Das hat ein bisschen was von einem Mittelstandkind, das zum ersten Mal mitkriegt, dass nicht jeder Ski-Urlaub macht."

Raunen im "extra 3"-Studio

"Gar nicht der Punkt!", kommt die Replik vom Gastgeber. "Was hat das mit den USA zu tun? Trump pulverisiert hier gerade das Völkerrecht, ist doch Wahnsinn!" Eine Steilvorlage für seinen Gast: "Christian, du bist einfach nur peinlich berührt, weil du nicht mehr wegignorieren kannst, dass den USA beim Durchsetzen ihrer Interessen das Völkerrecht egal ist." Das Verhältnis von Deutschland und den USA gleiche bislang dem einer "resignierten Ehefrau, die ihrem reichen Ehemann jedes Fremdgehen verzeiht, solange sie es nicht mitkriegen muss und er ihr ein bequemes Leben ermöglicht".

"Nur weil der Stärkere das Völkerrecht bricht, wird das Gesetz ja nicht ungültig. Sonst gäbe es keine Verkehrsregeln für SUVs", rechtfertigt sich Ehring mit einem pointieren Vergleich. Auf die Frage, was die Alternative zur regelbasierten Ordnung wäre, bekommt er jedoch eine weitere nonchalante Antwort: "Gar nichts. Recht des Stärkeren. Gesetz des Dschungels."

Ehring schüttelt den Kopf: "Seit wann bist du so zynisch?" Das, kommt es prompt, könne er ganz genau sagen, grinst Kawus Kalantar: "Seitdem mein Vater fünf Jahre alt war." Damals, 1953, hätten die CIA den demokratisch gewählten Premierminister Irans, Mohammad Mossadegh, gestürzt. Vorausgegangen war ein Gesetz zur Verstaatlichung der iranischen Ölförder- und Raffinerieanlagen. Kalantar: "Das war die Blaupause für alle künftigen Regime-Change-Operationen." 64 habe es seither gegeben. Die Zahl sorgt für eine Mischung aus Lachen und Raunen unter den Zuschauerinnen und Zuschauern im "extra 3"-Studio.

"Für euch waren die Amerikaner der große Bruder, für uns der böse Stiefvater mit Gürtel"

Dass die Deutschen den Amerikanern geschichtlich viel zu verdanken haben, verstehe er "total", räumt Kalantar im weiteren Gesprächsverlauf ein: "Für euch waren die Amerikaner immer der große Bruder, für uns aber der böse Stiefvater mit Gürtel. Den lernt ihr jetzt auch ein bisschen kennen." Dabei seien der Fantasie keine Grenzen gesetzt. "Die gelten ja eh nicht mehr", wie jüngste Äußerungen aus der Trump-Administration über Kolumbien und Grönland zeigten.

Vielleicht gelte das sogar "irgendwann für Schleswig-Holstein", setzt Kalantar seinem bemerkenswerten Auftritt eine letzte bittere Pointe. Das Bundesland habe nicht nur das größte Erdölfeld Deutschlands, sondern mit Daniel Günther einen Ministerpräsidenten, der sich für einen offenen Umgang mit den Linken ausgesprochen habe: "Und der meinen ausgedachten Berichten zufolge wahrscheinlich, ziemlich sicher über die Nordsee Fentanyl ins Land schmuggelt. Das klingt meiner Meinung nach nach kommunistischer Drogen-Diktatur."

Fazit Christian Ehring, bevor tosender Studio-Applaus einsetzt: "Ich rechne mal lieber mit allem." Da ist dem "extra" 3"-Moderator wohl nicht zu widersprechen.

Quelle: teleschau – der mediendienst