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Corinna Harfouchs letzter Fall


Autor: Eric Leimann

, Dienstag, 27. Januar 2026

Nach nur fünf gemeinsamen Fällen mit Robert Karow (Mark Waschke) verlässt Susanne Bonard (Corinna Harfouch) die Berliner Ermittlerbühne. Im "Tatort: Gefahrengebiet" müssen die beiden den Fall eines Obdachlosen aufklären, der von einem frei laufenden Wolf getötet wurde. Oder war es doch ein Mensch?


Auch in Berlin kann die Natur zurückschlagen. Glaubt man gar nicht, bei all dem Beton. Im "Tatort: Gefahrengebiet" dringt das Nichtmenschliche in Form einer frei laufenden Wölfin in die Stadt ein. Ein toter Obdachloser, von vielen Bisswunden gezeichnet, könnte dem Tier zum Opfer gefallen sein. Robert Karow (Mark Waschke) und Susanne Bonard (Corinna Harfouch), die ihre letzte Arbeitswoche vor der Rente durchstehen muss, untersuchen den Leichnam, der auf einer Industriebrache am Rande der Stadt gefunden wurde. Bis zum Wald ist es von dort nicht weit. Spaziergängerin Edda Odin (Catherine Stoyan, die jüngere Schwester von Corinna Harfouch) hat die Leiche beim morgendlichen Rundgang mit ihren Hunden entdeckt. Und sie sah auch den Wolf in der Nähe des Tatorts. Es könnte allerdings sein, dass das Wildtier erst "post mortem" zuschlug - und der Mann ganz klassisch ermordet wurde.

Während die Ermittler auf entsprechende Ergebnisse aus der Forensik warten, greifen sie eine Survival-Lehrerin (Anne Ratte-Polle) und ihren Wildnis-Schüler Noah Farrell (Nils Kahnwald) im Wald auf. Während sich Letzterer wegen der Wolfsgefahr dazu entschließt, sich von Karow wieder in die Zivilisation zurückfahren zu lassen, gibt Bonard schon mal Ausweis und Dienstwaffe ab, um sich als Privatperson unter die Fittiche von Wildnislehrerin Professor Dara Kimmerer (Ratte-Polle) zu begeben. Schlecht ausgerüstet, aber im Angesicht der nahenden Rente verzweifelt, ist Bonard gewillt, sich völlig neuen Erfahrungen im winterlich kalten Wald zu stellen. Sie - und auch die Zuschauer - können sich auf einiges gefasst machen.

Zweite "Tatort"-Rentnerin nach Axel Milberg

Allzu lang war die Geschichte der Susanne Bonard und damit Corinna Harfouchs beim Berliner "Tatort" nicht. Da ihr Einstieg "Nichts als die Wahrheit" (2023) ein Zweiteiler war, ermittelte sie in lediglich fünf Fällen und sechs Filmen. Der vielleicht beste Film darunter war "Tatort: Am Tag der wandernden Seelen" (2024), der in der Vietnamesen-Community Berlins spielte und sowohl als poetische Sozialstudie wie auch als spannender Thriller durchging. Die Macherin jenes Films, Mira Thiel, ist nun auch für Buch und Regie von "Gefahrengebiet" verantwortlich. Leider sind es diesmal etwas viele Themen, die der "Tatort" anschneiden will. Es geht um nichts weniger als die Endzeit des Menschen, die sich im drohenden Jobverlust des "Arbeitstieres" Bonard spiegelt. Die Dystopie des drohenden Bedeutungsverlusts wird von Preppern, selbst ernannten Überlebenskämpfern und Zurück-zur-Natur-Apologeten umspült.

Es ist nicht übertrieben, zu behaupten, dass es ein ziemlich dunkler Abschied ist, dem man hier beiwohnt. Was Thiel in diesem "Tatort" gar nicht gelingt, sind verblüffenderweise die Dialoge. In ihrem Vietnamesen-Film waren diese noch ziemlich stark. Fast alle Figuren reden so künstlich und bedeutungsschwanger daher, dass selbst anerkannt herausragende Mimen wie Corinna Harfouch, Mark Waschke oder der Hamburger Theaterstar Nils Kahnwald wenig retten können. Einzig die wie immer großartige Anne Ratte-Polle findet als Mischung zwischen Bushcraft-Professorin und Wald-Schamanin einen stimmigen Tonfall zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit, den man als halbwegs glaubwürdig einschätzen würde.

Immerhin, wer Kommissare in Ausnahmesituationen sehen will, wie sie an ihre körperlichen und seelischen Belastungsgrenzen kommen, hat in diesem Kunstkrimi die Gelegenheit dazu. Zuletzt kämpfte der durchaus unterhaltsame "Tatort: Murot und der Elefant im Raum" am 28. Dezember 2026 mit der Quote und erzielte ein Jahres-"Tatort"-Tief von knapp unter fünf Millionen Zusehenden. Da Bonards Abschied nicht nur ein ziemlicher Arthaus-Film ist, sondern zum Teil auch noch Probleme mit Plot und Dialog hat, könnten auch diesmal viele klassische "Tatort"-Fans aussteigen. Corinna Harfouch, zweite "Tatort"-Rentnerin nach Axel Milberg in Kiel binnen eines Jahres, hätte dies nicht verdient. Mark Waschke, der 2022 schon den Ausstieg seiner Partnerin Meret Becker verkraften musste, wird übrigens weitermachen. Eine neue Partnerin oder ein neuer Partner für Waschke soll demnächst verkündet werden.

Tatort: Gefahrengebiet - So. 01.02. - ARD: 20.15 Uhr

Quelle: teleschau – der mediendienst