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Das Wunder wächst im Gurkenglas: Warum "Small Prophets" die beste Serie des Jahres ist


Autor: Teleschau  

, Mittwoch, 07. Oktober 2026

Was in einem tristen Vorort von Manchester in einem Schuppen wächst, muss man gesehen haben: "Small Prophets" ist die wahrscheinlich beste Serie des Jahres. Sagt jedenfalls unser Autor.


Alle paar Jahre gibt es eine Serie, die voller Überraschungen ist, ein Juwel so exzentrisch, witzig und rührend, dass man sich ständig die Augen reiben muss. "Small Prophets" ist ein solches Wunder und so einzigartig, dass Apple TV erstmals eine Serie eingekauft hat, nachdem sie bereits auf einem anderen Kanal (BBC) ausgestrahlt worden ist. Ab 7. Oktober bringt die wahrhaft fantastische Serie von Mackenzie Crook beim Streamingdienst eine gehörige Portion Magie in die Wirklichkeit eines tristen Randbezirks von Manchester.

Dort lebt der stoische Mittfünfziger Michael (Pearce Quigley) in einer Doppelhaushälfte, die genauso zugewuchert ist wie sein Gesicht. Sein Leben besteht darin, morgens seinen alten Ford Capri irgendwie zum Laufen zu bringen, um zu seinem Job im Baumarkt zu fahren. Dort wird er zwar für seinen markanten Bart gefeiert, außer der gelegentlichen Verarschung von Kunden, ödet ihn die Arbeit aber ziemlich an. Das liegt auch, aber nicht nur, an seinem merkwürdigen Chef Gordon, der von Mackenzie Crook, aus dessen Fantasie und Feder "Small Prophets" entspringt, gespielt wird.

Immerhin sorgen die täglichen Besuche im Pflegeheim für etwas Abwechslung. Seinem dementen Vater (Monty Python-Star Sir Michael Palin) fällt immer etwas ein, um die Belegschaft und damit Michael auf Trab zu halten. Vor allem aber wartet Michael auf Clea. Für sie hatte er vor sieben Jahren im Wohnzimmer das lebensgroße Diorama eines Weihnachtstages aus ihrer Kindheit nachgebaut. Doch dann ist sie spurlos verschwunden.

Fernsehwunder aus dem Gurkenglas

Nein, es ist wirklich nicht viel los in Michaels Leben. Er hat sich damit arrangiert, fragt seine Nachbarin (Kathrin Drysdale) mit höflichem Desinteresse, warum sie ihren Kunstrasen düngt und wimmelt seinen neugierig-nervigen Nachbarn Clive (Jon Pointing) mit allerlei erfundenen Geschichten ab.

Wahrscheinlich würde es ewig so weitergehen, doch verrät ihm sein Vater in einem seiner lichten Momente ein alchemistisches Rezept, und Michael braut sich mit seiner zauberhaften Kollegin Kacey (Lauren Patel) aus Wasser, Schrott und Pferdemist Homunkuli zusammen. Diese magischen Wesen wachsen in alten Gurkengläsern, beantworten jegliche Frage stets wahrheitsgetreu und können in die Zukunft schauen. Plötzlich könnte alles anders werden: Michael muss sich nur trauen, die richtige Frage zu stellen.

Klingt märchenhaft? Ist es auch. Aber vor allem ist "Small Prophets" ein bewegendes Fernsehwunder mit so vielen Überraschungen und wunderbaren Menschen, dass man sie gar nicht alle aufzählen kann (und möchte). Mackenzie Crook ("The Office", "Fluch der Karibik", "Detectorists") beobachtet mit genauso viel Melancholie wie sanftem Humor das Leben von oftmals übersehenen Menschen mit all ihren Träumen und all ihrer Trauer. Allein die Szene, in der Michael ausgeraubt wird, ist ein Moment für die Ewigkeit. Schön, dass es noch weitere solche Momente geben soll: Die zweite Staffel wurde bereits angekündigt.

Quelle: teleschau – der mediendienst