Das etwas andere Meisterwerk der Filmgeschichte
Autor: Kai-Oliver Derks
, Donnerstag, 25. Juni 2026
Nicht nur sein Thema machte Francis Ford Coppolas preisgekrönten Antikriegsfilm einzigartig in der Kinogeschichte, sondern auch die Hintergründe seines Entstehens. 3sat zeigt nun eine 2019 als "Final Cut" vermarktete Version des Meisterwerks von 1979.
Spektakulär ist eigentlich alles an Francis Ford Coppolas Antikriegsfilm "Apocalypse Now" von 1979, der nun bei 3sat in der "Final Cut"-Version erneut zu sehen ist. Diese knapp dreistündige Fassung entstand 2019 anlässlich des 40-Jahre-Jubiläums des Meisterwerks, das unter anderem mit zwei Oscars, drei Golden Globes und der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet wurde. Spektakulär ist etwa die Tatsache, dass in "Apocalypse Now" erstmals eine filmische Aufarbeitung des Vietnamkriegs versucht wurde; spektakulär ist auch die Besetzung der Schlüsselrolle mit dem schwierigen Megastar Marlon Brando, und spektakulär sind die Kosten von 30 Millionen Dollar.
1969, zur Zeit des Vietnam-Kriegs soll der US-Captain B. L. Willard (Martin Sheen) im Auftrag der CIA Colonel Walter E. Kurtz (Marlon Brando) liquidieren. Denn der ehemals hoch dekorierte und angesehene Kurtz hat sich nach Kambodscha abgesetzt, wo er sich als grausamer Diktator über einen Eingeborenenstamm aufspielt. Mit einer willkürlich zusammengesetzten Mannschaft und einem Patrouillenboot tritt Willard die Reise in den Dschungel an, die sich zu einer absurden Odyssee entwickelt.
"Wie ein Acid-Trip"
"Ich finde, dass mein Film ein Anti-Kriegsfilm ist, und ein ehrlicher Film noch dazu. Und zwar über die Stimmung in Vietnam, die tatsächlich wie ein Acid-Trip gewesen ist", kommentierte Francis Ford Coppola den Vorwurf, er mystifiziere durch schrecklich-schöne Bilder den Krieg. Die Kritik hielt sich, was das Thema betraf, zurück, sprach aber von einem "monumentalen, glänzend inszenierten" Streifen. Bei den Filmfestspielen in Cannes feierte "Apocalypse Now" 1979 Premiere, wo er den Hauptpreis, die "Goldene Palme", erhielt. Der Kritiker des "Film-Beobachters" schrieb: "In diesem Film wird ein erschreckender Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele gegeben, die an dramatischer Wucht nichts zu wünschen übrig lassen."
Entstanden ist dieses Meisterwerk zwischen 1976 und 1979 unter ungemein strapaziösen Bedingungen. Nicht nur, dass Hauptdarsteller Martin Sheen während der Dreharbeiten einen Herzinfarkt erlitt. Nachdem das US-Verteidigungsministerium jede finanzielle Hilfe verweigert hatte, filmte Coppola auf den Philippinen. Dort zerstörte der Taifun "Olga" jedoch die Hälfte des rekonstruierten Kriegsschauplatzes. Um die Arbeit beenden zu können, investierte der Regisseur, der zu diesem Zeitpunkt mit den ersten beiden "Der Pate"-Filmen bereits Filmgeschichte geschrieben hatte, schließlich sein Privatvermögen.
"Mein Film handelt nicht von Vietnam. Er ist Vietnam", sagt Coppola über sein verstörendes Epos. 2019, also 40 Jahre nach Entstehung des Films, legte er eine in Ton und Bild komplett restaurierte Version seines Meisterwerks vor. Sie ist nun, von 183 auf 170 Minuten dezent gekürzt, bei 3sat zu sehen. Nach "Apocalypse Now Redux" (etwa 202 Minuten) war "Apocalypse Now Final Cut" bereits die zweite neue Schnittfassung.
Mittlerweile ist Coppola 87 Jahre alt. 2024 feierte er erneut Premiere in Cannes: Sein Sci-Fi-Monumentalfilm "Megalopolis", den der Regisseur angeblich seit über 40 Jahren schon im Kopf hatte und für den er erneut sehr viel Eigenkapital investierte, erwies sich jedoch als Flop.
Apocalypse Now - Final Cut - Fr. 03.07. - 3sat: 22.00 Uhr