Das hat der Schwarzwald-"Tatort" mit einem der berühmtesten Märchen der Welt zu tun
Autor: Eric Leimann
, Freitag, 02. Januar 2026
Der "Tatort: Das jüngste Geißlein" mit Tobler (Eva Löbau) und Berg (Hans-Jochen Wagner) ist eine clevere, moderne Variante des Grimmschen Märchens "Der Wolf und die sieben Geißlein". Was haben die "Tatort"-Macher verändert? Und warum war ausgerechnet dieses Märchen so erfolgreich?
Die Geschichte "Der Wolf und die sieben Geißlein" wurde erstmals 1812 im Buch "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm veröffentlicht. Wie bei fast allen Geschichten, die man den Märchensammlern aus dem hessischen Hanau zuschreibt, handelt es sich um eine mündliche Volksüberlieferung aus dem deutschsprachigen Raum.
Im "Tatort: Das jüngste Geißlein" spielt Autor und Regisseur Rudi Gaul clever mit der Vorlage und verwandelt sie in einen modernen und dennoch märchenhaften Krimi. Doch wofür steht der Märchen-Plot? Und wussten Sie, dass die Kinderdarstellerin in einem aktuell gefeierten Kinofilm aus Deutschland ebenfalls die Hauptrolle spielt?
Worum ging es?
Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner), der nach den Ereignissen des letzten Falles "Der Reini" vom Dienst suspendiert wurde, wurde von der Dorfbäckerin gebeten, nach ihrer verschollenen Mitarbeiterin zu schauen. Der private Kriminaler fand im einsamen Schwarzwaldhaus der Exil-Rumänin deren verängstigte Tochter Eliza (Hanna Heckt) - versteckt in einer Wanduhr.
Das Mädchen sprach nicht, Vater und Mutter waren verschwunden, Blutspuren im Haus deuteten auf ein Verbrechen hin. Berg verständigte daraufhin seine Kollegin Franziska Tobler (Eva Löbau), die mit einem Team den vermeintlichen Tatort untersuchte. Die neunjährige Eliza, die in Dauerschleife auf ihrem Walkman das Märchen "Der Wolf und die sieben Geißlein" hörte, wurde ins Jugendheim gebracht - eng betreut, ja fast schon abgeschottet von ihrer Kinderpsychologin Dr. Kaltenstein (Mina Tander). Was ist im Haus des Mädchens passiert?
Worum ging es wirklich?
"Der Wolf und die sieben Geißlein" war ein zentrales Motiv des ersten "Tatort" des neuen Jahres. Die Geschichte ist eines der erfolgreichsten Märchen der Welt und weit über die Grenzen des deutschen Sprachraumes bekannt. In der Geschichte ist die Mutter ausgegangen und sieben Kinder sind alleine zu Hause. Natürlich sollen die Geißlein niemandem die Tür öffnen. Ein Wolf versucht es mit verschiedenen Tricks trotzdem. Einmal gibt er sich mit weiß gefärbter Pfote als Mutter aus. Dann frisst er Kreide - daher die Redensart - und nimmt so die höhere Stimme der Mutter an.
Schließlich überlistet der (böse) Wolf die Kinder, dringt ins Haus ein und frisst sechs der sieben Geschwister. Nur das jüngste hat ein so gutes Versteck in der Wanduhr gefunden, dass der Wolf es nicht findet. Später kann das jüngste Geißlein der Mutter erzählen, was passiert ist. Was dazu führt, dass alle Geschwister aus dem Bauch des schlafenden Räubers gerettet werden können.
Was hat das Märchen zu bedeuten?
Im Prinzip beantwortet ein Dialog zwischen Kommissarin Tobler und einem Kollegen die Frage im Film selbst. Als Tobler wissen will, ob das Märchen - das vom Kind auf seinem Walkman in Dauerschleife gehört wird - etwas bedeutet, sagt der Kollege: "Märchen bedeuten immer dasselbe: Geh nicht alleine raus. Nicht mit Fremden mitgehen. Nicht vom Weg abkommen. Sonst wirst du vergewaltigt oder tot geschlagen. Oder beides."